Donnerstag, 31. Dezember 2009

Rückblick 2009: Dezember - Musik

Die Musik im Dezember war und ist für mich immer noch geprägt von dem absolut perfekten Konzert der Them Crooked Vultures in der Berliner Columbiahalle, an das ich mich vermutlich auch noch in Jahren erinnern und zu den besten Liveerlebnissen überhaupt zählen werde. Dank WDR Rockpalast habe ich mich in der Zwischenzeit davon überzeugen können, dass die Band einen Tag später in Köln zwar auch toll aufgespielt hat, wir Berliner aber die bessere Atmosphäre boten, ein bisschen Lokalpatriotismus muss sein. Das Kölner Konzert sollte auf der Rockpalast-Seite noch bis Anfang Januar als Livestream abrufbar sein, da könnt ihr ja gerne mal reinschauen.
Rage Against The Machine haben es geschafft: Anfang Dezember starteten ihre Fans einen Aufruf über Facebook, nach dem man ihren 17 Jahre alten Song "Killing in the Name of", der nach wie vor aktuell ist, kaufen/downloaden sollte, um zu vermeiden, dass ein neuer Castinggewinner (Joe McElderry, X-Factor) mit einem 08/15 Song die Weihnachtscharts anführt. Wer sich ein bisschen mit britischer Popmusik auskennt, weiß, dass jeweils in den Wochen vor Weihnachten ein echter Wettbewerb stattfindet, wer am Weihnachtswochenende die Nr.1 ist (zur Hilfe auch bitte mal "Tatsächlich Liebe" gucken *lol*). 900.000x wurde das Stück geladen und setzte sich ganz knapp vor McElderry an die Spitze, der die Band jedoch in der Woche drauf toppte. Nun munkelt man was von Verschwörung und abgekartertes Spiel, weil beide Acts - RATM und McElderry - bei Sony unter Vertrag sind und die sich sicher über die PR für ihre Schützlinge massiv gefreut haben.
John Frusciante steigt aus den Red Hot Chili Peppers aus, eigentlich schon letztes Jahr, nur im Dezember wurde dies erst öffentlich. Der Grund dafür seien keine Streitigkeiten, er habe einfach andere musikalische Interessen - das wäre nun sein zweiter RHCP-Ausstieg.
Gene Simmons hat sich wohl geärgert, dass die Verkäufe des im Herbst erschienenen KISS-Albums "Sonic Boom" nicht gerade die Welt ins Wanken brachte, daher tat er sich mal wieder mit dem hervor, was er am besten kann: Angabe und dicke Hose. Nach eigenen Berechnungen glaubt der Mann mit 4.600 Frauen geschlafen zu haben, dagegen sind die Strichlisten des Grafs von Monte Christo ein Witz. Tja, der God of Thunder halt :)
Jetzt ein Punkt, den ich vielleicht unter "Sonstiges" in den gestrigen Rückblick hätte reinpacken müssen, denn eigentlich kann man das wohl kaum der Kategorie Musik zuordnen: die aktuelle Popstars-Staffel auf Pro7 hatte auch ein Gewinnerduo. Die beiden können zwar nicht singen, wurden von der Jury aber hochgelobt und von vielen kleinen Kindern, denen man kein Handy in die Hand geben dürfte, zum Siegerpaar erkoren. Bürgerlich heißen sie Leo und Vanessa. Doch die Jury hatte eine ganz tolle Idee und verpasste den armen Hascherln den "Bandnamen" Some & Any. Wer da Some und wer Any ist, mag munter drauf los geraten werden. Man könnte fast Mitleid bekommen.
Billy Corgan & Jessica Simpson?? *LACH* Ohne Worte.

Nach diesem ganzen Gossip kann man sich aber nun getrost den Veröffentlichungen des letzten Monats 2009 zuwenden. 30 Seconds to Mars brachten ihre neue Platte "This is War" heraus, nun finde ich deren Musik auf Dauer etwas anstrengend und hab daher auch nicht reingehört. Interessant finde ich aber die Tatsache, dass auf den unterschiedlichen Covern zur CD ihre Hardcore-Fans zu sehen sind... Und ich kenne da eine ganz oberflächlich, das ist schon nett...
Nick Oliveri (Ex-Basser QOTSA, Kyuss, heute Dwarves) brachte ein neues Soloalbum heraus, ich mag seine Musik zwar, bin aber einfach kein Fan von Acoustic-Sachen, daran konnten damals auch Nirvana oder später die Foo Fighters nichts ändern.

Zwei sehr gute bis geniale Filme boten in diesem Dezember fantastische Soundtracks:

wildthings_ostDie Frontfrau der Yeah Yeah Yeahs, Karen O, schnappte sich ein paar Kinder und spielte als Karen & the Kids einige märchenhafte Songs ein, welche die phantasievolle Atmosphäre von Spike Jonzes "Where The Wild Things Are" noch unterstützen und die einem noch lange nach Genuss des Films in den Ohren klingen. Professionelle Hilfe lieh sie sich noch bei Dean Fertita, Bradford Cox und anderen. Bei Musik, die extra für einen Film komponiert wurden, ist es nicht selten der Fall, dass sie losgelöst von den Bildern nicht funktionieren. Nicht so bei diesem Soundtrack. Die Titel bestechen allesamt durch eine Wärme, Leichtigkeit und diese feine Melancholie, die auch im Film zu spüren war, dass man sich völlig ergeben zurücklehnt und nur noch lauscht. Dabei sind die Klänge, wie ich finde, auch wirklich kinderaffin und dazu moderner als Rolf Zuckowski & Co. Anspieltipps kann man gar nicht geben, weil man das Album in Gänze hören sollte. Ich füge hier aber mal einen Link zu Titel 2 "All is Love" ein, den man sich bei Last FM anhören kann. Ihr müsst schon zugeben, dass man zu dieser Musik am liebsten auf seinem Bett rumspringen möchte!

Soul Kitchen OSTFatih Akin machte es sich bei dem Soundtrack zu "Soul Kitchen" etwas einfacher, hierfür wurden nicht extra Songs komponiert, sondern er griff einfach zu und vereinte das Who is Who internationaler Soul-Stars zur musikalischen Untermalung seines Films.  Größen wie Curtis Mayfield, Kool & the Gang, Quincy Jones etc. aber auch hierzulande eher unbekannte Musiker wie die Olympians (ein herrlicher, griechischer Popowackel-Song) oder Lokomondo (griechisches Chilling), türkische Klänge und dazu Jan Delay und Hans Albers als Hamburger Vertreter. Nun mag ich griechische und türkische Musik sowieso ganz gerne und in der Mischung mit 70/80ies amerikanischem Soul sowieso. Allen Titeln sind zwei Dinge gemeinsam: sie versprühen unbedingte gute Laune und gehen in die Beine. Im Gegensatz zu Karen & the Kids braucht man gar nicht erst zu überlegen, ob die Musik ohne die Bilder funktioniert, hier bieten sich Vergleiche zu Tarantino-Soundtracks an, die zwar eher andere Musikgenres unterbringen, aber der Effekt ist der gleiche: nämlich Musik zu entdecken, die man so vorher noch nicht gehört hat. Hier ein Link zu dem etwas rockigeren Titel "Sing Song Girl" von Er France (Last FM). Es lohnt sich wirklich, in dieses Album mal reinzuhören.

gainsbourg-irmAber nicht nur die Soundtracks dieses Monats waren erwähnenswert. Es bedurfte doch tatsächlich eines "heute-journal"-Beitrages, dass ich erfuhr, dass die sehr talentierte Actrice Charlotte Gainsbourg - wie ihre Mutter Jane Birkin - auch Musik macht. Und die Soundschnipsel, die ich in diesem ansonsten schlecht recherchierten Beitrag hörte, klangen richtig gut, also Album gekauft und *pling* ein weiteres musikalisches Highlight des Jahres erhalten. "IRM" ist mittlerweile ihre dritte Scheibe, wenn ich bei Amazon richtig gezählt habe.  Die älteren kenne ich nicht und kann daher keine Vergleiche anstreben. "IRM" wurde von Beck Hansen produziert, und das ist selbst für Laien unüberhörbar. Der Titel des Albums bezeichnet einen Kernspintomographen und spiegelt ihre Erfahrungen wieder, die sie nach einer 6monatigen Krankengeschichte nach einem Wasserski-Unfall gemacht hat. Das pochende, chaotische Geräusch des IRM wollte sie mit Beck in Musik umsetzen, und ich denke, das ist ihr auch gut gelungen. Der Eröffnungstitel "Master's Hands" klingt nahezu beängstigend. Track 2 "IRM" dagegen regelrecht trotzig. "Le Chat Du Café Des Artistes" ist ein modern geratener Chanson mit leicht unheilsschwangerem Unterton. Bei "Heaven Can Wait" - der ersten Singleauskopplung - singt sie mit Beck im Duett, eine 60ies-lastige Nummer, leicht Hippie angehaucht, gefällig aber nicht beliebig. Ihre zarte, ungemein mädchenhafte Stimme passt sich perfekt in dieses von Beck zelebrierte Percussion-Universum ein. Sie sing fast unmotiviert, man könnte auch "trällern" schreiben, doch das würde ihr Unrecht tun, denn ihr Gesang hat große Ausdruckskraft. Mein Liebling auf dem Album ist ja "Trick Pony", wer da reinhören will, schaut mal in ihrem Liveauftritt hier. Für Freunde gut gemachter Popmusik jenseits der Charts sei "IRM" hiermit wärmstens empfohlen.

Und das wars. Mein Rückblick 2009 ist beendet - und was mach ich jetzt?

Montag, 28. Dezember 2009

Rückblick 2009: November - Musik

Im November wird sich wohl so mancher Leser gefragt haben, was plötzlich auf meinem Blog los ist und wo die ganzen Konzertberichte herkommen. Dabei fing das alles ganz harmlos Ende Oktober mit Muse an. Die Karten für The Gossip und natürlich Them Crooked Vultures waren auch schon gesichert, da galt vor allem zunächst Vorfreude. Muse weckten in mir wieder die Freude an Live-Musik, so dass schnell noch die Karte für die Arctic Monkeys folgte. Und während ich noch so überlegte, ob ich mich am 05. November zum Mini-U2-Konzert ans Brandenburger Tor aufmachen sollte, welches im Rahmen der MTV European Music Awards stattfinden sollte, ratterte in meinem Browser in der Twitbin-Leiste plötzlich die Info durch, dass die Foo Fighters - ebenfalls anlässlich ihres Besuches bei den MTV Awards in Berlin - ein Überraschungskonzert spielen würden. Auf kleiner Bühne im kuscheligen Postbahnhof (auch als Fritz-Club bekannt) und für Ami-Rockband Verhältnisse fast geschenkten 30€. Das wars mir wert, abends an der einzigen Konzertkasse, die die (goldenen!) Karten vertickte, ewig in der nassen Kälte anzustehen. Die Show am 04.11. war dann auch einfach nur klasse, meine mich begleitende Kollegin ist nun Foo Fighters süchtig und die geschlagenen zwei Stunden, die wir berockt wurden, bildeten einen schönen Mitschnitt aus allen bekannten Foo Songs.
Vier Tage später ging es dann in die Arena zum Arctic Monkeys-Konzert, welches mich auch beeindruckt zurückließ, wenn ich auch ihren Support - die von mir sehr geliebten Eagles of Death Metal - spaßiger fand. Dann fand ich eine gute Entschuldigung für ein weiteres Konzert im November, nämlich den Geburtstag meiner Schwester, welche Billy Talent sehr mag. Prompt also Karte und mich als Begleitung verschenkt, so dass ich am 23.11. Zeuge wurde, wie Sänger Benjamin Kowalewicz Gefahr lief, noch live auf der Bühne von Gargamel eingesammelt zu werden. Nein, ein schönes Konzert, das mich von ihrer Musik echt überzeugt hat.
Den Vogel haben jedoch The Gossip im November abgeschossen, die eine absolut fantastische Show boten, mit einer Sängerin, die schon Halsschmerzen hatte, aber dennoch den ganzen Abend lang mit ihrer Traumstimme und ihrem Temperament die Leute unterhalten hat. Kann jedem nur raten, zum nächsten The Gossip Konzert zu gehen!
Also, tolle Musik, gute Stimmung, heftiges Mitsingen (inkl. Halsschmerzen hinterher) - was braucht man mehr? Hätte ich vorher im Lotto gewonnen, hätte es sicherlich auch noch Berichte zu Kasabian, Franz Ferdinand und Julian Plenti zu lesen gegeben, aber ich muss wohl kaum erwähnen, dass Tickets teuer sind.

Platten kamen natürlich auch raus im November. Robbie Williams brachte sein Comeback-Album "Reality Killed The Video Star" heraus - wie schon die Vorabsingle "Bodies" zeigte sich ein gealterter Robbie, und zwar nicht im positiven Sinne. Robbie Williams scheint jetzt schon die Musik machen zu wollen, zu der sich Phil Collins oder Elton John in ihren 50ern entschieden haben. Das ist schon ziemlich schade. Jetzt warte ich nur noch auf die endgültige Take That-Reunion, dann kann ich Robbie als interessanten Künstler endgültig abhaken. Snow Patrol brachten ebenfalls ein neues Album raus, aber auch bei ihnen macht sich allmählich Beliebigkeit breit, spannend ist das, was die Band bietet, nicht mehr wirklich.
Rammsteins Album "Liebe ist für alle da" wurde von der Prüfstelle indiziert, verantwortlich ist Ursula von der Leyen, die vor allem den Song "Ich tu dir weh" nebst Artwork in seiner S/M Darstellung für jugendgefährdend hält. Nun, Indizierungen waren nie ein Grund dafür, dass sich Alben nicht verkaufen, Rammstein hatten nach ihrem Pornovideo zu "Pussy" somit wieder ein paar weitere Provokationsschlagzeilen. Mich hat ja eher andere Musik interessiert:

biffyclyroBiffy Clyro brachten ihr mittlerweile fünftes Album raus. Die schottischen Rocker fielen mir das erste Mal vor knapp zwei Jahren als Support der Queens Of The Stone Age auf. Damals kaufte ich mir im Anschluss "Puzzle" mit dem Hammersong "Who's Got A Match" (und anderen natürlich). In ihre älteren Scheiben habe ich in der Zwischenzeit reingehört und kann nachvollziehen, warum Fans der ersten Stunde sich allmählich enttäuscht abwenden. Ihre Musik ist fraglos mainstreamiger geworden und hat einiges an Ecken und Kanten verloren. Waren ihren Songs zuvor etwas experimenteller und sperriger, so sind sie heute am besten als schnörkellos zu bezeichnen. Das muss aber nicht schlecht sein, wie "Only Revolutions" zeigt. Trockene Rocksongs mit guten Lyrics, dazu eingängige Melodien mit Ohrwurmcharakter und Refrains, die man nach zweimaligem Hören mitsingen kann. Dabei sollte man nicht unbedingt den Eröffnungssong "Captain" als Anspieler auswählen, denn dieser ist ungewohnt schwach für die Schotten und wirkt so unentschieden. Fängt an wie ein Fußball Hooligan Song, um dann einfach nur beliebig zu wirken. Aber "Mountains", "Booooom, Blast & Ruin" sind gute Vertreter trockenen aber massenkompatiblen Rocksounds. "The Golden Rule" hat zu Beginn fast Stonerrock-Charakter, um dann 1A an die Foo Fighters zu erinnern (und einen Tick James Bond Theme im letzten Drittel *g*). Überhaupt habe ich bei diesem Album häufig an die Foos denken müssen, d.h. an ihre Anfänge mit Alben wie "The Colour And The Shape". Wer also mit den Foos was anfangen kann, müsste eigentlich auch diese Biffy Clyro Scheibe mögen. Bei "Bubbles" hat Josh Homme mitgespielt, okay, das hätte ich jetzt aber nicht von selbst gemerkt, sondern habe das nachgelesen. "God & Satan" ist eine richtig schöne ruhige Songwriter-Nummer mit einem sehr hörenswerten Text. "Born On A Horse" ist mittlerweile einer meiner Lieblingstitel, rhythmische Popperle, bei der man automatisch mitwippt und die gute Laune versprüht. "Mountains" danach wirkt tatsächlich wie die perfekte Fortsetzung von "Born On A Horse", darf aber mit dem besseren Refrain aufwarten. Alles in allem ein gutes Album.

Sweethead1Ein bisschen spät habe ich erfahren, dass QOTSA (u.a.) Gitarrist Troy van Leeuwen schon im vergangenen Jahr mit der befreundeten Sängerin Serrina Sims sowie seinen Kumpels aus der Mark Lanegan Band Norm Block und Eddie Nappi die Band Sweethead gegründet hat. Die erste EP gabs in diesem Sommer mit der Single "Great Disruptors", die auch auf dem selbstbetitelten Album, welches im November erschien, eines meiner Lieblingstitel ist. Während Josh Homme leichte Probleme hat, in anderen Bandprojekten den QOTSA-Musikstil nicht durchzusetzen, erinnert bei dem Sweethead-Debüt kaum etwas an die große "Hauptband", sieht man mal von van Leeuwens Gitarrenkönnen ab. Beim ersten Hören habe ich mich noch leicht gewundert, warum Musiker, die es sich ganz offensichlich leisten können, ein perfekt produziertes Album abzuliefern, sich mit der teilweise recht schrammeligen Produktion, die eher an eine kleinere Garagenband erinnert, zufrieden geben. Mittlerweile weiß ich genau das zu schätzen. Sweethead klingen nicht wie The Next Big Thing aus dem QOTSA-Universum, sondern haben ein solides Rockalbum abgeliefert mit etlichen Popanleihen. Benannt haben sie sich nach einer B-Seite David Bowies, doch die heraushörbaren Einflüsse liegen bei einigen Titeln eher bei den Pretenders, ohne dass Serrina Sims eine ähnlich nervige Stimme hätte wie Chrissie Hynde. Nein, Sims klingt wie eine gute Mischung aus Brody Dalle, Courtney Love und PJ Harvey - und dafür, dass sie noch relativ frisch auf der Bühne steht, interpretiert sie die Songs recht selbstbewusst, als hätte sie seit Jahren nichts anderes gemacht. Neben dem groovenden "The Great Disruptors" überzeugt vor allem das wunderschöne, ruhige "Amazing Vanishing Contest", an dem wirklich alles stimmt. Der Opener "The Sting" ist ein trockener Rocker, "Turned Our Backs" lädt zum Pogen und Mitsingen ein, "P.I.G." braucht ein paar Durchläufe, ich mochte ihn erst, nachdem ich ihn live gehört habe. "Running Out" ist wieder sehr poppig geraten und lädt eher zum Zuhören, denn zum Rocken ein. Ansonsten würde ich noch "Other Side" als Anspieltipp empfehlen, bei dem Sims geradezu croont und der Refrain einen regelrecht ins Schwelgen bringt. Dagegen rockt "A.W.O.L." wieder garagenmäßig los. Auch ein guter Livesong im Übrigen. "The Last Evening" bildet dann den sehr ruhigen und melodischen Abschluss mit eingängigen Gitarrenparts und einer Serrina Sims, die mich da ein wenig an Juliette Lewis erinnert.
Sicherlich nicht perfekt, da ist definitiv Luft nach oben, aber man darf gespannt sein, was Sweethead noch so auf die Beine stellen. Mir gefällts bisher.

TCVJa, das verwundert jetzt niemanden oder? Natürlich darf in einem musikalischen Novemberrückblick das heiß ersehnte, selbstbetitelte Album von Them Crooked Vultures nicht fehlen. Ich hatte selten vor einer Veröffentlichung so undefinierte Erwartungen, soll heißen: ich erwartete keinen bestimmten Sound, sondern fühlte mich für alles offen, was da von den Herren Homme, Jones und Grohl kommen würde. So war ich beim ersten Anhören tatsächlich etwas irritiert: worauf habe ich eigentlich gewartet, wenn die Songs doch irgendwie alle klingen wie die QOTSA-Alben oder die Desert Sessions? Was ja nun per se nicht schlecht wäre, schließlich liebe ich diese Art von Musik. Aber wie so häufig täuschte der erste Eindruck. Natürlich hat Josh Homme dem Sound seinen Stempel aufgedrückt. Wer aber genau hinhört, kann die Einflüsse von Dave Grohl und John Paul Jones deutlich heraushören. Was mich am meisten an diesem Album fasziniert ist die Wucht der Songs, die klingen, als würden die Musiker auf Teufel komm raus drauf loshämmern, bei Anfängern kann sowas furchtbar schief gehen. Doch die drei sind einfach richtige Könner, Vollblutmusiker, die ihre Instrumente völlig beherrschen und somit ihre brachialen Rhythmen mit eleganten Melodien und raffinierten Arrangements verbinden. Hätte ich von keinem dieser Musiker vorher irgendetwas gehört, der Aha-Effekt beim zweiten Durchlauf des Albums wäre wie bei der ersten Muse-Platte, der ersten Nirvana-Scheibe oder eben der ersten QOTSA-Scheibe, das Gefühl, dass da jemand alle richtigen Knöpfe bei mir drückt und Musik spielt, die wie für meinen Geschmack gemacht zu sein scheint. Dabei ist dieses Album bisweilen sperrig, und einige Titel funktionieren live besser als auf dem Silberling. Ich gehe die einzelnen Titel mal durch:
Der Opener "Nobody Loves Me And Neither Do I" hat mich live im Dezember völlig umgepustet. Auch auf Platte ist das ein verdammt toller Einstiegssong. Der erste Teil ist ein staubtrockener Bluesrock, im letzten Drittel wird einem dann das Testosteron um die Ohren gehauen. Andere finden R'n'B sexy, ich das hier, insbesondere wenn ich den Bass im Bauch spüre!
"Mind Eraser No Chaser" habe ich einer Freundin und Foo Fighters Fan auf meine Jahresend-CD gebrannt, ich dachte, damit könnte sie bestimmt am ehesten leben, denn Dave Grohls Backgroundgesang und die Foo Breaks machen auch jeden Foo Fighters Fan glücklich, nett ist dann auch das Finale mit Tuba/Posaunen Klängen. "New Fang" gabs vorab als kostenlosen Download, Josh Homme singt hier klasse mit nem richtigen guten Flow, der Song lädt zum Tanzen ein, die leicht schräg-quietschenden Gitarren im Hintergrund machen Spaß. "Dead End Friends" ist für mich noch am ehesten auf diesem Album ein QOTSA-Song, der locker auf die "Songs For The Deaf" gepasst hätte, staubtrockender Sound, etwas sperriger, Hommes weiche Stimme konterkariert die Gitarrenriffs, und Bass/Drums bilden einen fetten Klangteppich. "Elephants" hat ganz zu Anfang sowas Aerosmith-mäßiges (also von früher mal...), aber wenn man unbedingt will, kann man auch ein bisschen Led Zeppelin Geschichte raushören. Wenn nach einer knappen Minute das Tempo rausgenommen wird und sich Herr Homme dann irgendwann bemüßigt fühlt, seinen Gesang beizusteuern, wird daraus ein leicht psychedelisch angehauchtes Stück, welches dann mit einer fast schon Stone Temple Pilots-artigen Bridge punktet. Ein knapp siebenminütiges Hammerstück, welches unterstreicht, was Homme im Visions-Interview gesagt hat: "Wir spielen so, wie andere es nicht können", das ist leider wahr, soviel Perfektion gepaart mit Spaß bringen sonst höchstens noch Muse oder Interpol. Dann wieder eine tanzbare Uptempo-Nummer mit "Scumbag-Blues", beim Live-Konzert habe ich diesen Effekte-Bass gesehen, mit dem John Paul Jones hier spielt - unglaublich groovend, die Drums hämmern im Hintergrund, und die Gitarre driftet in eine völlig andere Richtung, aber irgendwie passt doch alles zusammen. "Bandoliers" weckt anfangs Assoziationen an die Doors, traumhafte Gitarre, vermutlich das poppigste Stück auf dem Album. Bei "Reptiles" wollte man glaube ich mit aller Macht daran erinnern, dass sie ein ehemaliges Led Zeppelin-Mitglied an Bord haben - nicht nur ich habe da Anleihen aus "Kashmir" herausgehört, Hommes schrägste und beste Mikrophonarbeit bisher, eine Mischung aus hoch und tief, flüsternd, sprechend, grummelnd. Live ein Wahnsinnsstück, auf der Platte empfinde ich es auf Dauer als etwas anstrengend. "Interlude With The Ludes" ist so ein bisschen der Elvis auf Hawaii-Titel der Them Crooked Vultures, wahnsinnig schräg und ganz sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Ich persönlich finde es witzig. Dieses Interlude ist allerdings auch wichtig, bevor es mit dem knapp 8minütigem "Warsaw or the First Breath You Take After You Give Up" wieder in die düsteren Gefilde geht, spätestens hier spürt man den tiefen Bass in allen Körperteilen. Langsam stampft dieses Monster vor sich hin, unterbrochen von einem melodiösen Tempowechsel, bis der Song ab der vierten Minute plötzlich im Laufe des Gitarrensolos ein irres Tempo aufnimmt, bis man unweigerlich anfängt, glücklich vor sich hin zu grinsen. Die letzten zwei Minuten wirken wie eine entspannte Jamsession, und als Hörer spürt man, dass sich da ein Team gebildet hat, das eine ähnliche Vorstellung von Musik teilt und in dem die Chemie zweifellos stimmt. "Caligulove" wartet mit einem fantastischen Orgelsolo von John Paul Jones auf, der Sound klingt etwas hallig, beim Refrain fragt man sich, ob Josh Homme vor hat, Barry Gibb stimmlich übertrumpfen zu wollen, und Taktgeber Grohl drischt den Titel munter voran. "Gunman" ist schlicht und einfach nur geil, vielleicht weil er so einen Touch Trent Reznor light in sich trägt, oder nein, "Hell Cat" von den Scorpions (ganz ganz früher Song) klingt hier in dem Rhythmus mit, dazu ordentlicher Harmoniegesang. Bei dem Rhythmus muss man sich einfach bewegen, da kann man nicht still sitzen. Hervorragende sieben Minuten zum Schluss bietet dann "Spinning in Daffodils" - bei dem Piano-Anfang dachte ich zunächst an sowas wie "Estranged" oder so von Guns'n'Roses, aber diese Assoziation schwindet natürlich bei dem ersten Auftauchen von Drums und Gitarre. Sphärische Klänge, Walzerrythmus, und schräge Laute, die klingen, als sei man im Warteraum zur Hölle angekommen und wartet, dass seine Nummer aufgerufen würde. Ein perfekter Abschluss. Neben Muse, Julian Plenti und The Gossip mit eines der besten Alben dieses Jahres, daran können auch die Veröffentlichungen im Dezember nichts ändern.

Links zum Eintrag
Schniefnase für Dave
Foo Fighters Konzert am 04.11.09
Arctic Monkeys Konzert am 08.11.09
Billy Talent Konzert am 23.11.09
The Gossip Konzert am 26.11.09
Rammstein Indizierung (SZ)

Sonntag, 27. Dezember 2009

Rückblick 2009: Oktober - Musik

So, was gabs an Musik im Oktober? Eigentlich gar nicht so sehr viel Besonderes, eher ein Durchatmen vor den sehr musikalischen letzten beiden Monaten des Jahres.
Für mich persönlich gilt der Oktober eher als Startschuss für meine Konzerteaufholjagd. Nachdem seit März und den Eagles of Death Metal nicht viel in Sachen Konzerte bei mir passiert ist, war aber klar, dass ich als beinharter Muse-Fan den Berliner Auftritt in der O2-World nicht verpassen würde. Im Nachhinein bin ich immer noch begeistert von dem Bühnenaufbau und davon, dass es der Band gelungen ist, trotz der Weitläufigkeit dieser großen Halle eine gewisse intime Atmosphäre zu versprühen. Dennoch bin ich immer noch neidisch auf die Fans, die Muse im Berliner Admiralspalast genießen durften *grrr*. Ein ziemlich tolles Konzert, welches mich auch wieder auf den Geschmack gebracht hat, so dass ich mich nicht nur auf The Gossip im November und Them Crooked Vultures im Dezember, sondern auch noch dazwischen auf die Foo Fighters, Arctic Monkeys und Billy Talent gefreut habe. Wenn meine private Kasse es erlaubt hätte, dann hätte ich auch Kasabian, Biffy Clyro und Julian Plenti nicht verpasst, aber das wäre halt einfach zu teuer geworden.
Tja, Yello, Kiss, Air, Bela B brachten neue Alben raus, die mich allesamt nicht angesprochen haben. Auf das Editors Album "In This Light And On This Evening" hatte ich große Hoffnungen gesetzt, weil mir die Single "Papillon" extrem gut gefiel, war dann aber enttäuscht von der gesamten CD, die mich irgendwie an die Depeche Mode Nachmacher Camouflage erinnerten, die ich vor zwanzig Jahren schon nicht mochte. Auch das neue Album der von mir sonst gemochten The Raveonettes "In And Out Of Control" hat mich nicht vom Hocker gerissen. Von Miike Snow und Mumford & Sons habe ich erst Mitte Dezember jeweils einen Titel gehört und werde mich jetzt demnächst mal an ihre Oktober-Alben heranwagen.
Und naja, die Foo Fighters Greatest Hits war insofern uninteressant, als dass ich ja jede bisherige Veröffentlichung von ihnen besitze.
Robbie Williams läutete bereits im September sein Comeback mit der Single "Bodies" ein und gab im Oktober einige kleine Konzerte - u.a. ein sogenanntes "Geheimkonzert" (BILD) in Berlin vor der Max-Schmeling-Halle. Geheim blieb dieses natürlich nicht lange, Robbie spielte ein paar Songs, die Ausschnitte, die hinterher im Netz zu sehen waren, fand ich eher langweilig. Anfang November sollte sein Comeback-Album rauskommen, dazu dann im Nov-Rückblick mehr.
Die posthume Vermarktung Michael Jacksons ging weiter und gipfelte in "This is it" - dem Film, der Jackos Konzertvorbereitungen in Ausschnitten zeigt, und für den Menschen weltweit stundenlang vor den Kinos anstanden, um ihr Idol noch ein letztes Mal zu sehen. Ich habe ihn mir nicht angesehen, nun war ich auch nie ein großer MJ-Fan, aber diese Ausbeutung dieser tragischen Figur des Musikbusiness wollte ich auch nicht weiter unterstützen.

Da mich also im Oktober musikalisch nur sehr wenig angesprochen, erwähne ich hier mal meinen Lieblingstitel aus der TV-Werbung, die im Oktober so über den Bildschirm flimmerte - und das war ganz klar Grizzly Bear mit "Two Weeks" aus der Peugeot-Werbung, selten genug, dass ich nicht nur nicht wegzappe, sondern hinterher noch "recherchiere" zu welchem Titel da gerade ein Auto präsentiert wurde :)





Mittwoch, 23. Dezember 2009

Rückblick 2009: September - Musik

Was gabs im September aus der Musikwelt zu verkünden? Rammstein sorgten erneut für Provokation, in dem sie ihre Vorabsingle "Pussy" aus dem im November erscheinenden neuen Album "Liebe ist für alle da" mit einem Hardcorepornovideo unterlegten, welches man sich nur auf einem Erotik-Portal in ganzer Länge angucken konnte (ab 18J.). Ich persönlich fands dämlich und unnötig, aber die Meinungen hierzu scheinen auseinander zu gehen.
Im Juli und August habe ich vor lauter Fantasy Filmfest Euphorie völlig eine der wichtigsten musikalischen Neuigkeiten verpennt: John Paul Jones (LedZeppelin), Dave Grohl (Foo Fighters) und Josh Homme (Queens of the Stone Age) bilden die Them Crooked Vultures. Erste Shows in den USA gab es bereits im August. Noch gab es keine Single, kein Video, kein Album, doch der Hype und der Erwartungsdruck waren hoch. Mein Konzertticket für Anfang Dezember hatte ich bereits Ende September in der Tasche, ohne zu wissen, was mich da an Musik erwarten würde. Dazu dann in den Rückblicken zu November und Dezember mehr.
Ebenfalls verschlafen habe ich die Nachricht, dass auch ein weiteres Mitglied der QOTSA ein neues Projekt am Start hat, nämlich Troy van Leeuwen mit Sweethead. Eine erste EP kam im Juli raus, die ich dann im September entdeckt habe und schon recht gut fand. Das Album dazu gabs im November.

Meine Alben im September:

museEine meiner absoluten Lieblingsbands überhaupt brachte ihr neues Album raus: Muse mit "The Resistance". Sicherlich eine der besten Scheiben des Jahres. Die erste Single "Uprising" ist immer noch eines meiner absoluten Favoriten, tolle Harmonien, ein Ohrwurmrefrain und ein trockenes Gitarrensolo dazwischen.
Während auf dem Vorgänger "Black Holes und Revelations" aus dem Jahr 2006 nur mein Lieblingstitel "Knights of Cydonia" echte Ähnlichkeiten zu Queen aufwies, ist die musikalische Nähe Matt Bellamys und Co. zu den Rockkünstlern um Freddie Mercury schon deutlich spürbarer, wenn nicht gar unüberhörbar, beispielsweise bei "United States of Eurasia", in dem Muse es auch noch schaffen, ein bisschen Chopin einzuarbeiten. Aber nicht nur Queen werden munter zitiert, auch ABBA trifft es bei "Unnatural Selection" kurzzeitig (dieser Song beinhaltet übrigens auch einen 1A Scorpions Riff *lach*). Bei aller Zitaterei behalten sie jedoch immer ihren ureigenen Sound aus treibenden Gitarren, Bellamys Falsett-Gesang, welchen andere vielleicht als Jammern bezeichnen mögen, Melodien, die mal hierhin mal dorthin springen und dabei komischerweise einen Titel nie sperrig wirken lassen. Dazu echte Talente in der Rhythm-Section mit Dominic Howard an den Drums und Christopher Wolstenholme am Bass. "I Belong To You" strotzt dazu nur so vor Ironie, ein Uptempo-Titel, der sich eigentlich über die typischen Liebessongs lustig macht, man achte auf dieses alberne Klarinettensolo. Bei "MK Ultra" geht es schon wesentlich heftiger zur Sache, aber nicht weniger bombastisch als bei den anderen Titeln.
Davon mal abgesehen scheinen Muse sich immer mehr der klassischen Komposition zuzuwenden. Schon früher waren einzelne Titel kleine Symphonien in sich, auf "Resistance" findet sich nun eine dreiteilige, orchestrale Viertelstunde "Exogenesis - Part 1-3", die man am besten losgelöst vom restlichen Album hören sollte, damit sie ihre wahre Wirkung entfalten kann. Was die Herren da zusammenspielen und komponiert haben, ist ein absoluter Traum, der im Übrigen Klassik- wie auch Rockfans anspricht. Muse haben es sich mit diesem Album nicht einfach gemacht, haben eine Richtung eingeschlagen, mit der möglicherweise nicht jeder Fan der ersten Stunde mitgehen kann. Aber mit "The Resistance" haben sie sich meiner Meinung nach in die oberste Riege mit Bands wie Queen oder Led Zeppelin gespielt. Ein Wahnsinnsalbum!

missplatnumDann entdeckte ich durch Zufall die Musik von Miss Platnum, der aus Timisoara, Rumänien, stammenden Neu-Berlinerin mit bürgerlichem Namen Ruth Maria Renner. Auf ihrem mittlerweile dritten Album "The Sweetest Hangover" vereint sie Balkanklänge mit aktueller Popmusik und R'n'B, überzeugt dabei mit einer schönen Stimme, hörenswerten Texten und perfekt arrangierten Melodien, die einen kruden Mix aus irgendwie allen möglichen Instrumenten beinhalten. Schon Seeed und Peter Fox solo haben mit ihr zusammengearbeitet, das passt auch ganz gut, da es den Künstlern generell um die Verschmelzung unterschiedlicher Musikstile geht. "I'm broke" z.B. könnte auch locker auf eine Seeed-Platte passen, ob es daran liegt, dass sie sich deren Cold Steel-Drummer ausgeliehen hat? Und die Berlinerin hat sich nicht nur  Balkan-Trompeter an die Seite geholt, sondern versüßt auch mit Punjab-Anleihen in "Bollywood Movie" das Gehör, während die veritable Hitsingle "She moved in" jedem R'n'B Künstler gut zu Gesicht stünde.
Nicht jeder Song auf "Sweetest Hangover" ist große Kunst, aber dass Miss Platnum es schafft, nicht mal ein Cover von Kate Bushs Klassiker "Babooshka" zu versauen, dafür muss man schon Respekt zollen. Ansonsten bietet sich das Album auch als Soundtrack zur nächsten Party an. Titel wie "Why did you do it", "Cumpletely Happy" oder dem herrlichen "Drink Sister Drink" sind richtige Spaßsongs und natürlich tanzbar. "Where did you go boy" besticht durch seinen "Mörder"text und den dramatisch rausgehauenen Refrain. Damit wären die Anspieltipps auch schon genannt, ein wirklich feines Popalbum!

Montag, 21. Dezember 2009

Rückblick 2009: August- Musik

Puh, der August hatte es musikalisch in sich. Dabei will ich gar nicht behaupten, dass die unten aufgeführten Alben zu den Besten überhaupt zählen, aber sie sind es in jedem Fall wert, erwähnt zu werden.

arctic monkeysDie Arctic Monkeys brachten mit "Humbug" ihr drittes Studioalbum heraus. Vorab war schon lang und breit zu lesen, dass Josh Homme sich den jungen Engländern angenommen und ihren Drittling produziert hat. Das hört man allerdings auch heraus - einige Stücke tragen einen Hauch QOTSA in sich (z.B. "My Propeller"), trotzdem blieben die Monkeys sich treu. Ich bin ehrlich: ihre letzten beiden Alben mag ich grundsätzlich lieber, finde sie tanzbarer und rockiger. So habe ich einige Hördurchläufe gebraucht, bis ich auch "Humbug" zu meinen Jahresfavoriten zählen konnte, welches eindeutig ruhiger daher kommt und oftmals mehr die Stimme von Alex Turner im Vordergrund steht, die ich bei früheren Songs eher als eine Art weiteres Instrument wahrgenommen habe. Außerdem lässt sich feststellen, dass Turners Songwriting sich noch weiter verbessert hat, weiterhin sind es Alltagsbeobachtungen mit einer unweigerlich komischen Note, so dass man häufig schmunzelt, wenn man den Texten lauscht, etwa bei "Cornerstone" - wenn der Ärmste in allen möglichen Frauen seine Verflossene zu sehen glaubt und eine Abfuhr erhält, wenn er das Mädchen fragt, ob er sie beim Namen seiner Ex ansprechen kann - und das ist nicht mal das beste Beispiel. Abgesehen davon finde ich immer noch, dass "Cornerstone" anfangs so klingt, als würde Robbie Williams singen. "Crying Lightning"  geht da schon ein bisschen mehr ab. "Dance Little Liar" beinhaltet wieder eine gesunde Portion Surfpop und schafft beim Zuhörer eine relaxte Spannung, da spürt man irgendwie den Sommerabend. "Dangerous Animals" ist eine perfekte Symbiose aus dem typischen Arctic Monkeys Klang plus Josh Homme Produktion, könnte mir vorstellen, dass so ein Titel es auch auf die Desert Sessions geschafft hätte, den Song mag ich richtig gerne. "Fire And The Thud" hat etwas tierisch Doors-mäßiges finde ich,  trotz der sperrigen Bridge ein sehr eingängiger Sound, der mich erst nach mehrmaligem Hören angesprochen hat. Ich mag Alex Turners sanften Gesang bei dem Titel. "Pretty Visitors" steht sehr in der Tradition von "Favorite Worst Nightmares" - ist vermutlich auch daher der Song, der mich zuallererst am meisten angesprochen hat und nach wie vor einer meiner absoluten Favoriten auf dem Album. "The Jeweller's Hands" wäre dann die Soundperle am Ende, wenn man an dem Punkt angelangt ist, dass man sich wünscht, da käme noch viel mehr. "Humbug" ist sicherlich mein Album des Monats.

mastersofreality
Chris Goss, Mastermind der Masters of Reality bringt alle paar Jahre ganz relaxt ein neues Album raus - und jedes Mal bin ich hin und weg, so auch bei "Pine/Cross Dover". Der Mann, der gerne als Urvater des Stonerrocks bezeichnet wird, hats einfach noch richtig drauf. Mit Musikern wie Dave Catching, John Leamy, Mark Christian und Brendan McNichol hat er ein ziemlich pumpendes, grooviges Album eingespielt, welches insbesondere in seinen Instrumental-Passagen überzeugt. Eigentlich etwas, worauf ich normalerweise gar nicht so stehe, hier aber echt auf den Geschmack gekommen bin. Gleich der Opener "King Richard TLH" macht Laune, treibende Gitarrenriffs, ein teilweise fast schon choralhafter Gesang, da kommt man gleich in die richtige Stimmung. Mit "Absinthe Jim and me" kommt dann ein Vertreter des Stonerrocks zu Gehör, in dem Goss einen mit seinem hypnotischen Gesang einlullt, da fühlt man sich ein bisschen wie ein potentielles Opfer der Schlange Ka. Und irgendwie bekomme ich bei dem Titel so ein Livegefühl, kann mir vorstellen, wie das Stück live abgehen muss. "Worm in the Silk" fängt richtiggehend funkig an, geht in eine Art dub-bass über und klingt insgesamt eher experimentell - insbesondere das eingearbeitete Cover dieses Easy Listening-Titels ist der Hammer, passt so gar nicht und dann auch wieder doch. "Always" finde ich tatsächlich noch schwieriger, klingt mitunter völlig atonal - und trotzdem fesselnd. "Up in it" klingt genauso wie das was man von jemandem erwartet, der Kyuss und das erste QOTSA Album produziert hat. "Alfafa" - der Schlusstitel - ist dann ein gutes Beispiel dafür, wie gut instrumentale Rockmusik klingen kann und schlägt auch mit 12 Minuten üppig zu Buche, fast ein kleines Album für sich.  So gut wie "Deep in the Hole" - oder eher: so eingängig wie... - ist "Pine/Cross Dover" sicherlich nicht, aber es lohnt sich, reinzuhören.

juliette lewis

Juliette Lewis verabschiedete sich mit "Terra Incognita" plötzlich vom rotzigen Schweinerock ihrer früheren Alben (und von den Licks) und versuchte mal etwas anderes, experimenteller, sperriger, aber auch ausdrucksstärker und kraftvoller (mit den New Romantics). Sie dehnt ihre Stimme in alle Richtungen, so dass man sich manchmal an Patti Smith und dann wieder an PJ Harvey erinnert fühlt. Da gefällt sicherlich nicht jeder Song, aber der Opener "Noche Sin Fin" ist schon ziemlich besonders und gelungen, und vor allem sehr gefühlvoll. "Hard Lovin' Woman" hätte auch einer Janis Joplin gut zu Gesicht gestanden, und Lewis macht da stimmlich das Allerbeste draus. Sie singt einfach glaubwürdig. "Fantasy Bar" ist eine Uptempo Rocknummer, die ich mir als Single auch gut vorstellen könnte. "Romeo" fängt etwas sphärisch an, und ab der Mitte denke ich irgendwie immer an den großartigen Kathyrn Bigelow Film "Strange Days" und könnte mir den Titel noch im Nachhinein als Teil des Soundtracks vorstellen. Bei diesem Film ist mir damals auch das erste Mal Juliette Lewis Gesang aufgefallen, mit dem sie auch bei "All is for good" punkten kann. Spätestens bei dem Titel hab ich nachgeschaut, wer das Album produziert hat und wunderte mich dann auch nicht mehr, als ich den Namen Omar Rodriguez-Lopez las. Ohne Frage hört man die Handschrift des The Mars Volta-Masterminds heraus. Ich finde nach diesem Album kann man nicht mehr verleugnen, dass Miss Lewis eine verdammt talentierte Musikerin ist, auch wenn oder weil "Terra Incognita" sicherlich keine leichte Kost ist.

jandelayJan Delay veröffentlichte mit "Wir Kinder vom Bahnhof Soul" sein zweites Soloalbum. Auch wenn ich seine näselnde, nölige Stimme bisweilen schwierig finde - der Mann hat ohne Frage den Soul im Blut. Seine Vorbilder sind klar herauszuhören, doch nie wirken seine Titel wie die Kopien eines blassen Nordlichts, welcher mal "funky" sein möchte. Titel wie "Oh Jonny", "Überdosis Fremdscham" oder "Abschlussball" (mit herrlichem Falco-Sample) gehen einfach in die Beine. "Hoffnung" könnte eine wirklich wunderschöne Ballade sein, leider ist gerade bei diesem Titel Jan Delays Stimme im Weg und man wünscht ihm eine Polypen-OP. Das ist gemein, ich weiß, aber ich finds halt schade, weil an dem Song sonst alles stimmt: Text, Melodie und Stimmung. "B-Boys & Disko-Girls" gehört ohne Frage zu meinen Lieblingstiteln auf dem Album.
Delay orientiert sich insbesondere an den Soul der 70er Jahre, tanzbar, spaßig und musikalisch raffiniert. Da können sich einige der jetzigen US-Soul"Stars" ein Scheibchen von abschneiden.

finefrenzyAußer den oben beschriebenen Platten brachte auch A Fine Frenzy mit "Bomb In A Birdcage" ihren Nachfolger raus, der erneut mit schönen folkpoppigen Melodien glänzt und von der Stimme Alison Sudols profitiert, die ihre Titel sehr einfühlsam interpretiert und somit für wohlige Stimmung beim Zuhörer sorgt. Anspieltipps: "New Heights", "Electric Twist" und "Elements". Als jahrelanger Hörer von Emilliana Torrini finde ich ja deren diesjähriges Album relativ schwach und stelle fest, dass A FineFrenzy momentan die bessere Alternative für zauberhaften Frauenpop ist.






In Sachen Musik also ein abwechslungsreicher Monat!