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Sonntag, 3. Juni 2012

Die Ärzte (Support: K.I.Z.), 01.06.2012, Wuhlheide, Berlin

SAM_0013So, nicht nur, dass ich momentan wenig Zeit zum Schreiben hab, jetzt hab ich mir auch noch ne Entzündung im rechten Handgelenk zugezogen und versuche nun, ein paar Worte zum Die Ärzte Konzert vom Freitag mit einer Hand in die Tasten zu hauen. Kein Mitleid, bitte *lach*, ich wollte nur vorwarnen, dass sich hier vermutlich Tippfehler einschleichen werden...

Tja, Die Ärzte. Das ist ja bei mir so eine Geschichte für sich. Seit frühester Jugend hat mich ihre Musik begleitet, in den letzten zwanzig Jahren hab ich vermutlich 8 oder 9 Konzerte von ihnen gesehen (glaube ich... oder mehr?), einige davon sogar hier im Blog besprochen. Auch wenn meine Fanliebe aufgrund der beiden letzten eher schwächeren Alben "Jazz ist anders" und jetzt "Auch" zwischenzeitlich etwas abgekühlt ist, und ich nicht mehr jeden Song vorbehaltlos zum Favoriten küre (oder im Vergleich zur Band vielleicht doch langsam erwachsen werde), bleibt ihnen meine Sympathie natürlich erhalten. Aber auch eine Frau Flinkwert ist mal nicht flüssig, und als Die Ärzte Tickets für diesen Sommer in den Verkauf gingen, redete ich mir das schön mit "Man kann ja auch mal aussetzen" *lach*.
Aber die liebe CharlesDexterWard hat ein Herz für Die Ärzte-Fans. Gewann mal eben so nebenei beim tip-Stadtmagazin zwei Tickets für den 01. Juni und verschenkte sie :) So gings dann Freitag für meine Schwester und mich in die Wuhlheide, ganz gemütlich diesmal nicht im Pulk vorne vor der Bühne, sondern auf den Rängen mit nem guten Überblick und mit netten Menschen um uns herum.
Der Die Ärzte-Fan an sich ist ja sowieso recht zutraulich (bis auf diese beiden Alkies, die zunächst hinter uns saßen, sich dann aber einen anderen Platz suchten).

Die Wuhlheide war natürlich ausverkauft, wir kamen diesmal nicht ganz so früh dort an, aber bekamen trotzdem gute Plätze. Und um ca. 19.30 Uhr eröffneten der Hip Hop Vierer K.I.Z. den Abend - wie immer wurde der Support freundlich von Rod anmoderiert, und Bela ließ sich während des Sets auf der Bühne blicken, um mit den sympathischen Jungs zu performen. Ich bin nun nicht so der Hip Hop Fan, aber in ihrem Sound haben sie genug Rock- und Punkgehabe, dass ihr Auftritt echt Spaß machte, sie nehmen halt auch nicht alles so bierernst, und ein-zwei Songs haben mir richtig gut gefallen.

Nach einer relativ kurzen Umbaupause eröffneten Die Ärzte ihr Set gleich mit drei Songs ihres neuen Albums - "Ist das noch Punkrock?", "Bettmagnet" und "Tamagotchi" - wobei ich mich insbesondere bei letzterem gefragt habe, ob die Teeniefans vorne in der ersten Reihe überhaupt noch wissen, was ein Tamagotchi ist, ach, und sorry, aber Rods Liedern haftet immer so etwas Schlagermäßiges an. Mit den neuen Titeln anzufangen war insofern clever, als dass sie auch "Alle meine Entchen" hätten spielen können, zu Anfang wird jeder Song tierisch abgefeiert. Bei mir bleibt es dabei, ich kann den aktuellen Titeln wenig abgewinnen, aber das machte im Laufe des Abends nichts, da sich die Setlist sowieso eher wie ein Best of liest. Naja, wobei so ganz stimmt das nicht. Bei den immerhin 36 Titeln hatte fast das komplette neue Album Platz, nur hat man es nicht so wahrgenommen, zumal die Stimmung gerade bei den Gassenhauern natürlich immer am besten war. Überhaupt finde ich, dass ich die Berliner Fans auch schon mal frenetischer erlebt habe, kann aber auch daran liegen, dass ich normalerweise mitten im Trubel zu finden bin und nun auf dem Rang ne andere Distanz hatte. Dafür kriegten die Oberhausener Fans von der Band nachträglich ihr Fett weg, die wohl zumindest einige Tage früher angeblich etwas länger zum warmwerden gebraucht hätten... Grundsätzlich war die Stimmung natürlich sehr gut, das Wetter spielte mit (noch ein Regenabend wie bei Soundgarden zuvor hätte wohl auch meiner Gesundheit nicht so gut getan), und die Band war spielfreudig wie eh und je und zog natürlich ihre drei Stunden durch.

Wenn ich anderen erklären muss, was mich an den Konzerten so reizt, sag ich immer: das ist weniger ein Rockkonzert als ein Comedyabend mit tollen Musikeinlagen. BelaFarinRod machen einfach Spaß, über die Frotzeleien zwischen ihnen kann man auch nach Jahren  noch lachen und sich überraschen lassen, was ihnen als nächstes einfällt. Und Songs wie "Schrei nach Liebe", "Rebell", "Unrockbar", "Westerland" oder "Zu spät" - um nur einige zu nennen - sind einfach geniale Klassiker, die trotz mancher Albernheit wirklich zeitlos sind und daher immer wieder gerner gehört werden.FarinUrlaub
Ne Bühnenshow gibt es nach wie vor nicht, Farin steht immer noch wie angewurzelt auf der Bühne, Bela läuft hin und wieder mal swingend um die Drums herum, und Rod post ein bisschen auf der anderen Seite *lach*, da darf man halt nix anderes erwarten. Dafür hat mir die Lösung mit den Leinwanden und die effektiv - weil nicht übertrieben - eingesetzte Lightshow sehr gut gefallen.

Alles in allem wieder ein sehr schöner Abend mit der selbsternannten besten Band der Welt.

Die Setlist gibt auf setlist.fm. Und wer mag, kann das Video unten anklicken für ein bisschen Liveatmosphäre, wie immer schön verwackelt, ich muss meinem Stil ja treu bleiben...

Mittwoch, 4. Juni 2008

Silberhöschen, Staublunge, ein Teufel, ungewolltes Peeling, wüsteGitarren, Sonne und Erholung

Teil 1:
Sonntag, 01.06. - Die Ärzte in der
Wuhlheide
Die Woche fing bei mir am Sonntag an mit einem wie immer gelungenen Ärzte-Konzert. Drei Stunden Partystimmung pur, ich finde ja – besonders im Hinblick auf das Silvesterkonzert in Köln vor zwei Jahren – dass in Berlin besonders gute Laune herrscht, wenn die drei Doktoren die Bühne entern. Freitag und Samstag haben sie bereits die Massen erfreut, Sonntag war die dritte Show in Folge. Viele der Fans waren an allen drei Abenden vor Ort, Respekt. Bin jetzt schon gespannt, ob ich einige der Nasen im Juli wiedertreffe, wenn es mich ein zweites Mal zu den Ärzten in die Wuhlheide zieht. Für einen objektiven Beobachter bot der Abend sicherlich nichts Neues: neue, alte und sehr alte Songs wechselten sich ab, die drei ließen ihrem albernen Humor freie Fahrt, es gab viel zu lachen, zu singen und zu rocken. Der Fan kontert aber und sagt „Genau. Eben deswegen gehe ich ja hin, wegen des reinen Spaßes!“ Die Songs des aktuellen Albums „Jazz ist anders“ klingen live glücklicherweise besser als auf CD, trotzdem hauen sie mich nach wie vor nicht vom Hocker. Na, das stimmt nicht ganz, denn der Opener „Himmelblau“ hat sich in meiner iPod-Playlist mittlerweile als absoluter Lieblingssong etabliert.  Ah, apropos himmelblau, seit Tagen scheint in Berlin die Sonne, und es will einfach nicht regnen. Das ist an sich ja schön. Hatte aber auch den Effekt, dass der Boden des Innenraums nicht nur von den Fans an den beiden Vorabenden plattgetrampelt war, kaum noch ein Grashalm zu sehen war und der Innenraum eher wie ein Bolzplatz anmutete. Nein, die verbliebene Erde war so staubtrocken, dass schon nach den ersten drei Klängen von „Himmelblau“ und den damit verbundenen ersten Bewegungen der Fans eine riesige Staubwolke über unseren Köpfen schwebte. Ich sags mal so: am Montag Morgen hab ich Dreck geniest. Soviel Staub hab ich noch nie eingeatmet. Was gibt’s sonst noch zu berichten? Was hatte Bela da an? War das eine lilafarbene Gardeuniform??? Oder haben mich meine Augen da getäuscht? Oh, gute Brücke – vom Gardeoffizier zu den Silberhöschen. Den optischen Leckerbissen (wer's mag) boten einige junge Herren, die mit nichts anderem als silberfarbenen engen Höschen bewaffnet zum Titel „Deine Freundin (wäre mir zu anstrengend)“ tanzend die Bühne enterten und dort rumwirbelten. Richtig, wenn man zum ersten Mal 'nen (beinahe) anständigen Funk-Song live präsentiert, dann darf ein wenig Glamour nicht fehlen.
Den „Graf“en musste ich erneut ertragen. Ich gebe ja die Hoffnung nicht auf, irgendwann ein DÄ-Konzert zu erleben, ohne dass Bela diesen ätzenden Titel singt.
Ansonsten: schön war's, wie nach jedem Ärzte-Abend hatte ich noch lange ein fettes Grinsen im Gesicht, diesmal sogar während meines nächtlichen Spaziergangs. Und es gibt immer noch "Anfänger", die glauben, das Konzert ist tatsächlich zu Ende, wenn die Ärzte es sagen. Nein, Schluss ist erst, wenn der Mann mit den zwei Gesichtern Rod dem Publikum seine Liebe bekennt. Erst dann, nach drei Stunden, darf man gehen :)

Sonntag, 4. November 2007

Die Ärzte - Jazz ist anders

Die Ärzte erfinden generell das Rad nicht mehr neu, wenn sie auch in Sachen Verpackung immer wieder die besten Ideen haben (Pizzakarton mit innenliegender Pizza & Tomatenscheibe = CD und Bonus-EP). Das gilt auch für "Jazz ist anders", ihrem am Freitag neu erschienenen Album. Bisher gab es noch keine DÄ-Scheibe, auf der mir wirklich alle Songs gefallen haben - auch das hat sich nicht geändert. Wie immer finden sich einige echte Perlen unter 08/15-Gassenhauern und DÄ-Füllsel.
Perlen, als da wären: "Himmelblau", "Junge", "Nur ein Kuss", "Niedliches Liebeslied" und "Tu das nicht". Typisch Die Ärzte sind dann halt "Vorbei ist vorbei", "Allein", "Lasse Redn" und "Heulerei". Und unter Gefüllsel verstehe ich sowas wie "Lied vom Scheitern" oder "Breit".
Manche Songs werden sowieso erst ihr wahres Potential zeigen, wenn man sie live hört, daher ist die dürftige Ausbeute an "Perlen" auch nicht weiter schlimm. Die Ärzte waren für mich schon immer eine Liveband und die Alben mehr zum Training der Texte gedacht :)
Ein bißchen vermisse ich auf "Jazz ist anders" jedoch den grenzdebilen Witz, dafür sind die Texte allesamt etwas lockerer ausgefallen; "Möchtegern-Weltverbesserungssongs" wie "Nicht allein", u.a. fehlen komplett, was ich auch mal ganz angenehm finde. Albern wirds erst bei den drei Songs von der Bonus-EP, da darf man dann wieder ungezwungen ablachen.
Nun - das ist jetzt zumindest so mein Eindruck nach dem ersten Hören. Absolut keine schlechte Platte (den Tiefpunkt gabs ja mit "Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer"), aber sicherlich auch kein musikalischer Meilenstein.

Hier die Titel im Überblick:
1. "Der Himmel ist blau" (Farin singt)
Schöne Uptempo-Schrammelnummer. Mein Wohnzimmer lässt ausrichten: sehr tanzbar. Könnte zum absoluten Sommerhit 2008 werden.

2. "Lied vom Scheitern" (Bela singt)
Charmante Platitüdendrescherei. Nix besonderes.

3. "Breit" (Rod singt)

Hm. Antidrogensong? Das geht nach hinten los, denn den kann man eigentlich nur hören, wenn man breit ist - zum lauten Mitgröhlen.

4. "Lasse redn"

Farin schreibt nach wie vor die besseren Titel. Netter Antispießersong (Frau Flinkwert fühlt sich da mitunter in ihre Kindheits-Kleinstadt zurückversetzt). Irgendwie ZDF-Fernsehgartentauglich *lach*. Nein, das meine ich nett.

5. "Die ewige Mätresse" (Farin und Bela singen)

Ziemlich rockig auf den Punkt gebracht, macht Spaß.

6. "Junge" (Farin singt)

Ja, einen ähnlichen Text mussten wir wohl alle mal von unseren Eltern hören. Finde diese erste Singleauskopplung sehr gelungen. "Du hast dich früher so für Tiere interessiert", haha. Ich kenn das unter "Aber du hast doch früher immer gerne Rosa getragen", "Ja, Mama, mit 10."
"Und du warst so ein süßes Kind", das hab ich erst heute morgen beim wöchentlichen Telefonat mit meiner Mutter wieder gehört. Geiler Song.

7. "Nur ein Kuss" (Farin singt)

Huch? Da fühlt man sich ja zurückversetzt in die DÄ-Anfangstage. Der Titel ist so grenzwertig, klingt wie 84 nur besser produziert und gespielt. Echt nett. Das zweite Drittel erinnert irgendwie an Juliane Werdings "Am Tag als Conny Kramer starb". Schön.

8. "Perfekt" (Bela sing)

Ganz nett aber ohne Biss. Austauschbar.

9. "Heulerei" (Farin singt)

Fängt gut an, erinnert dann aber immer mehr an "Vermissen,Baby" - und der war besser. Aber gut rockig.

10. "Licht am Ende des Sarges" (Bela singt)

The Cure? Irgendwie klingt der Anfang nach einem The Cure-Song. Ich komm nicht drauf, welcher. Hm. Bela nimmt hier seinen Dracula-Kram auf die Schippe. Endlich.

11. "Niedliches Liebeslied" (Rod singt)

Macht dem Titel alle Ehre, poppiges Geschnurre von Rod mit Beat-Schuppen-Flair. Video kann in der gleichen Requisite aufgenommen werden wie "Dinge, von denen", haha.

12. "Deine Freundin (wäre mir zu anstrengend)" (Farin singt)

Farin feels funky. Zumindest auf diesem astreinen Funksong. Gabs das schon mal von den Ärzten? Ein bißchen viel Bootsy Collins gehört in letzter Zeit, wie? Nett.

13. "Allein" (Farin singt)

Okay, jetzt auch Platitüden von Farin. Nein, gefällt mir nicht.

14. "Tu das nicht" (Bela singt)

Sehr sehr augenzwinkernder Beitrag zum Thema "Raubkopien". Naja, nicht gerade subtil, eher mit dem Zaunpfahl um die Ohren gehauen wird da der Musikindustrie, die Emule/Soulseek/ö.ä.-Nutzer kriminalisiert. "Und es läuft keine Musik auf deiner Beerdigung. So." haha

15. "Living Hell" (Farin singt)

Passt sehr gut zu dem vorangegangenen Track. Welch ein Fluch, wenn man so viel Glück hat. Armes Schwein, lieber Farin :)

16. "Vorbei ist vorbei" (Farin singt)

Klingt wie ein Vorgeschmack auf das nächste Farin U.-Soloalbum. Nett.

Bonus-Ep
1.  "Wir sind die Besten" (Farin und Bela singen)
Eine leichte Reminiszenz an die NDW klingt hier raus. Wohnzimmer lässt erneut ausrichten: tanzbar. Allein das "Hui" ist es wert.

2. "Wir waren die Besten" (Bela singt)
So klingt es, wenn der  Rock 'n' Roll-Übermensch im Altenheim von vergangenen Zeiten singt. Lustig.

3. "Wir sind die Lustigsten" (Rod singt)
Rod singt vom Gag-Imperium der Die Ärzte. Lachen muss er selbst beim Singen...

Und wer es noch nicht mitbekommen hat: auf der regulären CD befindet sich ein "Hidden Track", den man findet, wenn man die Scheibe ganz normal im CD-Player abspielt und dann zurückspult.
04-11-07_130604-11-07_1303
Nachtrag vom 12.11.
Es hat gedauert, ziemlich lange sogar für meine Begriffe, aber jetzt weiß ich endlich von welchem Cure-Song die Gitarre am Anfang von "Licht am Ende des Sargs" ist: "Just like heaven". Mann, wieso ist mir das nicht früher eingefallen!

Dienstag, 2. Januar 2007

Ärzte statt Böller

ÄrztestattBöller
Vorweg: Fotos vom Ärzte-Konzert wird's hier nicht geben, wir saßen ziemlich weit von der Bühne entfernt und waren, was die Sicht anbetrifft, eh auf die Leinwände angewiesen, die es glücklicherweise gab. Wer aber gerne Bilder sehen möchte, dem kann ich empfehlen, sich im Bademeisterblog oder auf Konzertjunkie rumzutreiben. Recht gute Mitschnitte des Konzerts gibt's übrigens auf Kill them all zum Download.

195 Minuten lang Spaß mit den Ärzten aus Berlin - das ist die Essenz des Silvesterabends. Angeblich das längste Konzert ihrer Karriere (lt. Bela), ich bin mir da nicht so sicher, die Drei-Stunden-Marke haben sie in Berlin auch schon getoppt.
Ganz ausverkauft war das RheinEnergie Stadion (ja, so heißt es heute, auch wenn Farin Urlaub sich ganz betont nicht von der Bezeichnung Müngersdorfer Stadion verabschieden wollte) nicht, da sind wohl einige Ebay-Schwarzhändler auf ihren überteuerten Karten sitzen geblieben, das sei ihnen hiermit ausdrücklich gegönnt.
Wie immer bei den Ärzten waren alle Altersgruppen vertreten, junge Familien feierten mit ihren Kindern auf diese Weise ins Neue Jahr und taten damit auch gleich was für die musikalische Bildung ihrer Sprösslinge. Der Ärzte-Fan an sich ist ein netter Mensch, manchmal etwas laut und gröhlig-veranlagt, tut aber keinem was und beißt nicht, insofern alles freundliche Menschen, mit denen man gerne gemeinsam abfeiert.
Im Vorfeld beglückte uns übrigens ein gewisser Stephan Langenberg mit einigen ausgewählten Ärzte-Stücken auf dem Akkordeon. Das war für zwei Songs lustig, für den Rest dann aber nicht mehr. Über den Möchtegern-Comedian, der zwischendurch versuchte, die Meute aufzuscheuchen, breite ich lieber den Mantel des Schweigens.
Die Fans, die schon Stunden früher da waren, wurden mit „Dinner for One" und „Bernd das Brot" unterhalten, hab ich mir sagen lassen.

So - nun aber zum Konzert:
Punkt 21.00 Uhr gings los, „Schrei nach Liebe" eröffnete die Silvestergala und zeigte gleich deutlich, wo der Hammer hängt. Die Ärzte in festlicher Stimmung, Bela B hat sich richtig schick gemacht mit weißer Fliege und weißer Schärpe (vermutlich um den kleinen Bauch zu verdecken *frechgrinst*). Bei einer Setlist von angegebenen 38 Songs (40 sind es dann geworden) mussten sie im Vorfeld sogar richtig proben, wie Farin stöhnte - allerdings nur einen Tag lang. Das merkte man ihnen auch an, zuweilen verspielten sie sich ein wenig, Bela verrechnete sich, als er an der ersten Fanreihe vorbeirannte, rief mehrfach „ich hab mich verkalkuliert" und bat Farin, noch ein bisschen zu improvisieren, bis er wieder zurück am Schlagzeug war. Farin musste sein Gitarrensolo von „Omaboy" gar zweimal spielen - demokratisch entschieden durch die Fans - und Bela sah die Schlagzeile schon vor sich „Die Ärzte retteten sich über die Zeit, indem sie ihre Lieder künstlich in die Länge zogen".
Dass Bela und Farin sich ganz besonders lieb haben, zeigte auch wieder mal ihr Geulke in Sachen „Heirat in Las Vegas", Bela gibt im Übrigen den weiblichen Part in der zu schließenden Ehe, vorsorglich wollte er auch schon das Schlagzeugpult mehr in die Nähe Farins schieben, da fehlte dem Herrn aber doch die Kraft. Überhaupt sind ihre Blödeleien immer wieder das Highlight jedes Ärzte-Konzerts, die Musik ist manchmal fast Nebensache. Viel schöner ist es doch, ihnen zu lauschen, wenn sie wie bei „Blumen" darüber diskutierten, ob die Exkremente mehr oder weniger stinken, wenn man sich vegetarisch ernährt, was dann darin gipfelte, dass Farin den Part am Schlagzeug übernehmen musste, weil Bela sich weigerte, weiterzuspielen :) und stattdessen lieber noch einen Kamillentee trank (O-Ton Bela: „So weit ist es gekommen"). „Radio brennt" gab es in der Beinahe-Endlos-Schleife, „Zitroneneis" spielten sie auf Wunsch eines Zuschauers (Bela „Als wir Zitroneneis schrieben, wurdest du erst gezeugt" - und beim nochmaligen Hinschauen fiel Bela auf, dass es auch Farins Sohn sein könnte…). Bei „Dinge, von denen" wurde Rod mal wieder zum Lachen gebracht, indem plötzlich Farin und Bela in Hasen- und Huhnkostümen um ihn herumtanzten und überhaupt war die ganze Show eine einzige Sause.
Ärzte-Konzerte hinterher zusammenzufassen fällt immer schwer. Man muss es einmal selbst erlebt haben, wie so eine dreiköpfige Band auf die Bühne kommt, drei Takte spielt und im Nu die ganze Meute von 45.000 Leuten in der Hand hat. Die können machen was sie wollen, das Publikum frisst ihnen aus der Hand, ob es die Schrei-La Ola ist, um die sie bitten, oder zur Not auch die Mittelfinger-La Ola (die in Berlin vor zwei Jahren übrigens bestens geklappt hat). Sie können uralte, völlig lächerliche Songs wie „Teddybär" (Bela: „Die Kronjuwelen meiner bisherigen Kompositionskunst") spielen und sie mit den (inhaltlich besseren) Liedern wie „Rebell" mixen. Und die Kölner Herzen gewinnt man mit dem Zeltlinger Cover „Müngersdorfer Stadion" (von Farin in Kölsch gesungen) wie im Sturm.
Sie würden sich immer noch so fühlen, als wären sie die Vorband, meinte Farin irgendwann am Abend. Dabei spielen die Ärzte in Deutschland schon lange in der gleichen Liga wie Stadionmonster wie U2 oder die Rolling Stones.
Ach, ich hab sie einfach gerne *lach*, die Ärzte gehören irgendwie zur Familie, ich bin mit ihrer Musik aufgewachsen, war todunglücklich, als sie sich damals trennten und hab gefeiert, als sie 1993 mit „Die Bestie in Menschengestalt" mit Rod zurückkehrten. Ich besitze jeden Pups, den die Herren veröffentlicht haben und auch, wenn mir nicht immer alles gefällt (bei deren Songausschüttung geht das ja auch nicht anders), ein Ärzte-Konzert lass ich mir nicht mehr durch die Lappen gehen.

Und die wichtigste (für mich) Info des Abends: mit einem neuen Album der Ärzte ist lt. Farin im Herbst 2007 zu rechnen. Da hat man doch mal wieder was, worauf man sich die nächsten Monate freuen kann.

Aber liebe Kölner, lasst Euch eines gesagt sein: Berliner feiern bei Ärzte-Konzerten definitiv besser! Hö!
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Setlist gibts auf der nächsten Seite
01. Schrei nach Liebe
02. Ein Lied für dich
03. Du willst mich küssen
04. Bravopunks
05. Hurra
06. Außerirdische
07. Ignorama
08. Komm zurück
09. Wie am ersten Tag
10. Deine Schuld
11. Yoko Ono
12. Teddybär
13. 1/2 Lovesong
14. Friedenspanzer
15. Der Graf
16. Radio brennt
17. Rettet die Wale
18. Blumen
19. Nichts in der Welt
20. Omaboy
21. Schunder Song
22. Punkbabys
23. Manchmal haben Frauen
24. Zitroneneis
25. Wie es geht
26. Rebell
27. Müngersdorfer-Stadion
28. Ist das alles
29. Geisterhaus
30. Mysteryland
31. Der lustige Astronaut
32. Teenager Liebe
33. Dinge von denen
34. Mach die Augen zu
35. Rock Rendezvous
36. Unrockbar
37. Westerland
38. Zu Spät
39. Dauerwelle vs. Minipli
40. Elke