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Dienstag, 27. Dezember 2011

Ein musikalischer Rückblick 2011

Das Ende des Jahres ist auch immer die Zeit für einen kurzen Überblick auf das zurückliegende Jahr, und ich schließe mich dieser Tradition ebenfalls gerne an. Diesmal beginne ich mit dem musikalischen Rückblick.
2011 ist für mich das Konzertjahr schlechthin, was einfach daran liegt, dass ich ausnahmsweise mal einen Silvestervorsatz eingehalten habe, nämlich meine Konzerttaktung wieder deutlich zu erhöhen, und dabei dann nicht immer nur auf die "altgedienten" Künstler zurückzugreifen (wobei es diese natürlich auch gab), sondern sich auch mal auf neue Sounds einzulassen. Auf diese Weise bin ich auf das eine oder andere überraschend gute Liveerlebnis gestoßen.
Eine Best of Liste lässt sich dabei nicht zusammenstellen. Sagen wir so, das Suede Konzert in der Brixton O2 Academy in London im Mai lässt sich in Sachen Fan-Stimmung und Spielfreude der Band kaum toppen. Die Foo Fighters haben als absolute Spaßband alle Erwartungen mehr als erfüllt. Sehr überraschend war für mich die Show von Kitty, Daisy & Lewis, bei der ich kaum Erwartungen hatte und dann sehr beeindruckt und tierisch gut gelaunt aus der Columbiahalle kam. Für mich neuentdeckt habe ich durch das Berlin Festival The Rapture, die ich vorher überhaupt nicht auf dem Schirm hatte, deren Album aber immer noch in Heavy Rotation auf meinem iPod dudelt. Auch Kasabian empfand ich als erfrischend und habe mich von der tollen Stimmung in der Halle mitreißen lassen, und die Wombats waren ebenfalls gut.
Eher enttäuschend waren Fleet Foxes, deren Show ich schon Tage später wieder vergessen habe, mir wars einfach einen Tick zu langweilig, hübsche Harmonien hin oder her. Die gab es im Übrigen auch bei Stornoway im Frühling und dazu eine Band, die so liebenswert schüchtern und sympathisch auf der Bühne stand, dass uns allen ganz warm ums Herz wurde. Dagegen haben mich die Arctic Monkeys dieses Jahr zweifach enttäuscht, nicht nur ein uninspiriertes neues Album eingespielt, auf dem sie nun mittlerweile klingen wie jede andere xbeliebige Band, sondern auch ein entsprechend uninspiriertes Konzert im Admiralspalast gespielt, bei dem mir nur der Support Auftritt von Miles Kane trotz schlechtem Sound in richtig guter Erinnerung ist. Regelrecht geärgert habe ich mich bei dem The Kills Konzert, dieses Abspulen von Rockklischees hat mich null berührt, da wollte kein einziger Funke überspringen.
Bands wie The Good Charlotte, The Pretty Reckless, The Vaccines, Bush haben abgeliefert, bei Kyuss Lives! kam noch ein gewisser Kultfaktor hinzu, der die Show gefühlsmäßig vermutlich ein bisschen besser machte, als sie eigentlich war. Naja, und bei Bryan Ferry fühlte ich mich ein bisschen wie ein Küken auf Zeitreise in die 80er... Außerhalb jeder Wertung waren natürlich die Popolskis, das muss man eh selbst erlebt haben, um da mitreden zu können *lach*.

Bei den Plattenveröffentlichungen sah es düsterer aus. Tatsächlich gab es nur ganz wenige neue Scheiben (oder iTunes-Downloads *g*), bei denen ich wirklich behaupten kann, dass man sie vom ersten bis letzten Song genießen könnte. Dazu gehört "Feel It Break" von Austra, die ich ebenfalls auf dem Berlin Festival klasse fand und am 1.1. zum Neujahreskonzert in der Volksbühne wieder sehe. Aber auch das selbstbetitelte Debüt von Young The Giant und "Palace" von Chapel Club. Dazu Hammeralben von Florence + The Machine ("Ceremonials"), Foster The People ("Torches"), The Rapture ("In The Grace Of Your Love"), Art Brut ("Briliant! Tragic") und The Vaccines ("What Did You Expect From The Vaccines") sowie der deutschen Entdeckung Boy ("Mutual Friends").
Traurig fand ich stattdessen einige Veröffentlichungen meiner bisherigen Lieblingsbands. Mit dem aktuellen Album von den Kaiser Chiefs "The Future Is Medieval" kann ich beispielsweise überhaupt nichts anfangen. Über die Red Hot Chili Peppers Scheibe breite ich mal komplett den Mantel des Schweigens. Die enttäuschende Arctic Monkeys Veröffentlichung habe ich weiter oben bereits erwähnt. Auch die Wombats konnte mit dem neuen "This Modern Glitch" qualitativ nicht an ihrem Debüt anschließen. Das neue Foo Fighters Album "Wasting Light" hat mich nun auch nicht sooo vom Hocker gerissen, war aber okay, live funktionieren die Songs sehr gut, dies gilt auch für "Velociraptor!" von Kasabian.
Bei meinem kürzlichen Reinhören in Coldplays "Mylo Xyloto" habe ich gegrübelt, ob Coldplay mittlerweile das heutige Äquivalent zu Phil Collins in den 80/90ern sind, sicherlich nach wie vor keine wirklich schlechte Musik, aber spießig, langweilig und ohne Ecken und Kanten.
Dafür haben mich beide Alben der ehemaligen Oasis-Gründer und Brüdel Noel ("Noel Gallagher's High Flying Birds") und Liam (mit Band Beady Eye "Different Gear, Still Speeding") Gallagher positiv überrascht. Beide vom Sound her sehr unterschiedlich, beide alles andere als perfekt, aber angenehm zu hören.

Ich bin gespannt, wohin die Richtung im nächsten Jahr geht, irgendwie fehlt mir momentan der Funke der Veränderung, wenige Bands/Künstler, die ich über "meine" Radiosender so zu hören bekomme, bringen noch etwas wirklich Neues zustande, meist handelt es sich um ein Sammelsurium aus bekannten Genres. Aber neugierig bleiben - so lautet meine Devise. Fürs kommende Jahr sind schon einige Live-Tickets gesichert, und ich lass mich gerne überraschen, was so manche Band sich noch aus der Hüfte leiern kann (warte beispielsweise sehnsüchtig auf ein neues Queens Of The Stone Age Album, nur als Beispiel).

Meine Jahres Best-of, die ich an Freunde verschickt habe, liest sich demnach so (entsprechend meines Musikgeschmacks halt sehr britisch geprägt...):

CD1

01 Foo Fighters - Dear Rosemary //Wasting My Light

02 Wire - Smash //Red Barked Tree

03 Bush - The Sound of Winter //The Sea of Memories

04 Taking Back Sunday - Money (Let It Go) //Taking Back Sunday

05 The Vaccines - A Lack of Understanding //What Did You Expect From The Vaccines?

06 Art Brut - Ice Hockey //Brilliant! Tragic!

07 Gruff Rhys - Space Dust #2 //Hotel Shampoo

08 Boy - Skin //Mutual Friends

09 Anna Depenbusch - Wir sind Hollywood //Die Mathematik der Anna Depenbusch

10 Miles Kane - Rearrange //Colour of the Trap

11 Kaiser Chiefs - Kinda Girl You Are //The Future is Medieval

12 The Wombats - Techno Fan //This Modern Glitch

13 CSS - Hits Me Like A Rock ft. Bobby Gillespie //La Liberación

14 Foster The People - Don't Stop (Colour On The Wall) //Torches

15 The Rapture - How Deep Is Your Love? //In The Grace Of Your Love

16 Florence + The Machine - What The Water Gave Me //Ceremonials

17 Austra - Shoot The Water //Feel It Break

18 Noel Gallagher's High Flying Birds - (Stranded On) The Wrong Beach //NGHFB


CD 2

01 The Valkyrians - Mongoloid (Devo Cover) //Punkrocksteady

02 The Subways - Down Our Street //Money And Celebrity

03 The Futureheads - Sun Goes Down //The Chaos

04 Clap Your Hands Say Yeah - Hysterical //Hysterical

05 British Sea Power - Living Is So Easy //Valhalla Dancehall

06 Mystery Jets - Flash A Hungry Smile //Serotonin

07 Portugal.The Man - All Your Light (Times Like These) //In The Mountain, In The Cloud

08 Young The Giant - St. Walker //Young The Giant

09 Funeral Party - Youth & Poverty //The Golden Age Of Knowhere

10 Brett Anderson - Actors //Black Rainbows

11 Chapel Club - Surfacing //Palace

12 Smith Westerns - Only One //Dye It Blonde

13 Kasabian - Re-Wired //Velociraptor!

14 Elbow - The Birds //Build A Rocket Boys!

15 Cold War Kids - Cold Toes On The Cold Floor //Mine Is Yours

16 Boots Electric - Speed Demon //Honkey Kong

17 Tennis - Marathon //Cape Dory

18 Kitty, Daisy & Lewis - Messing With My Life //Smoking In Heaven

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Ein erster musikalischer Jahresrückblick

Das Ende (des Jahres) naht, die Rückblicke häufen sich, aber kaum einer machts besser als die beiden Junge Malte und Jan-Philipp, die vor zwei Jahren die Messlatte mit ihrer Michael Jackson Nummer ziemlich hoch gelegt haben. Letztes Jahr folgte ein weiterer MJ-Song, diesmal ist Madonnas "Vogue" dran. Und während sie sich in den letzten Jahren mehrheitlich in ihrer Küche aufhielten, wirkt das diesjährige Video deutlich professioneller, was dem Ganzen aber leider auch ein kleines bisschen den Charme nimmt.
Trotzdem immer noch schön. Hier sind sie:






Donnerstag, 30. Dezember 2010

2010 in 1000 Worten

21 Tote bei der Loveparade durch ignorante, naive Planung in Duisburg / 33 Kumpel werden durch eine spektakuläre Rettungsaktion aus der chilenischen Tiefe befreit, per Webcam schauen Millionen Menschen zu, wie die Männer nach 69 Tagen gesund und munter von ihren Familien empfangen werden. / 3D Alarm in den Kinos / 6:4, 3:6, 6:7, 7:6 und 70:68: Nicolas Mahut vs John Isner schreiben Wimbledon-Geschichte mit dem längsten Match aller Zeiten in 11 Std. und 5 Min. / Absteiger Hertha BSC kann in der zweiten Buliga wieder gewinnen / Afghanistan - und von Guttenberg sagt das böse K-Wort / Airbus A380 und Quantas / AKW Laufzeitverlängerung wider die Vernunft / Amoklauf in Lörrach / Aschewolke legt Flugverkehr lahm / Aufsteiger St. Pauli / Aung San Suu Kyi kommt frei / Bahn warnt vor Bahnfahrten / Bauern, Muttersöhnchen und Möchtegerntalente bevölkern weiterhin TV / Bischof Mixa tritt zurück, fühlt sich aber unschuldig / R.I.P. Blake Edwards / R.I.P. Bobby Farrell / Böhser Onkel begeht Fahrerflucht / Bunga Bunga mit Berlusconi / R.I.P. Captain Beefheart / Canisius Kolleg und eine übersexualisierte Gesellschaft (O-Ton Mixa) / Carl XVI. Gustaf und die Army of Lovers / Christian Wulff erst im 3. Wahlgang, Schlappe für Merkel / Christoph Waltz gewinnt Oscar / R.I.P. Christoph Schlingensief / R.I.P. Claude Chabrol / Daniela Katzenberger wird talentfrei zur Kultblondine / Danni Lowinski erfreut SAT.1 und wird US-Amerikanerin / Darwin Deez - Indiesommerhit / Deepwater Horizon explodiert und versinkt / R.I.P. Dennis Hopper / Depeschen und ihre ehrlichen Inhalte / Der letzte Bulle / Die Grünen kommen / Drachenzähmen macht Spaß / Dresdner halten Neonazis auf / Dubai hat den Größten: Burdsch Chalifa überragt uns alle / Erdbeben in China / Eva Herrmann ätzt wieder / Eyjafjallajökull - Sprechtraining für Nachrichtensprecher / Facebook führt den Siegeszug fort und verdrängt MySpace / Fantasy Filmfest / R.I.P. Frank Giering / Frankreich vs Burka und Roma / Fremdschämen mit Menowin / Gaddafi vs. Schweiz / GEMA vs Kindergärten / GEZ Kopfpauschale / Gorillaz / Grubenunglücke in Chile, China, Neuseeland und Russland / Erdbeben und Cholera in Haiti / Giftschlamm in Ungarn / Hannelore Kraft weiß nicht, was sie will / Harald Schmidt unterschreibt wieder bei SAT.1 und Günther Jauch bei der ARD / Harry Potter im Endspurt / Hartz IV-Reform - 5€ mehr - scheitert vor dem Bundesrat / Hawaii Five-0 Neuauflage gelingt / R.I.P. Heidi Kabel / Hier kommt die Flut - Ostdeutschland und Polen unter Wasser / Hitzewelle - Deutschland schwitzt, und die Bahn grillt ihre Kunden / Horst Köhler macht auf Diva / Hotelsteuer - ein Geschenk von Guido / Inception / innerer Reichsparteitag von Müller-Hohenstein und Neid auf Cristiano Ronaldo seitens Olli Kahn / Integrationsdiskussion / iPad / It's so fluffy / Jesse James und das "Tattooluder" / Jogi Löw hat Style und Erfolg / Jörg Kachelmann in U-Haft / Julian Assange - Verbrecher oder moderner Held? / Justified / Kanellos - der griechische Protesthund / Karl-Theodor zu Guttenberg und seine Barbie / Karstadt lebt / Katar 2022 / Killertauben vs. Kings of Leon / Kim Jong Il & Kim Jong Un wetzen die Messer / Kinder nicht mal im Krankenhaus sicher / Kirche & Missbrauch / Klimawandel / Klopp & BVB / Kondome für den Papst / Konstantin Neven DuMont vs Stefan Niggemeier / Krakenpaul orakelt und stirbt / R.I.P. Lech Kaczyński / Lena-Manie bis zum Erbrechen / R.I.P. Leslie Nielsen / Liu Xiaobo erhält Friedensnobelpreis / R.I.P. Loki Schmidt / Lothar & Liliana / Luther in der BBC / Mads Mikkelsen goes Valhalla / Maradona macht nen Abgang / Marcell D'Avis stalkt die TV-Zuschauer / Margot Käßmann - don't drink and drive / Mark Zuckerberg wird Mann des Jahres / Massenpanik / Mehr netto vom brutto führt zu 15,5% KK-Beitrag / Mel Gibson vs Oksana / Merapi spuckt / Mesut Özil wird nach Spanien exportiert, nachdem er mit Merkel in Umkleidekabine erwischt wurde/ Michael Ballack - wer war das nochmal? / R.I.P. Mirco - stellvertretend für alle gequälten, missbrauchten und getöteten Kinder / Mit dem Motorrad ins Bellagio und mal richtig absahnen / Nacktscanner / Naturkatastrophen / Neuer Personalausweis / OB Adolf Sauerland übernimmt keine Verantwortung / OK Go drehen das beste Musikvideo des Jahres / Ölpest / R.I.P. Oswald Kolle / Paketbomben in Rom / Piranhas in 3D / Pleitegeier über Europa, Griechenland und Irland müssen sparen / Polen trauert um seine Regierung / Präsident der Herzen: Joachim Gauck / Rache für Wembley / Roman Polanski wieder auf freiem Fuß / R.I.P. Rue McClanahan / "Sack Reis tötet Eule" / Samuel Koch erleidet tragischen Unfall bei Wetten, dass/ Sandra Bullock - Glück im Spiel, Pech in der Liebe / Sarah Palins Comeback in der Teegesellschaft / Schäuble vs Offer / Schneechaos / Schwarz-gelb ergibt kackbraun / Scott Pilgrim / Scorpione in Rente / Sebastian Vettel wird F1 Weltmeister / Sex, Drogen & Charlie Sheen / Silvio Berlusconi wackelt, schnappt nach Luft und bleibt doch sitzen / Sitz im Sicherheitsrat der UN / Spanien wird Fußballweltmeister / spätrömische Dekadenz / Spionage / Sprengstoff im Bundeskanzleramt / Stefan Raab rettet den ESC / Street View in Deutschland / Stuttgart 21 / Stuxnet / Suede Comeback / Superhelden regieren das Kino / Take That mit Robbie back for good / Tea Party hat einen im Tee / Terriers will keiner sehen / Terrorwarnungen / Thilo Sarrazin wird zum Darling der Rechten / Thomas Müller / Tiger Woods demontiert sein Image / R.I.P. Tony Curtis / Tony Hayward segelt - aber nicht durch den Golf von Mexiko / Tschüss Roland Koch & Ole von Beust / Überschwemmungen in Pakistan / Victoria & Daniel in love / Unheilige Schlager vom Grafen erobern die Charts / Vuvuzela / Waldbrände in Russland / The Walking Dead setzt neue Maßstäbe / Whitney Houston krächzt / Wi ar ohl sitting in wan boht - Öttinger / Wildsäue und Gurkentruppen an die Macht / Wikileaks klärt auf / William & Kate in love / Winter / Zalando

Und der Hypo Real Estate lassen wir das letzte Wort:







Donnerstag, 23. Dezember 2010

2010 Best ofs - Musik

Im vergangenen Jahr habe ich ja eine recht detallierte Rückblicksreihe geschrieben, dazu fehlt mir momentan die Zeit. Aber ein paar Dinge gehören doch erwähnt.
Und heute fange ich mal mit Musik an, die hier im Blog leider immer etwas zu kurz kommt. Die besten Alben 2010 aufzulisten ist schon deswegen falsch und irreführend, weil man ja gar nicht alle gehört haben kann. Und gegen Ende eines Jahres kommen dann noch persönliche Best of CD-Mixe von Freunden bei mir an, die mir wiederum deutlich machen, was ich im Laufe der Zeit doch so an guter Musik verpasst habe. Doch einige CDs und manchmal auch nur einzelne Songs haben mir dieses Jahr eindeutig versüßt:

Zuerst mal OK Go mit dem unglaublichen "Of the Blue Colour of the Sky", auf dem jeder Song ein Treffer ist. MGMT haben mit "Congratulations" noch eine Schippe auf ihr gekonntes Debütalbum drauf gelegt. Auch wenn ihr Sound auf Dauer etwas anstrengend für meine Ohren ist, die einzelnen Titel für sich genommen sind groß! Anspieltipp "Brian Eno" - love it or hate it. Entdeckt habe ich Tame Impalas "Innerspeaker", auf dem die Aussies einen irren Bogen über Beck-artige Sounds bis hin zu Stoner Rock spannen. Broken Social Scenes Titel "Texico Bitch" bringt mich sofort zum Wippen, und Two Door Cinema Club haben mit "Tourist History" ein unglaublich ohrwurmtaugliches Album geschaffen, welches glücklich macht beim Zuhören. Soundtracks wie die von "Scott Pilgrim vs. The World" oder der soeben erschienene Daft Punk "Tron: Legacy"-Score können auch außerhalb des Kinos überzeugen. Und während Dauerlieblingsbands wie Interpol dieses Jahr enttäuschten, waren es Neuentdeckungen wie Broken Bells oder Darwin Deez, der mit "Radar Detector" und seinem selbstbetitelten Debütalbum für Indiesommerhits sorgte. Dank CharlesDexterWard habe ich überhaupt erst mitbekommen, dass Kula Shaker noch existieren, deren "Pilgrim's Progress" ich nur empfehlen kann. Passend zum Herbst habe ich dann The Black Keys entdeckt, zu deren Konzert ich im kommenden März auch tigern werde, ihre CD "Brothers" ist einfach nur der Hammer.
Die "Schläfer-CD" des Jahres war für mich sicherlich "Plastic Beach" von den Gorillaz. Zunächst ziemlich enttäuscht von dem Album haben sich die Songs erst live beim Konzert im November so richtig entfaltet, und ich habe mich neu in ihre Musik verliebt.

Auf vielen Konzerten war ich dieses Jahr nicht, da waren Altbekannte, wie die Queens of the Stone Age, die immer gut sind, Überraschungseier wie Jan Delay (höchst positiv) und Sunrise Avenue (negativ), alternde Helden wie Limp Bizkit, die müde wirkten und wieder auferstandene Helden wie Suede, die alles überstrahlten. Und da waren die Gorillaz, die mit 40 Leuten die Bühne bevölkerten und ein Klangerlebnis bescherten, welches von musikalischer und menschlicher Toleranz erzählte.

Und neben den ganzen verrückten, überstylten und sicher sehenswerten Lady GaGa-Videos gab es dieses hier. Das Video des Jahres! OK Go und "This too shall pass"


Für meine persönliche Jahresplaylist, die ich an Freunde verteilt habe, siehe Seite 2.



CD1

01 Metric - Black Sheep (OST Scott Pilgrim vs The World)

02 My Chemica Romance - Na Na Na (Danger Days: The True Lives Of The Fabulous Killjoys)

03 Blood Red Shoes - Count Me Out (Fire Like This)

04 Two Doors Cinema Club - This Is The Life (Tourist History)

05 New Politics - Dignity (New Politics)

06 Fyfe Dangerfield - Faster Than The Setting Sun (Fly Yellow Moon)

07 OK Go - I Want You So Bad I Can't Breathe (Of The Blue Colour Of The Sky)

08 Darwin Deez - Radar Detector (Darwin Deez)

09 The Drums - Let's Go Surfing (The Drums)

10 Broken Bells - The High Road (Broken Bells)

11 Agnes Obel - On Powdered Ground (Philharmonics)

12 Gorillaz - On Melancholy Hill (Plastic Beach)

13 Kula Shaker - Only Love (Pilgrim's Progress)

14 Kings of Leon - Pony Up (Come Around Sundown)

15 Tame Impala - Solitude Is Bliss (Innerspeaker)

16 Bonus Werbesong 2010: Empire Of The Sun - We Are The People (Walking On A Dream)



CD 2

01 Gorillaz - Style (Plastic Beach)

02 Little Dragon - My Step (Machine Dreams)

03 MGMT - Brian Eno (Congratulations)

04 The Coral - Roving Jewel (Butterfly House)

05 Broken Social Scene - Texico Bitches (Forgiveness Rock Record)

06 Tame Impala - Lucidity (Innerspeaker)

07 The Pretty Reckless - My Medicine (Light Me Up)

08 The Black Keys - Everlasting Light (Brothers)

09 Sex Bob-Omb - We Are Sex Bob-Omb (OST Scott Pilgrim vs The World)

10 New Politics - Yeah Yeah Yeah (New Politics)

11 We Are Scientists - Jack & Ginger (Barbara)

12 Deerhunter - Don't Cry (Halycon Digest)

13 The Dead Weather - The Difference Between Us (Sea Of Cowards)

14 Plain White T's - Killer Last Breath (Wonders Of The Younger)

15 Belle & Sebastian - Write About Love ft. Carey Mulligan (Write About Love)

16 Bonus for good old sakes *g*: Suede - Heroine (Dog Man Star)


Donnerstag, 31. Dezember 2009

Rückblick 2009: Dezember - Musik

Die Musik im Dezember war und ist für mich immer noch geprägt von dem absolut perfekten Konzert der Them Crooked Vultures in der Berliner Columbiahalle, an das ich mich vermutlich auch noch in Jahren erinnern und zu den besten Liveerlebnissen überhaupt zählen werde. Dank WDR Rockpalast habe ich mich in der Zwischenzeit davon überzeugen können, dass die Band einen Tag später in Köln zwar auch toll aufgespielt hat, wir Berliner aber die bessere Atmosphäre boten, ein bisschen Lokalpatriotismus muss sein. Das Kölner Konzert sollte auf der Rockpalast-Seite noch bis Anfang Januar als Livestream abrufbar sein, da könnt ihr ja gerne mal reinschauen.
Rage Against The Machine haben es geschafft: Anfang Dezember starteten ihre Fans einen Aufruf über Facebook, nach dem man ihren 17 Jahre alten Song "Killing in the Name of", der nach wie vor aktuell ist, kaufen/downloaden sollte, um zu vermeiden, dass ein neuer Castinggewinner (Joe McElderry, X-Factor) mit einem 08/15 Song die Weihnachtscharts anführt. Wer sich ein bisschen mit britischer Popmusik auskennt, weiß, dass jeweils in den Wochen vor Weihnachten ein echter Wettbewerb stattfindet, wer am Weihnachtswochenende die Nr.1 ist (zur Hilfe auch bitte mal "Tatsächlich Liebe" gucken *lol*). 900.000x wurde das Stück geladen und setzte sich ganz knapp vor McElderry an die Spitze, der die Band jedoch in der Woche drauf toppte. Nun munkelt man was von Verschwörung und abgekartertes Spiel, weil beide Acts - RATM und McElderry - bei Sony unter Vertrag sind und die sich sicher über die PR für ihre Schützlinge massiv gefreut haben.
John Frusciante steigt aus den Red Hot Chili Peppers aus, eigentlich schon letztes Jahr, nur im Dezember wurde dies erst öffentlich. Der Grund dafür seien keine Streitigkeiten, er habe einfach andere musikalische Interessen - das wäre nun sein zweiter RHCP-Ausstieg.
Gene Simmons hat sich wohl geärgert, dass die Verkäufe des im Herbst erschienenen KISS-Albums "Sonic Boom" nicht gerade die Welt ins Wanken brachte, daher tat er sich mal wieder mit dem hervor, was er am besten kann: Angabe und dicke Hose. Nach eigenen Berechnungen glaubt der Mann mit 4.600 Frauen geschlafen zu haben, dagegen sind die Strichlisten des Grafs von Monte Christo ein Witz. Tja, der God of Thunder halt :)
Jetzt ein Punkt, den ich vielleicht unter "Sonstiges" in den gestrigen Rückblick hätte reinpacken müssen, denn eigentlich kann man das wohl kaum der Kategorie Musik zuordnen: die aktuelle Popstars-Staffel auf Pro7 hatte auch ein Gewinnerduo. Die beiden können zwar nicht singen, wurden von der Jury aber hochgelobt und von vielen kleinen Kindern, denen man kein Handy in die Hand geben dürfte, zum Siegerpaar erkoren. Bürgerlich heißen sie Leo und Vanessa. Doch die Jury hatte eine ganz tolle Idee und verpasste den armen Hascherln den "Bandnamen" Some & Any. Wer da Some und wer Any ist, mag munter drauf los geraten werden. Man könnte fast Mitleid bekommen.
Billy Corgan & Jessica Simpson?? *LACH* Ohne Worte.

Nach diesem ganzen Gossip kann man sich aber nun getrost den Veröffentlichungen des letzten Monats 2009 zuwenden. 30 Seconds to Mars brachten ihre neue Platte "This is War" heraus, nun finde ich deren Musik auf Dauer etwas anstrengend und hab daher auch nicht reingehört. Interessant finde ich aber die Tatsache, dass auf den unterschiedlichen Covern zur CD ihre Hardcore-Fans zu sehen sind... Und ich kenne da eine ganz oberflächlich, das ist schon nett...
Nick Oliveri (Ex-Basser QOTSA, Kyuss, heute Dwarves) brachte ein neues Soloalbum heraus, ich mag seine Musik zwar, bin aber einfach kein Fan von Acoustic-Sachen, daran konnten damals auch Nirvana oder später die Foo Fighters nichts ändern.

Zwei sehr gute bis geniale Filme boten in diesem Dezember fantastische Soundtracks:

wildthings_ostDie Frontfrau der Yeah Yeah Yeahs, Karen O, schnappte sich ein paar Kinder und spielte als Karen & the Kids einige märchenhafte Songs ein, welche die phantasievolle Atmosphäre von Spike Jonzes "Where The Wild Things Are" noch unterstützen und die einem noch lange nach Genuss des Films in den Ohren klingen. Professionelle Hilfe lieh sie sich noch bei Dean Fertita, Bradford Cox und anderen. Bei Musik, die extra für einen Film komponiert wurden, ist es nicht selten der Fall, dass sie losgelöst von den Bildern nicht funktionieren. Nicht so bei diesem Soundtrack. Die Titel bestechen allesamt durch eine Wärme, Leichtigkeit und diese feine Melancholie, die auch im Film zu spüren war, dass man sich völlig ergeben zurücklehnt und nur noch lauscht. Dabei sind die Klänge, wie ich finde, auch wirklich kinderaffin und dazu moderner als Rolf Zuckowski & Co. Anspieltipps kann man gar nicht geben, weil man das Album in Gänze hören sollte. Ich füge hier aber mal einen Link zu Titel 2 "All is Love" ein, den man sich bei Last FM anhören kann. Ihr müsst schon zugeben, dass man zu dieser Musik am liebsten auf seinem Bett rumspringen möchte!

Soul Kitchen OSTFatih Akin machte es sich bei dem Soundtrack zu "Soul Kitchen" etwas einfacher, hierfür wurden nicht extra Songs komponiert, sondern er griff einfach zu und vereinte das Who is Who internationaler Soul-Stars zur musikalischen Untermalung seines Films.  Größen wie Curtis Mayfield, Kool & the Gang, Quincy Jones etc. aber auch hierzulande eher unbekannte Musiker wie die Olympians (ein herrlicher, griechischer Popowackel-Song) oder Lokomondo (griechisches Chilling), türkische Klänge und dazu Jan Delay und Hans Albers als Hamburger Vertreter. Nun mag ich griechische und türkische Musik sowieso ganz gerne und in der Mischung mit 70/80ies amerikanischem Soul sowieso. Allen Titeln sind zwei Dinge gemeinsam: sie versprühen unbedingte gute Laune und gehen in die Beine. Im Gegensatz zu Karen & the Kids braucht man gar nicht erst zu überlegen, ob die Musik ohne die Bilder funktioniert, hier bieten sich Vergleiche zu Tarantino-Soundtracks an, die zwar eher andere Musikgenres unterbringen, aber der Effekt ist der gleiche: nämlich Musik zu entdecken, die man so vorher noch nicht gehört hat. Hier ein Link zu dem etwas rockigeren Titel "Sing Song Girl" von Er France (Last FM). Es lohnt sich wirklich, in dieses Album mal reinzuhören.

gainsbourg-irmAber nicht nur die Soundtracks dieses Monats waren erwähnenswert. Es bedurfte doch tatsächlich eines "heute-journal"-Beitrages, dass ich erfuhr, dass die sehr talentierte Actrice Charlotte Gainsbourg - wie ihre Mutter Jane Birkin - auch Musik macht. Und die Soundschnipsel, die ich in diesem ansonsten schlecht recherchierten Beitrag hörte, klangen richtig gut, also Album gekauft und *pling* ein weiteres musikalisches Highlight des Jahres erhalten. "IRM" ist mittlerweile ihre dritte Scheibe, wenn ich bei Amazon richtig gezählt habe.  Die älteren kenne ich nicht und kann daher keine Vergleiche anstreben. "IRM" wurde von Beck Hansen produziert, und das ist selbst für Laien unüberhörbar. Der Titel des Albums bezeichnet einen Kernspintomographen und spiegelt ihre Erfahrungen wieder, die sie nach einer 6monatigen Krankengeschichte nach einem Wasserski-Unfall gemacht hat. Das pochende, chaotische Geräusch des IRM wollte sie mit Beck in Musik umsetzen, und ich denke, das ist ihr auch gut gelungen. Der Eröffnungstitel "Master's Hands" klingt nahezu beängstigend. Track 2 "IRM" dagegen regelrecht trotzig. "Le Chat Du Café Des Artistes" ist ein modern geratener Chanson mit leicht unheilsschwangerem Unterton. Bei "Heaven Can Wait" - der ersten Singleauskopplung - singt sie mit Beck im Duett, eine 60ies-lastige Nummer, leicht Hippie angehaucht, gefällig aber nicht beliebig. Ihre zarte, ungemein mädchenhafte Stimme passt sich perfekt in dieses von Beck zelebrierte Percussion-Universum ein. Sie sing fast unmotiviert, man könnte auch "trällern" schreiben, doch das würde ihr Unrecht tun, denn ihr Gesang hat große Ausdruckskraft. Mein Liebling auf dem Album ist ja "Trick Pony", wer da reinhören will, schaut mal in ihrem Liveauftritt hier. Für Freunde gut gemachter Popmusik jenseits der Charts sei "IRM" hiermit wärmstens empfohlen.

Und das wars. Mein Rückblick 2009 ist beendet - und was mach ich jetzt?

Montag, 28. Dezember 2009

Rückblick 2009: November - Musik

Im November wird sich wohl so mancher Leser gefragt haben, was plötzlich auf meinem Blog los ist und wo die ganzen Konzertberichte herkommen. Dabei fing das alles ganz harmlos Ende Oktober mit Muse an. Die Karten für The Gossip und natürlich Them Crooked Vultures waren auch schon gesichert, da galt vor allem zunächst Vorfreude. Muse weckten in mir wieder die Freude an Live-Musik, so dass schnell noch die Karte für die Arctic Monkeys folgte. Und während ich noch so überlegte, ob ich mich am 05. November zum Mini-U2-Konzert ans Brandenburger Tor aufmachen sollte, welches im Rahmen der MTV European Music Awards stattfinden sollte, ratterte in meinem Browser in der Twitbin-Leiste plötzlich die Info durch, dass die Foo Fighters - ebenfalls anlässlich ihres Besuches bei den MTV Awards in Berlin - ein Überraschungskonzert spielen würden. Auf kleiner Bühne im kuscheligen Postbahnhof (auch als Fritz-Club bekannt) und für Ami-Rockband Verhältnisse fast geschenkten 30€. Das wars mir wert, abends an der einzigen Konzertkasse, die die (goldenen!) Karten vertickte, ewig in der nassen Kälte anzustehen. Die Show am 04.11. war dann auch einfach nur klasse, meine mich begleitende Kollegin ist nun Foo Fighters süchtig und die geschlagenen zwei Stunden, die wir berockt wurden, bildeten einen schönen Mitschnitt aus allen bekannten Foo Songs.
Vier Tage später ging es dann in die Arena zum Arctic Monkeys-Konzert, welches mich auch beeindruckt zurückließ, wenn ich auch ihren Support - die von mir sehr geliebten Eagles of Death Metal - spaßiger fand. Dann fand ich eine gute Entschuldigung für ein weiteres Konzert im November, nämlich den Geburtstag meiner Schwester, welche Billy Talent sehr mag. Prompt also Karte und mich als Begleitung verschenkt, so dass ich am 23.11. Zeuge wurde, wie Sänger Benjamin Kowalewicz Gefahr lief, noch live auf der Bühne von Gargamel eingesammelt zu werden. Nein, ein schönes Konzert, das mich von ihrer Musik echt überzeugt hat.
Den Vogel haben jedoch The Gossip im November abgeschossen, die eine absolut fantastische Show boten, mit einer Sängerin, die schon Halsschmerzen hatte, aber dennoch den ganzen Abend lang mit ihrer Traumstimme und ihrem Temperament die Leute unterhalten hat. Kann jedem nur raten, zum nächsten The Gossip Konzert zu gehen!
Also, tolle Musik, gute Stimmung, heftiges Mitsingen (inkl. Halsschmerzen hinterher) - was braucht man mehr? Hätte ich vorher im Lotto gewonnen, hätte es sicherlich auch noch Berichte zu Kasabian, Franz Ferdinand und Julian Plenti zu lesen gegeben, aber ich muss wohl kaum erwähnen, dass Tickets teuer sind.

Platten kamen natürlich auch raus im November. Robbie Williams brachte sein Comeback-Album "Reality Killed The Video Star" heraus - wie schon die Vorabsingle "Bodies" zeigte sich ein gealterter Robbie, und zwar nicht im positiven Sinne. Robbie Williams scheint jetzt schon die Musik machen zu wollen, zu der sich Phil Collins oder Elton John in ihren 50ern entschieden haben. Das ist schon ziemlich schade. Jetzt warte ich nur noch auf die endgültige Take That-Reunion, dann kann ich Robbie als interessanten Künstler endgültig abhaken. Snow Patrol brachten ebenfalls ein neues Album raus, aber auch bei ihnen macht sich allmählich Beliebigkeit breit, spannend ist das, was die Band bietet, nicht mehr wirklich.
Rammsteins Album "Liebe ist für alle da" wurde von der Prüfstelle indiziert, verantwortlich ist Ursula von der Leyen, die vor allem den Song "Ich tu dir weh" nebst Artwork in seiner S/M Darstellung für jugendgefährdend hält. Nun, Indizierungen waren nie ein Grund dafür, dass sich Alben nicht verkaufen, Rammstein hatten nach ihrem Pornovideo zu "Pussy" somit wieder ein paar weitere Provokationsschlagzeilen. Mich hat ja eher andere Musik interessiert:

biffyclyroBiffy Clyro brachten ihr mittlerweile fünftes Album raus. Die schottischen Rocker fielen mir das erste Mal vor knapp zwei Jahren als Support der Queens Of The Stone Age auf. Damals kaufte ich mir im Anschluss "Puzzle" mit dem Hammersong "Who's Got A Match" (und anderen natürlich). In ihre älteren Scheiben habe ich in der Zwischenzeit reingehört und kann nachvollziehen, warum Fans der ersten Stunde sich allmählich enttäuscht abwenden. Ihre Musik ist fraglos mainstreamiger geworden und hat einiges an Ecken und Kanten verloren. Waren ihren Songs zuvor etwas experimenteller und sperriger, so sind sie heute am besten als schnörkellos zu bezeichnen. Das muss aber nicht schlecht sein, wie "Only Revolutions" zeigt. Trockene Rocksongs mit guten Lyrics, dazu eingängige Melodien mit Ohrwurmcharakter und Refrains, die man nach zweimaligem Hören mitsingen kann. Dabei sollte man nicht unbedingt den Eröffnungssong "Captain" als Anspieler auswählen, denn dieser ist ungewohnt schwach für die Schotten und wirkt so unentschieden. Fängt an wie ein Fußball Hooligan Song, um dann einfach nur beliebig zu wirken. Aber "Mountains", "Booooom, Blast & Ruin" sind gute Vertreter trockenen aber massenkompatiblen Rocksounds. "The Golden Rule" hat zu Beginn fast Stonerrock-Charakter, um dann 1A an die Foo Fighters zu erinnern (und einen Tick James Bond Theme im letzten Drittel *g*). Überhaupt habe ich bei diesem Album häufig an die Foos denken müssen, d.h. an ihre Anfänge mit Alben wie "The Colour And The Shape". Wer also mit den Foos was anfangen kann, müsste eigentlich auch diese Biffy Clyro Scheibe mögen. Bei "Bubbles" hat Josh Homme mitgespielt, okay, das hätte ich jetzt aber nicht von selbst gemerkt, sondern habe das nachgelesen. "God & Satan" ist eine richtig schöne ruhige Songwriter-Nummer mit einem sehr hörenswerten Text. "Born On A Horse" ist mittlerweile einer meiner Lieblingstitel, rhythmische Popperle, bei der man automatisch mitwippt und die gute Laune versprüht. "Mountains" danach wirkt tatsächlich wie die perfekte Fortsetzung von "Born On A Horse", darf aber mit dem besseren Refrain aufwarten. Alles in allem ein gutes Album.

Sweethead1Ein bisschen spät habe ich erfahren, dass QOTSA (u.a.) Gitarrist Troy van Leeuwen schon im vergangenen Jahr mit der befreundeten Sängerin Serrina Sims sowie seinen Kumpels aus der Mark Lanegan Band Norm Block und Eddie Nappi die Band Sweethead gegründet hat. Die erste EP gabs in diesem Sommer mit der Single "Great Disruptors", die auch auf dem selbstbetitelten Album, welches im November erschien, eines meiner Lieblingstitel ist. Während Josh Homme leichte Probleme hat, in anderen Bandprojekten den QOTSA-Musikstil nicht durchzusetzen, erinnert bei dem Sweethead-Debüt kaum etwas an die große "Hauptband", sieht man mal von van Leeuwens Gitarrenkönnen ab. Beim ersten Hören habe ich mich noch leicht gewundert, warum Musiker, die es sich ganz offensichlich leisten können, ein perfekt produziertes Album abzuliefern, sich mit der teilweise recht schrammeligen Produktion, die eher an eine kleinere Garagenband erinnert, zufrieden geben. Mittlerweile weiß ich genau das zu schätzen. Sweethead klingen nicht wie The Next Big Thing aus dem QOTSA-Universum, sondern haben ein solides Rockalbum abgeliefert mit etlichen Popanleihen. Benannt haben sie sich nach einer B-Seite David Bowies, doch die heraushörbaren Einflüsse liegen bei einigen Titeln eher bei den Pretenders, ohne dass Serrina Sims eine ähnlich nervige Stimme hätte wie Chrissie Hynde. Nein, Sims klingt wie eine gute Mischung aus Brody Dalle, Courtney Love und PJ Harvey - und dafür, dass sie noch relativ frisch auf der Bühne steht, interpretiert sie die Songs recht selbstbewusst, als hätte sie seit Jahren nichts anderes gemacht. Neben dem groovenden "The Great Disruptors" überzeugt vor allem das wunderschöne, ruhige "Amazing Vanishing Contest", an dem wirklich alles stimmt. Der Opener "The Sting" ist ein trockener Rocker, "Turned Our Backs" lädt zum Pogen und Mitsingen ein, "P.I.G." braucht ein paar Durchläufe, ich mochte ihn erst, nachdem ich ihn live gehört habe. "Running Out" ist wieder sehr poppig geraten und lädt eher zum Zuhören, denn zum Rocken ein. Ansonsten würde ich noch "Other Side" als Anspieltipp empfehlen, bei dem Sims geradezu croont und der Refrain einen regelrecht ins Schwelgen bringt. Dagegen rockt "A.W.O.L." wieder garagenmäßig los. Auch ein guter Livesong im Übrigen. "The Last Evening" bildet dann den sehr ruhigen und melodischen Abschluss mit eingängigen Gitarrenparts und einer Serrina Sims, die mich da ein wenig an Juliette Lewis erinnert.
Sicherlich nicht perfekt, da ist definitiv Luft nach oben, aber man darf gespannt sein, was Sweethead noch so auf die Beine stellen. Mir gefällts bisher.

TCVJa, das verwundert jetzt niemanden oder? Natürlich darf in einem musikalischen Novemberrückblick das heiß ersehnte, selbstbetitelte Album von Them Crooked Vultures nicht fehlen. Ich hatte selten vor einer Veröffentlichung so undefinierte Erwartungen, soll heißen: ich erwartete keinen bestimmten Sound, sondern fühlte mich für alles offen, was da von den Herren Homme, Jones und Grohl kommen würde. So war ich beim ersten Anhören tatsächlich etwas irritiert: worauf habe ich eigentlich gewartet, wenn die Songs doch irgendwie alle klingen wie die QOTSA-Alben oder die Desert Sessions? Was ja nun per se nicht schlecht wäre, schließlich liebe ich diese Art von Musik. Aber wie so häufig täuschte der erste Eindruck. Natürlich hat Josh Homme dem Sound seinen Stempel aufgedrückt. Wer aber genau hinhört, kann die Einflüsse von Dave Grohl und John Paul Jones deutlich heraushören. Was mich am meisten an diesem Album fasziniert ist die Wucht der Songs, die klingen, als würden die Musiker auf Teufel komm raus drauf loshämmern, bei Anfängern kann sowas furchtbar schief gehen. Doch die drei sind einfach richtige Könner, Vollblutmusiker, die ihre Instrumente völlig beherrschen und somit ihre brachialen Rhythmen mit eleganten Melodien und raffinierten Arrangements verbinden. Hätte ich von keinem dieser Musiker vorher irgendetwas gehört, der Aha-Effekt beim zweiten Durchlauf des Albums wäre wie bei der ersten Muse-Platte, der ersten Nirvana-Scheibe oder eben der ersten QOTSA-Scheibe, das Gefühl, dass da jemand alle richtigen Knöpfe bei mir drückt und Musik spielt, die wie für meinen Geschmack gemacht zu sein scheint. Dabei ist dieses Album bisweilen sperrig, und einige Titel funktionieren live besser als auf dem Silberling. Ich gehe die einzelnen Titel mal durch:
Der Opener "Nobody Loves Me And Neither Do I" hat mich live im Dezember völlig umgepustet. Auch auf Platte ist das ein verdammt toller Einstiegssong. Der erste Teil ist ein staubtrockener Bluesrock, im letzten Drittel wird einem dann das Testosteron um die Ohren gehauen. Andere finden R'n'B sexy, ich das hier, insbesondere wenn ich den Bass im Bauch spüre!
"Mind Eraser No Chaser" habe ich einer Freundin und Foo Fighters Fan auf meine Jahresend-CD gebrannt, ich dachte, damit könnte sie bestimmt am ehesten leben, denn Dave Grohls Backgroundgesang und die Foo Breaks machen auch jeden Foo Fighters Fan glücklich, nett ist dann auch das Finale mit Tuba/Posaunen Klängen. "New Fang" gabs vorab als kostenlosen Download, Josh Homme singt hier klasse mit nem richtigen guten Flow, der Song lädt zum Tanzen ein, die leicht schräg-quietschenden Gitarren im Hintergrund machen Spaß. "Dead End Friends" ist für mich noch am ehesten auf diesem Album ein QOTSA-Song, der locker auf die "Songs For The Deaf" gepasst hätte, staubtrockender Sound, etwas sperriger, Hommes weiche Stimme konterkariert die Gitarrenriffs, und Bass/Drums bilden einen fetten Klangteppich. "Elephants" hat ganz zu Anfang sowas Aerosmith-mäßiges (also von früher mal...), aber wenn man unbedingt will, kann man auch ein bisschen Led Zeppelin Geschichte raushören. Wenn nach einer knappen Minute das Tempo rausgenommen wird und sich Herr Homme dann irgendwann bemüßigt fühlt, seinen Gesang beizusteuern, wird daraus ein leicht psychedelisch angehauchtes Stück, welches dann mit einer fast schon Stone Temple Pilots-artigen Bridge punktet. Ein knapp siebenminütiges Hammerstück, welches unterstreicht, was Homme im Visions-Interview gesagt hat: "Wir spielen so, wie andere es nicht können", das ist leider wahr, soviel Perfektion gepaart mit Spaß bringen sonst höchstens noch Muse oder Interpol. Dann wieder eine tanzbare Uptempo-Nummer mit "Scumbag-Blues", beim Live-Konzert habe ich diesen Effekte-Bass gesehen, mit dem John Paul Jones hier spielt - unglaublich groovend, die Drums hämmern im Hintergrund, und die Gitarre driftet in eine völlig andere Richtung, aber irgendwie passt doch alles zusammen. "Bandoliers" weckt anfangs Assoziationen an die Doors, traumhafte Gitarre, vermutlich das poppigste Stück auf dem Album. Bei "Reptiles" wollte man glaube ich mit aller Macht daran erinnern, dass sie ein ehemaliges Led Zeppelin-Mitglied an Bord haben - nicht nur ich habe da Anleihen aus "Kashmir" herausgehört, Hommes schrägste und beste Mikrophonarbeit bisher, eine Mischung aus hoch und tief, flüsternd, sprechend, grummelnd. Live ein Wahnsinnsstück, auf der Platte empfinde ich es auf Dauer als etwas anstrengend. "Interlude With The Ludes" ist so ein bisschen der Elvis auf Hawaii-Titel der Them Crooked Vultures, wahnsinnig schräg und ganz sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Ich persönlich finde es witzig. Dieses Interlude ist allerdings auch wichtig, bevor es mit dem knapp 8minütigem "Warsaw or the First Breath You Take After You Give Up" wieder in die düsteren Gefilde geht, spätestens hier spürt man den tiefen Bass in allen Körperteilen. Langsam stampft dieses Monster vor sich hin, unterbrochen von einem melodiösen Tempowechsel, bis der Song ab der vierten Minute plötzlich im Laufe des Gitarrensolos ein irres Tempo aufnimmt, bis man unweigerlich anfängt, glücklich vor sich hin zu grinsen. Die letzten zwei Minuten wirken wie eine entspannte Jamsession, und als Hörer spürt man, dass sich da ein Team gebildet hat, das eine ähnliche Vorstellung von Musik teilt und in dem die Chemie zweifellos stimmt. "Caligulove" wartet mit einem fantastischen Orgelsolo von John Paul Jones auf, der Sound klingt etwas hallig, beim Refrain fragt man sich, ob Josh Homme vor hat, Barry Gibb stimmlich übertrumpfen zu wollen, und Taktgeber Grohl drischt den Titel munter voran. "Gunman" ist schlicht und einfach nur geil, vielleicht weil er so einen Touch Trent Reznor light in sich trägt, oder nein, "Hell Cat" von den Scorpions (ganz ganz früher Song) klingt hier in dem Rhythmus mit, dazu ordentlicher Harmoniegesang. Bei dem Rhythmus muss man sich einfach bewegen, da kann man nicht still sitzen. Hervorragende sieben Minuten zum Schluss bietet dann "Spinning in Daffodils" - bei dem Piano-Anfang dachte ich zunächst an sowas wie "Estranged" oder so von Guns'n'Roses, aber diese Assoziation schwindet natürlich bei dem ersten Auftauchen von Drums und Gitarre. Sphärische Klänge, Walzerrythmus, und schräge Laute, die klingen, als sei man im Warteraum zur Hölle angekommen und wartet, dass seine Nummer aufgerufen würde. Ein perfekter Abschluss. Neben Muse, Julian Plenti und The Gossip mit eines der besten Alben dieses Jahres, daran können auch die Veröffentlichungen im Dezember nichts ändern.

Links zum Eintrag
Schniefnase für Dave
Foo Fighters Konzert am 04.11.09
Arctic Monkeys Konzert am 08.11.09
Billy Talent Konzert am 23.11.09
The Gossip Konzert am 26.11.09
Rammstein Indizierung (SZ)

Sonntag, 27. Dezember 2009

Rückblick 2009: Oktober - Musik

So, was gabs an Musik im Oktober? Eigentlich gar nicht so sehr viel Besonderes, eher ein Durchatmen vor den sehr musikalischen letzten beiden Monaten des Jahres.
Für mich persönlich gilt der Oktober eher als Startschuss für meine Konzerteaufholjagd. Nachdem seit März und den Eagles of Death Metal nicht viel in Sachen Konzerte bei mir passiert ist, war aber klar, dass ich als beinharter Muse-Fan den Berliner Auftritt in der O2-World nicht verpassen würde. Im Nachhinein bin ich immer noch begeistert von dem Bühnenaufbau und davon, dass es der Band gelungen ist, trotz der Weitläufigkeit dieser großen Halle eine gewisse intime Atmosphäre zu versprühen. Dennoch bin ich immer noch neidisch auf die Fans, die Muse im Berliner Admiralspalast genießen durften *grrr*. Ein ziemlich tolles Konzert, welches mich auch wieder auf den Geschmack gebracht hat, so dass ich mich nicht nur auf The Gossip im November und Them Crooked Vultures im Dezember, sondern auch noch dazwischen auf die Foo Fighters, Arctic Monkeys und Billy Talent gefreut habe. Wenn meine private Kasse es erlaubt hätte, dann hätte ich auch Kasabian, Biffy Clyro und Julian Plenti nicht verpasst, aber das wäre halt einfach zu teuer geworden.
Tja, Yello, Kiss, Air, Bela B brachten neue Alben raus, die mich allesamt nicht angesprochen haben. Auf das Editors Album "In This Light And On This Evening" hatte ich große Hoffnungen gesetzt, weil mir die Single "Papillon" extrem gut gefiel, war dann aber enttäuscht von der gesamten CD, die mich irgendwie an die Depeche Mode Nachmacher Camouflage erinnerten, die ich vor zwanzig Jahren schon nicht mochte. Auch das neue Album der von mir sonst gemochten The Raveonettes "In And Out Of Control" hat mich nicht vom Hocker gerissen. Von Miike Snow und Mumford & Sons habe ich erst Mitte Dezember jeweils einen Titel gehört und werde mich jetzt demnächst mal an ihre Oktober-Alben heranwagen.
Und naja, die Foo Fighters Greatest Hits war insofern uninteressant, als dass ich ja jede bisherige Veröffentlichung von ihnen besitze.
Robbie Williams läutete bereits im September sein Comeback mit der Single "Bodies" ein und gab im Oktober einige kleine Konzerte - u.a. ein sogenanntes "Geheimkonzert" (BILD) in Berlin vor der Max-Schmeling-Halle. Geheim blieb dieses natürlich nicht lange, Robbie spielte ein paar Songs, die Ausschnitte, die hinterher im Netz zu sehen waren, fand ich eher langweilig. Anfang November sollte sein Comeback-Album rauskommen, dazu dann im Nov-Rückblick mehr.
Die posthume Vermarktung Michael Jacksons ging weiter und gipfelte in "This is it" - dem Film, der Jackos Konzertvorbereitungen in Ausschnitten zeigt, und für den Menschen weltweit stundenlang vor den Kinos anstanden, um ihr Idol noch ein letztes Mal zu sehen. Ich habe ihn mir nicht angesehen, nun war ich auch nie ein großer MJ-Fan, aber diese Ausbeutung dieser tragischen Figur des Musikbusiness wollte ich auch nicht weiter unterstützen.

Da mich also im Oktober musikalisch nur sehr wenig angesprochen, erwähne ich hier mal meinen Lieblingstitel aus der TV-Werbung, die im Oktober so über den Bildschirm flimmerte - und das war ganz klar Grizzly Bear mit "Two Weeks" aus der Peugeot-Werbung, selten genug, dass ich nicht nur nicht wegzappe, sondern hinterher noch "recherchiere" zu welchem Titel da gerade ein Auto präsentiert wurde :)





Mittwoch, 23. Dezember 2009

Rückblick 2009: September - Musik

Was gabs im September aus der Musikwelt zu verkünden? Rammstein sorgten erneut für Provokation, in dem sie ihre Vorabsingle "Pussy" aus dem im November erscheinenden neuen Album "Liebe ist für alle da" mit einem Hardcorepornovideo unterlegten, welches man sich nur auf einem Erotik-Portal in ganzer Länge angucken konnte (ab 18J.). Ich persönlich fands dämlich und unnötig, aber die Meinungen hierzu scheinen auseinander zu gehen.
Im Juli und August habe ich vor lauter Fantasy Filmfest Euphorie völlig eine der wichtigsten musikalischen Neuigkeiten verpennt: John Paul Jones (LedZeppelin), Dave Grohl (Foo Fighters) und Josh Homme (Queens of the Stone Age) bilden die Them Crooked Vultures. Erste Shows in den USA gab es bereits im August. Noch gab es keine Single, kein Video, kein Album, doch der Hype und der Erwartungsdruck waren hoch. Mein Konzertticket für Anfang Dezember hatte ich bereits Ende September in der Tasche, ohne zu wissen, was mich da an Musik erwarten würde. Dazu dann in den Rückblicken zu November und Dezember mehr.
Ebenfalls verschlafen habe ich die Nachricht, dass auch ein weiteres Mitglied der QOTSA ein neues Projekt am Start hat, nämlich Troy van Leeuwen mit Sweethead. Eine erste EP kam im Juli raus, die ich dann im September entdeckt habe und schon recht gut fand. Das Album dazu gabs im November.

Meine Alben im September:

museEine meiner absoluten Lieblingsbands überhaupt brachte ihr neues Album raus: Muse mit "The Resistance". Sicherlich eine der besten Scheiben des Jahres. Die erste Single "Uprising" ist immer noch eines meiner absoluten Favoriten, tolle Harmonien, ein Ohrwurmrefrain und ein trockenes Gitarrensolo dazwischen.
Während auf dem Vorgänger "Black Holes und Revelations" aus dem Jahr 2006 nur mein Lieblingstitel "Knights of Cydonia" echte Ähnlichkeiten zu Queen aufwies, ist die musikalische Nähe Matt Bellamys und Co. zu den Rockkünstlern um Freddie Mercury schon deutlich spürbarer, wenn nicht gar unüberhörbar, beispielsweise bei "United States of Eurasia", in dem Muse es auch noch schaffen, ein bisschen Chopin einzuarbeiten. Aber nicht nur Queen werden munter zitiert, auch ABBA trifft es bei "Unnatural Selection" kurzzeitig (dieser Song beinhaltet übrigens auch einen 1A Scorpions Riff *lach*). Bei aller Zitaterei behalten sie jedoch immer ihren ureigenen Sound aus treibenden Gitarren, Bellamys Falsett-Gesang, welchen andere vielleicht als Jammern bezeichnen mögen, Melodien, die mal hierhin mal dorthin springen und dabei komischerweise einen Titel nie sperrig wirken lassen. Dazu echte Talente in der Rhythm-Section mit Dominic Howard an den Drums und Christopher Wolstenholme am Bass. "I Belong To You" strotzt dazu nur so vor Ironie, ein Uptempo-Titel, der sich eigentlich über die typischen Liebessongs lustig macht, man achte auf dieses alberne Klarinettensolo. Bei "MK Ultra" geht es schon wesentlich heftiger zur Sache, aber nicht weniger bombastisch als bei den anderen Titeln.
Davon mal abgesehen scheinen Muse sich immer mehr der klassischen Komposition zuzuwenden. Schon früher waren einzelne Titel kleine Symphonien in sich, auf "Resistance" findet sich nun eine dreiteilige, orchestrale Viertelstunde "Exogenesis - Part 1-3", die man am besten losgelöst vom restlichen Album hören sollte, damit sie ihre wahre Wirkung entfalten kann. Was die Herren da zusammenspielen und komponiert haben, ist ein absoluter Traum, der im Übrigen Klassik- wie auch Rockfans anspricht. Muse haben es sich mit diesem Album nicht einfach gemacht, haben eine Richtung eingeschlagen, mit der möglicherweise nicht jeder Fan der ersten Stunde mitgehen kann. Aber mit "The Resistance" haben sie sich meiner Meinung nach in die oberste Riege mit Bands wie Queen oder Led Zeppelin gespielt. Ein Wahnsinnsalbum!

missplatnumDann entdeckte ich durch Zufall die Musik von Miss Platnum, der aus Timisoara, Rumänien, stammenden Neu-Berlinerin mit bürgerlichem Namen Ruth Maria Renner. Auf ihrem mittlerweile dritten Album "The Sweetest Hangover" vereint sie Balkanklänge mit aktueller Popmusik und R'n'B, überzeugt dabei mit einer schönen Stimme, hörenswerten Texten und perfekt arrangierten Melodien, die einen kruden Mix aus irgendwie allen möglichen Instrumenten beinhalten. Schon Seeed und Peter Fox solo haben mit ihr zusammengearbeitet, das passt auch ganz gut, da es den Künstlern generell um die Verschmelzung unterschiedlicher Musikstile geht. "I'm broke" z.B. könnte auch locker auf eine Seeed-Platte passen, ob es daran liegt, dass sie sich deren Cold Steel-Drummer ausgeliehen hat? Und die Berlinerin hat sich nicht nur  Balkan-Trompeter an die Seite geholt, sondern versüßt auch mit Punjab-Anleihen in "Bollywood Movie" das Gehör, während die veritable Hitsingle "She moved in" jedem R'n'B Künstler gut zu Gesicht stünde.
Nicht jeder Song auf "Sweetest Hangover" ist große Kunst, aber dass Miss Platnum es schafft, nicht mal ein Cover von Kate Bushs Klassiker "Babooshka" zu versauen, dafür muss man schon Respekt zollen. Ansonsten bietet sich das Album auch als Soundtrack zur nächsten Party an. Titel wie "Why did you do it", "Cumpletely Happy" oder dem herrlichen "Drink Sister Drink" sind richtige Spaßsongs und natürlich tanzbar. "Where did you go boy" besticht durch seinen "Mörder"text und den dramatisch rausgehauenen Refrain. Damit wären die Anspieltipps auch schon genannt, ein wirklich feines Popalbum!

Montag, 21. Dezember 2009

Rückblick 2009: August- Musik

Puh, der August hatte es musikalisch in sich. Dabei will ich gar nicht behaupten, dass die unten aufgeführten Alben zu den Besten überhaupt zählen, aber sie sind es in jedem Fall wert, erwähnt zu werden.

arctic monkeysDie Arctic Monkeys brachten mit "Humbug" ihr drittes Studioalbum heraus. Vorab war schon lang und breit zu lesen, dass Josh Homme sich den jungen Engländern angenommen und ihren Drittling produziert hat. Das hört man allerdings auch heraus - einige Stücke tragen einen Hauch QOTSA in sich (z.B. "My Propeller"), trotzdem blieben die Monkeys sich treu. Ich bin ehrlich: ihre letzten beiden Alben mag ich grundsätzlich lieber, finde sie tanzbarer und rockiger. So habe ich einige Hördurchläufe gebraucht, bis ich auch "Humbug" zu meinen Jahresfavoriten zählen konnte, welches eindeutig ruhiger daher kommt und oftmals mehr die Stimme von Alex Turner im Vordergrund steht, die ich bei früheren Songs eher als eine Art weiteres Instrument wahrgenommen habe. Außerdem lässt sich feststellen, dass Turners Songwriting sich noch weiter verbessert hat, weiterhin sind es Alltagsbeobachtungen mit einer unweigerlich komischen Note, so dass man häufig schmunzelt, wenn man den Texten lauscht, etwa bei "Cornerstone" - wenn der Ärmste in allen möglichen Frauen seine Verflossene zu sehen glaubt und eine Abfuhr erhält, wenn er das Mädchen fragt, ob er sie beim Namen seiner Ex ansprechen kann - und das ist nicht mal das beste Beispiel. Abgesehen davon finde ich immer noch, dass "Cornerstone" anfangs so klingt, als würde Robbie Williams singen. "Crying Lightning"  geht da schon ein bisschen mehr ab. "Dance Little Liar" beinhaltet wieder eine gesunde Portion Surfpop und schafft beim Zuhörer eine relaxte Spannung, da spürt man irgendwie den Sommerabend. "Dangerous Animals" ist eine perfekte Symbiose aus dem typischen Arctic Monkeys Klang plus Josh Homme Produktion, könnte mir vorstellen, dass so ein Titel es auch auf die Desert Sessions geschafft hätte, den Song mag ich richtig gerne. "Fire And The Thud" hat etwas tierisch Doors-mäßiges finde ich,  trotz der sperrigen Bridge ein sehr eingängiger Sound, der mich erst nach mehrmaligem Hören angesprochen hat. Ich mag Alex Turners sanften Gesang bei dem Titel. "Pretty Visitors" steht sehr in der Tradition von "Favorite Worst Nightmares" - ist vermutlich auch daher der Song, der mich zuallererst am meisten angesprochen hat und nach wie vor einer meiner absoluten Favoriten auf dem Album. "The Jeweller's Hands" wäre dann die Soundperle am Ende, wenn man an dem Punkt angelangt ist, dass man sich wünscht, da käme noch viel mehr. "Humbug" ist sicherlich mein Album des Monats.

mastersofreality
Chris Goss, Mastermind der Masters of Reality bringt alle paar Jahre ganz relaxt ein neues Album raus - und jedes Mal bin ich hin und weg, so auch bei "Pine/Cross Dover". Der Mann, der gerne als Urvater des Stonerrocks bezeichnet wird, hats einfach noch richtig drauf. Mit Musikern wie Dave Catching, John Leamy, Mark Christian und Brendan McNichol hat er ein ziemlich pumpendes, grooviges Album eingespielt, welches insbesondere in seinen Instrumental-Passagen überzeugt. Eigentlich etwas, worauf ich normalerweise gar nicht so stehe, hier aber echt auf den Geschmack gekommen bin. Gleich der Opener "King Richard TLH" macht Laune, treibende Gitarrenriffs, ein teilweise fast schon choralhafter Gesang, da kommt man gleich in die richtige Stimmung. Mit "Absinthe Jim and me" kommt dann ein Vertreter des Stonerrocks zu Gehör, in dem Goss einen mit seinem hypnotischen Gesang einlullt, da fühlt man sich ein bisschen wie ein potentielles Opfer der Schlange Ka. Und irgendwie bekomme ich bei dem Titel so ein Livegefühl, kann mir vorstellen, wie das Stück live abgehen muss. "Worm in the Silk" fängt richtiggehend funkig an, geht in eine Art dub-bass über und klingt insgesamt eher experimentell - insbesondere das eingearbeitete Cover dieses Easy Listening-Titels ist der Hammer, passt so gar nicht und dann auch wieder doch. "Always" finde ich tatsächlich noch schwieriger, klingt mitunter völlig atonal - und trotzdem fesselnd. "Up in it" klingt genauso wie das was man von jemandem erwartet, der Kyuss und das erste QOTSA Album produziert hat. "Alfafa" - der Schlusstitel - ist dann ein gutes Beispiel dafür, wie gut instrumentale Rockmusik klingen kann und schlägt auch mit 12 Minuten üppig zu Buche, fast ein kleines Album für sich.  So gut wie "Deep in the Hole" - oder eher: so eingängig wie... - ist "Pine/Cross Dover" sicherlich nicht, aber es lohnt sich, reinzuhören.

juliette lewis

Juliette Lewis verabschiedete sich mit "Terra Incognita" plötzlich vom rotzigen Schweinerock ihrer früheren Alben (und von den Licks) und versuchte mal etwas anderes, experimenteller, sperriger, aber auch ausdrucksstärker und kraftvoller (mit den New Romantics). Sie dehnt ihre Stimme in alle Richtungen, so dass man sich manchmal an Patti Smith und dann wieder an PJ Harvey erinnert fühlt. Da gefällt sicherlich nicht jeder Song, aber der Opener "Noche Sin Fin" ist schon ziemlich besonders und gelungen, und vor allem sehr gefühlvoll. "Hard Lovin' Woman" hätte auch einer Janis Joplin gut zu Gesicht gestanden, und Lewis macht da stimmlich das Allerbeste draus. Sie singt einfach glaubwürdig. "Fantasy Bar" ist eine Uptempo Rocknummer, die ich mir als Single auch gut vorstellen könnte. "Romeo" fängt etwas sphärisch an, und ab der Mitte denke ich irgendwie immer an den großartigen Kathyrn Bigelow Film "Strange Days" und könnte mir den Titel noch im Nachhinein als Teil des Soundtracks vorstellen. Bei diesem Film ist mir damals auch das erste Mal Juliette Lewis Gesang aufgefallen, mit dem sie auch bei "All is for good" punkten kann. Spätestens bei dem Titel hab ich nachgeschaut, wer das Album produziert hat und wunderte mich dann auch nicht mehr, als ich den Namen Omar Rodriguez-Lopez las. Ohne Frage hört man die Handschrift des The Mars Volta-Masterminds heraus. Ich finde nach diesem Album kann man nicht mehr verleugnen, dass Miss Lewis eine verdammt talentierte Musikerin ist, auch wenn oder weil "Terra Incognita" sicherlich keine leichte Kost ist.

jandelayJan Delay veröffentlichte mit "Wir Kinder vom Bahnhof Soul" sein zweites Soloalbum. Auch wenn ich seine näselnde, nölige Stimme bisweilen schwierig finde - der Mann hat ohne Frage den Soul im Blut. Seine Vorbilder sind klar herauszuhören, doch nie wirken seine Titel wie die Kopien eines blassen Nordlichts, welcher mal "funky" sein möchte. Titel wie "Oh Jonny", "Überdosis Fremdscham" oder "Abschlussball" (mit herrlichem Falco-Sample) gehen einfach in die Beine. "Hoffnung" könnte eine wirklich wunderschöne Ballade sein, leider ist gerade bei diesem Titel Jan Delays Stimme im Weg und man wünscht ihm eine Polypen-OP. Das ist gemein, ich weiß, aber ich finds halt schade, weil an dem Song sonst alles stimmt: Text, Melodie und Stimmung. "B-Boys & Disko-Girls" gehört ohne Frage zu meinen Lieblingstiteln auf dem Album.
Delay orientiert sich insbesondere an den Soul der 70er Jahre, tanzbar, spaßig und musikalisch raffiniert. Da können sich einige der jetzigen US-Soul"Stars" ein Scheibchen von abschneiden.

finefrenzyAußer den oben beschriebenen Platten brachte auch A Fine Frenzy mit "Bomb In A Birdcage" ihren Nachfolger raus, der erneut mit schönen folkpoppigen Melodien glänzt und von der Stimme Alison Sudols profitiert, die ihre Titel sehr einfühlsam interpretiert und somit für wohlige Stimmung beim Zuhörer sorgt. Anspieltipps: "New Heights", "Electric Twist" und "Elements". Als jahrelanger Hörer von Emilliana Torrini finde ich ja deren diesjähriges Album relativ schwach und stelle fest, dass A FineFrenzy momentan die bessere Alternative für zauberhaften Frauenpop ist.






In Sachen Musik also ein abwechslungsreicher Monat!

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Rückblick 2009: Juli - Musik

Hier der zweite Teil des Juli Rückblicks, in dem es hauptsächlich um Musik geht.

Michael Jackson beherrschte immer noch die Medien, unveröffentlichte Songs tauchten auf, ein angeblicher weiterer Sohn. Wer weiß, was uns da noch alles blüht. In 20 Jahren lese ich die Autobiografie von Prince Michael. Den Sorgerechtsprozess gewinnt im Übrigen die Oma.
Nach der erneuten Pleite in Sachen Eurovision Song Contest und anfänglichen Überlegungen, künftig in Kooperation mit Stefan Raab nach dem nächsten Teilnehmersong zu suchen, bestätigten sich diese im Juli. Noch war unklar, wie genau man die Sache angehen und planen wollte. Klar war nur, dass ARD und Pro7 kooperieren - ein Novum der deutschen Fernsehgeschichte.
Ich glaube im Juli wars, als ich mich endgültig mit dem Phänomen Lady GaGa beschäftigt habe, die ich anfangs als "nur eine weitere Hupfdohle" mit provokativen Outfits und elektronisch nachgebesserter Stimme gehalten habe. Dann sah ich auf YouTube einen Live-Auftritt von ihr und musste eingestehen: die Frau hat eine geile Stimme. Danach achtete ich mehr auf ihre Texte und wurde dann angefixt von ihrer Konsequenz, was ihr Auftreten anbetrifft. Ihr Debütalbum besitze ich mittlerweile - und wenn auch nicht jeder Song meinen Geschmack trifft, sehe ich es allmählich zwingend an der Zeit, dass Madonna sich leise als Korsagentragende Möchtegern-Provokation von der Bildfläche verabschiedet, zumal ihre Musik immer beliebiger wird, und Lady GaGa künftig das Zepter der Pop-Queen schwingt.
Im Juli gab es zwei CD-Veröffentlichungen, die es mir besonders angetan haben:

billytalentLustigerweise also das dritte Album von Billy Talent. Die kanadische Band hat mich zuvor nicht besonders begeistert oder interessiert, die Songs fand ich eher anstrengend. Entweder hat sich in der Zwischenzeit mein Musikempfinden geändert, oder die Titel sind tatsächlich besser geworden. Denn nach The Gossips "Music For Men" ist "Billy Talent III" die zweite Scheibe, die mir von Anfang bis Ende gefällt, ohne dass ich zwischendurch entnervt weiterskippe. Nach wie vor sind mir die Billys einen kleinen Tick zu dramatisch, man hat bei jedem zweiten Song das Gefühl, es ginge in den Liedern um Leben und Tod, Pathos, große Gefühle - ein bisschen musicalesque (gibts das Wort?) bisweilen. Zudem finde ich die Stimme von Sänger Benjamin Kowalewicz ebenfalls gewöhnungsbedürftig. Ich schrieb an anderer Stelle bereits, dass man bei ihm das Gefühl hat, er würde sich vorher ne Dröhnung Helium reinziehen, besonders live (dazu im November-Rückblick mehr) klingt er wie ein Schlumpf. Aber trotzdem ist dieses dritte Album richtig klasse, macht Spaß und rockt. Und müsste ich meine Lieblingstitel aufzählen, würde ich locker die halbe Tracklist benennen. Sicherlich ist "Saint Veronica" einer meiner Favoriten, extrem dramatisch aufgepeitschte Strophen und im letzten Drittel eine schöne Gitarren-Kreisch-Kombination. "Devil On My Shoulder" und "Tears Into Wine" sind gute uptempo Mitsing-Songs, und "Diamond On A Landmine" hat einen tollen Refrain, der mich an einen anderen Titel erinnert, welcher mir natürlich nicht mehr einfällt. Klingt auf jeden Fall irgendwie bekannt. "White Sparrows" war eigentlich der Grund für mich, die Platte zu kaufen, nur um dann zwischen den anderen Titeln unterzugehen. Wobei er allerdings - herausgelöst von der Tracklist - in meinen iPod Playlisten wieder funktioniert. Lediglich "Rusted From The Rain" finde ich mittlerweile langweilig. Nun bin ich auch nach Album III nicht unbedingt zum Billy Talent Hardcorefan geworden, aber auf 'nem guten Weg...

julian plentiIch bin erklärtermaßen ein Fan von Interpol. Ihre teils melancholischen, teils hoffnungsvollen Songs und ihre musikalischen Fähigkeiten bringen mich jedes Mal wieder zum Schwärmen. Paul Banks Stimme, mit hohem Wiedererkennungswert gesegnet, tut da ihr Übriges. Und da wäre es doch dieses Jahr glatt komplett an mir vorbeigegangen, dass Banks unter dem Pseudonym Julian Plenti sein erstes Soloalbum veröffentlicht hat, ein Dank an dieser Stelle an meine freundliche Kollegin mit gutem Musikgeschmack. Beinahe hätte ich eines der schönsten Alben des Jahres verpasst. "Julian Plenti is Skyscraper" ist eine vornehmlich ruhige Platte, der sonore Bariton von Banks und seine Klangwelten versetzen mich sofort in eine entspannte Stimmung. Natürlich können Ähnlichkeiten mit Interpols Sound nicht vermieden werden, aber man merkt schon sehr, dass es ein persönliches Album ist. Vielleicht sogar ein wenig unnahbar und kryptisch, er lässt den Zuhörer eher beiläufig an seinem Gefühlsleben teilhaben, wie ein halblautes Flüstern, dass man nur teilweise versteht. Insofern ist "...Skyscraper" unbedingt Musik zum konzentrierten Anhören, nichts für nebenbei oder als Hintergrundrauschen, man muss sich schon auf die Titel und die damit vorgeschriebene Ruhe einlassen können. Dann erlebt man mit "Girl On The Sporting News", "Games For Days", "Unwind" oder dem an Simon & Garfunkel erinnernden "On The Esplanade" einige echte Song- und Soundperlen!

Sonntag, 13. Dezember 2009

Rückblick 2009: Juni - Musik

Wie schon angekündigt war der Juni ein wohlklingender Monat, wenn auch die Singlecharts von den Daniel Schumachers, Ashley Tisdales und Miley Cyruses dieser Welt bevölkert wurden. Aber ein paar ziemlich gute Alben haben das Licht der Welt erblickt, so dass es mir schwer fällt, eine davon besonders herauszustellen. Sonic Youth brachten nach dreijähriger Abwesenheit ein neues Album heraus - "Eternal". Ohne auch nur reinzuhören, war es für mich Pflicht, dieses sofort zu kaufen, nur um dann enttäuscht festzustellen, dass ich mit ihrer Musik irgendwie nichts mehr anfangen kann. Mir wars zu sperrig, und über Noiserock scheine ich nun endgültig hinweg zu sein.

kasabianGleich zu Beginn des Juni veröffentlichten Kasabian ihr drittes Studioalbum "The West Ryder Pauper Lunatic Asylum". Der Titel wurde der ersten psychiatrischen Klinik für Arme Großbritanniens in Stanley, West Yorkshire, entnommen.
Der Ordnung halber sollte ich hinzufügen, dass ich von der Veröffentlichung der Scheibe erst viel später etwas mitbekommen habe, aber erschienen ist das Teil nunmal im Juni, insofern gehörts auch zu den Platten des Monats Juni. Kasabian haben es ja irgendwie auf Dauer geschafft, Indie zu bleiben und trotzdem Scheiben herauszubringen, auf denen sich immer wieder Songs befinden, die den Massengeschmack treffen können. Beispielsweise "Where Did All The Love Go?" - einer meiner Favoriten - hat eine solche Ohrwurmmelodie, dass es schwer ist, den Titel zu vergessen, wenn man ihn nur einmal gehört hat. Die Bandbreite an Sounds, Samples und Instrumenten, die bei Kasabian zum Einsatz kommen, sorgen dafür, dass jeder Song auf dem Album unterschiedlich klingt. Besagter "Where Did ..." wirkt zur Mitte hin, als hätten da arabische Klänge Einzug gehalten. "Underdog" ist ein 1A Rocksong mit eingängiger Musik und simplen aber effektiven Gitarrenriffs. "Fast Fuse" klingt nach richtig schmutzigem Garagenrock mit Sixties-Einflüssen, "Take Aim" braucht seine Zeit, bis er richtig wirkt, besitzt aber so einen Breitwandeffekt, dass man sich fragt, für welchen Film er wohl als Score herhalten würden. Der Gesang von Tom Meighan klingt gelangweilt, passt aber zu der Mischung aus Rock, Elektro und Italo-Western Style. Italowestern-Klänge hört man überhaupt des öfteren auf diesem Album, so auch bei "West Ryder Silver Bullet" (ft. Rosario Dawson), der zu Anfang auch locker von Calexico hätte stammen können. Doch auch fette Beatles-Anleihen wie beispielsweise bei "Thick As Thieves", welcher irgendwie auch noch Surfpop unterbringen kann, gehören zum Kasabian-Repertoire. Damit wären die Anspieltipps genannt, "The West Ryder Pauper Lunatic Asylum" gehört definitiv zu den Alben des Jahres 2009!

thegossipDie Monatsmitte wurde versüßt mit "Music for Men" von The Gossip. Und das kann man wörtlich nehmen. "MfM" ist eines der wenigen Alben 2009, welches mich sofort beim ersten Mal hören komplett gefesselt und überzeugt hat. Ich hatte noch eine vage Erinnerung an Gossips Vorgängeralbum "Standing In The Way of Control" und wusste, dass mir vor allem der damalige Titelsong gut gefallen hat, hatte aber bei der neuen CD nicht mit so einem Aha-Effekt gerechnet. Auch im späteren direkten Vergleich der beiden Alben lässt sich nur feststellen, dass sich The Gossip enorm weiterentwickelt haben. In den Medien lag das Hauptaugenmerk auf Beth Ditto, die mit ihrer Rubensfigur und dem Lesbenbekenntnis zu einer Art Gallionsfigur für Dicke und Lesben mutierte und wo es besonders erwähnenswert war, dass Karl Lagerfeld sie zu seiner Muse ernannte und sie mit Kate Moss um die Häuser zog. Nun ja. Dabei geriet fast in Vergessenheit, dass Beth Ditto mitsamt ihrer Band verdammt musikalisch ist und die Dame über eine fantastische Stimme verfügt. Darüber hinaus ist dieses von Rick Rubin produzierte Album so vielfältig. Der bluesige Einstieg mit "Dimestore Diamond" hat außer Dittos Stimme so gut wie nichts mit der tanzbaren Hitsingle "Heavy Cross" gemeinsam. "Four Letter Words" wird von einem Klangteppich unterlegt, der an Depeche Modes "It's No Good" erinnert, "2012" erinnert an Blondie und einen Tick Pat Benatar, "8th Wonder" dagegen ist wieder punkrockig, da gehen Drums und Bass so richtig schön in Bauch und Beine. "Love Long Distance" gehört zu den schwächeren Songs des Album, wenn dies auch Jammern auf hohem Niveau ist, ich mag da letztlich nur den Refrain nicht wirklich, wobei mir allerdings der Text hierzu sehr gut gefällt. "Pop Goes The World" ist elektrolastiger und ein reiner Gute Laune-Song. "Vertical Rhythm" orientiert sich offenbar an das "Knight Rider"-Theme, jedoch wirkt es nicht wie ein billiger Abklatsch, sondern durchaus eigenständig und punktet mit einem energiegeladenen Refrain. In "For Keeps"  zeigt Ditto, wie hoch sie mit ihrer Stimme kommt und dass sie wirklich enorm gefühlvoll singen kann. Ich liebe diesen Song. Mit "Spare Me From The World" nimmt das Album dann ein extrem punkiges Ende. Insgesamt zeigen The Gossip auf "Men In Love" ihre ganze Bandbreite an musikalischem Können und werden es sicher schwer haben, dieses Ergebnis mit dem Nachfolger zu toppen. Und live überzeugen sie übrigens auch.

spinneretteEnde Juni dann kam die dritte Hammerplatte des Monats heraus: Spinnerettes selbstbetiteltes Debüt. Spinnerette ist das Nachfolgeprojekt von Distillers Frontfrau Brody Dalle. Nun mag man mir nachsagen, dass mir sowieso jeder musikalische Pups aus dem QOTSA-Josh Homme-Umfeld gefällt, doch ich glaube, ich kann da noch differenzieren. Die Distillers mochte ich zuvor schon richtig gerne, vor allem eben besonders Brody Dalles Stimme und ihre Art zu interpretieren, die man häufig nicht mit singen bescheiben kann. Nach ihrer Familiengründung mit Homme hatte ich schon die Befürchtung, so gar nichts mehr von ihr zu hören, bis die ersten Soundschnipsel von Spinnerette auftauchten. Die Vorabsingle "Baptized by Fire" hat mich etwas unschlüssig zurückgelassen - was waren das plötzlich für Electrosounds? Auch mit dem Album habe ich mich zunächst schwer getan, "Ghetto Love" und "Sex Bomb" kristallisierten sich schnell als Favoriten heraus, während ich den Rest recht sperrig fand. Bei "Ghetto Love" überzeugte mich die Tanzbarkeit, Dalles Gesang und der Hauch QOTSA-Gitarrensound, der da mitschwingt. "Sex Bomb" dagegen ist einfach so dermaßen bekloppt, dass man diesen schrägen Titel mögen muss. "All Babes Are Wolves" verfügt über einen richtig treibenden Beat, ein kleiner schmutziger Rocker, der dann auch wieder an die Distillers erinnert und Menschen glücklich macht, die schreiende Rockerinnen mögen. "Cupid" singt Dalle fast hypnotisch, während im Hintergrund Jack Irons massiv auf die Drums einschlägt, ein Widerspruch, der sich tief in den Gehörgang festsetzt. Mit "Geeking" kann ich dann nicht so viel anfangen, da will der Funke nicht überspringen. Und plötzlich - im Zusammenhang mit den anderen Titeln - hörte ich "Baptized By Fire" wie zum ersten Mal. Der Titel passt wie die Faust aufs Auge in dieses Album, und auch die Elektrobeats stören nicht mehr. Ich mag es, wie mit den jeweiligen Strophen der hymnenartige Refrain aufgebaut wird. Ein klasse Song. Bei "A Spectral Suspension" klingt Dalle fast sanft, um dann in einen rockigen Höhepunkt abzudriften, erneut mit leichten QOTSA-Anleihen. Hier macht sich übrigens auch bemerkbar, dass mit Jack Irons, Alain Johannes und Tony Bevilacqua Klassemusiker an Bord sind, die die Tempiwechsel der Songs gut rüberbringen. "Driving Song" ist auch genau das, würde ich noch Auto fahren, käme der  ohne Frage in meine Driving Playlist *g*. "Rebellious Palpitations" geht wieder treibend nach vorne und hätte auch auf "Coral Fang" erscheinen können. Und "The Walking Dead" ist einfach nur ein Traum von Song. Das Intro - ich nehme an von Alain Johannes gespielt, passt zu seinem Stil - winkt den Zuhörer rein in einen unglaublich entspannten tanzbaren Titel, an dem wirklich alles stimmt: Musik, Stimme, Text. Wenn mich Titel wie "Geeking", "Impaler" oder "Distorting A Code" auch  nicht völlig überzeugen konnten, bietet das Spinnerette-Debüt doch eine Vielzahl wirklich guter bis perfekter Songs, die von meinem iPod nicht mehr wegzudenken sind.