Sonntag, 22. September 2013

Berlin Festival 2013 - Tag 2 (07.09.2013, Flughafen Tempelhof)

Am Samstag habe ich mich erst etwas später Richtung Tempelhof begeben. Und schlussendlich war der Tag dann auch etwas durchwachsener - mit einigen Fluchten, aber auch zwei echten Highlights.

Zunächst war ich gespannt auf Ellie Goulding, es gibt so zwei-drei Titel von ihr, die ich wirklich mag, und ich finde, sie hat eine interessante Stimme. Also fand ich mich um 16.00 Uhr vor der Mainstage ein, muss aber zugeben, dass ich relativ schnell das Weite gesucht habe. Während der ersten 20 Minuten ist man bei ihrem Set fast eingeschlafen, spätestens bei ihrer Interpretation von Elton Johns "Your Song" wollte ich mir am liebsten die Haut von den Armen kratzen. Danach kam zwar ein bisschen Bewegung auf die Bühne bei "Only You", aber richtig überzeugt hat mich das auch nicht.

Dann fiel mir ein, dass mir eine Freundin die Londoner Band Is Tropical empfohlen hat, also schnell zur Pitchfork Stage, da kam ich gerade rechtzeitig zum Beginn ihres Sets und war echt angetan. So rein optisch wirken die drei schon ziemlich abgerissen, aber die Elektro/Rock-Mischung ist einfach mal richtig klasse. Mir hat absolut jeder Titel gefallen, die drei kamen sympathisch und eher schüchtern rüber, trotzdem gelang es ihnen, ne tolle Stimmung zu schaffen und die Fans abtanzen zu lassen. Super.

Im Anschluss bin ich irgendwie bei S O H N gelandet. Da hab ichs aber nicht lange ausgehalten, dieses typische R'n'B Gesäusel am Klavier ist einfach nicht mein Ding. Hohe Stimmen bei Männern gehen für mich eh nur bei den Queens of the Stone Age, Muse und Eagles of Death Metal *lach*. Letztlich kann ich gar nicht beurteilen, ob das gut oder schlecht war, weil ich diese Art von Musik eben selbst überhaupt nicht höre. Alle anderen um mich herum standen aber sehr andächtig da...

Ich bin dann lieber wieder vor die Mainstage getrabt und hab die zweite Hälfte des White Lies Sets gehört. Und das war gar nicht schlecht. Ich kann nun nicht behaupten, dass mir ihre Musik durchweg gefällt, da gibts eben auch nur zwei oder drei Titel, die ich richtig mag, aber live kommen sie gut rüber, toller Sound und deutlich druckvoller als ausm Studio.

Auf der Suche nach was Eßbarem bin ich dann aber erstmal bei The Mighty Oaks hängengeblieben. Eine Berliner Combo, die aus einem Deutschen, einem Italiener, einem Briten und einem Ami besteht (das hab ich  mir gemerkt), die einen wirklich sehr amerikanischen Sound spielt. So ein bisschen Folk, etwas Country, ein bisschen Calexico (ohne Mariachis), alles sehr ruhig und handgemacht. Auf Dauer wäre es mir etwas zu gleichförmig, aber einzelne Titel haben mir gut gefallen. Die Jungs sind noch ziemlich neu in der Szene, spielten daher auch auf der "First we take Berlin"-Stage, erst im Laufe des Jahres wird es ihr Debüt Album geben.

Als ich mich dann für den besten Hot Dog entschieden habe, den man sich vorstellen kann, hatte ich keinen Nerv, mich damit vor irgendeine Bühne zu drängeln. Also setzte ich mich mit Blick auf die Mainstage in sicherer Entferung auf ne Bank fürs Abendbrot und ließ mir dieses von Casper würzen. Wie schon erwähnt, stehe ich nicht auf deutschen Hip Hop. Aber ich muss dann schon zugeben, dass mir Caspers Set echt super gefallen hat, keine Ahnung wie das Ganze auf CD klingt, live hat der aber die Bühne zum Wackeln gebracht, allerdings mit einer fantastischen Band im Hintergrund, die ziemlich gerockt haben.

Nach Casper hab ich schon mal versucht, einen guten Platz für das nachfolgende Konzert von Björk zu ergattern. Dazu muss ich etwas ausholen. Björk mochte ich zu Sugarcubes Zeiten und dann auch zu Beginn ihrer Solokarriere. Ich glaube, es sind ihre ersten drei Alben, deren Titel ich nach wie vor gerne höre und die mich zwischenzeitlich zu einem Fan werden ließen. Doch irgendwann veränderte sich ihr Sound, wurde immer experimenteller und befindet sich mittlerweile recht weit weg von meinem Musikgeschmack. Trotzdem war ich neugierig, die Chance, Björk mal live zu erleben, wollte ich mir nicht nehmen lassen. Zuvor wurde der Wunsch der Künstlerin auf der Leinwand eingeblendet, doch bitte keine Fotos oder Videos von ihrem Auftritt zu machen, das würde sie irritieren. Ich hab zumindest bei Showbeginn zweimal geknipst, dann aber brav meine Kamera weggesteckt, finde es okay, wenn sie nicht auf lauter Smartphone Bildschirmen gucken will, und es wurde ja kein Verbot ausgesprochen.
Was man unbedingt erwähnen muss, ist der phänomenale Bühnenaufbau. Mit relativ überschaubaren Mitteln wurde eine einzigartige Atmosphäre geschaffen, irgendwie zwischen Polarnacht und Mystik. Was sich da visuell abgespielt hat, war Schokolade für die Augen, daran gibts gar keine Zweifel. Björk selbst, die im gelben Kostüm und mit einer Kopfbedeckung, die irgendwie an eine futuristische Pusteblume erinnerte, auf die Bühne kam, war ebenfalls mehr als sehenswert.
Was mich aber als erstes etwas abschreckte, war der Frauenchor, der Björk unterstütze. Ich mag keine Chöre, mag engstirnig sein, aber diese Art von Gesang liegt mir einfach nicht. Und dann fokussierte Björk nun eher auf ihr aktuelles musikalisches Schaffen, eben genau der Sound, der mir bei ihr nicht mehr gefällt. Ich bin halt ein Rock-Fan, experimentelle Klanggewände sind schlicht nicht mein Fall. Nach einer halben Stunde habe ich mich dann gegen Björk und für die Klaxons entschieden, was eine gute Wahl war.

Ich bin pünktlich zu Beginn des Klaxons Sets zur Zippo Stage gekommen und durfte dann noch einmal eine knappe Stunde mit größter Freude tanzen. Die Briten, auf deren neues Album ich nun sehr gespannt warte, haben echt die kleine Bühne gerockt, ich hatte in der Zwischenzeit ganz vergessen, was für geile Songs sie in der Vergangenheit rausgebracht haben. Stillzustehen war unmöglich, dafür hatten die Jungs aber auch selbst viel zu großen Spaß an ihrer Musik und ihrer Performance. Zwischendurch gabs technische Probleme, die zu einer unfreiwilligen Unterbrechung des Sets führten, was die Band aber sympathisch-professionell weggesteckt hat, vermutlich auch, weil das Publikum einfach während der Pause munter weiter gesungen hat. Wer so entspannte und motivierte Fans hat, der kommt dann natürlich auch mit breitestem Grinsen wieder zurück auf die Bühne und missachtet auch das vorgegebene Ende des Sets und überzieht etwas. Sehr schön. Die Klaxons waren für mich neben Is Tropical das zweite echte Highlight des zweiten Festivaltages.

Um noch mal was Generelles zum Berlin Festival loszuwerden: Ich finde - und dies wurde mir von anderen Besuchern bestätigt - dass dort einfach eine wirklich schöne, sehr entspannte Atmosphäre herrscht. Die Leute gehen alle nett miteinander um, man nimmt Rücksicht auf andere, ist kontaktfreudig, so dass sich häufig nette Gespräche ergaben, und die Location mit dem stillgelegten Flughafen Tempelhof ist meines Erachtens echt nicht zu toppen. Darüber hinaus ist musikalisch eigentlich für jeden Geschmack etwas dabei.
Auch was den Service anbetrifft, kann ich nicht meckern, das ging beim Einlass alles völlig unkompliziert, die Toiletten waren sogar noch am späten Abend begehbar und vor allem ausreichend vorhanden, die Preise für Getränke und Essen waren okay wie ich fand, keine Abzocke. Und wer zwischendurch seine Augen mal von den Bühnen abwenden wollte, konnte sich im Art Village umgucken oder die Weite des Tempelhofer Flugfeldes beobachten.
Nun war uns auch der Wettergott hold, an beiden Tagen herrschte einfach nur perfektes Spätsommerwetter, wie man es sich wünscht, das hat sicherlich zur guten Stimmung beigetragen.
Mal sehen, wer sich fürs nächste Jahr ankündigt, aber ich gehe davon aus, dass ich auch 2014 wieder dabei sein werde.

Hier noch die Klaxons mit "Atlantis to Interzone"

Berlin Festival 2013 - Tag 1 (06.09.2013, Flughafen Tempelhof)

Das erste Septemberwochenende wars, fast schon gar nicht mehr war, so lange scheint das her. Nach einem Jahr Pause hat es mich diesmal wieder zum Berlin Festival gezogen, zwei Tage voller Musik, netter Gespräche mit fremden, gut gelaunten Menschen und viel Beinarbeit (von Bühne zu Bühne und Tanzen).

Schön wars wieder, das wollte ich hier wenigstens noch loswerden. Hauptsächlich habe ich die Tickets gelöst, um das einzige Deutschlandkonzert eine meiner alltime Lieblingsbands - Blur - zu erleben und einmal einen Blick auf Björk zu werfen. Aber auch sonst boten beide Tage gut gemischte Musik aus unterschiedlichen Genres.

Am Freitag ging es für mich mit Bastille los, von deren Set ich allerdings nur noch das Ende mitbekommen habe und das alles grundsätzlich nicht sonderlich spektakulär fand, aber ich kann mit Bastilles Sound auch generell nur wenig anfangen.

Dann gings rüber zu The Majority Says, eine noch recht unbekannte schwedische Band, die gute Laune Pop zum Besten boten und klamottentechnisch die 80er wieder aufleben ließen. Nichts, was ich persönlich nun unbedingt auf meinem iPod haben möchte, aber war okay.

Nebenan hatten OK Kid technische Schwierigkeiten, und es dauerte etwas, ehe es tatsächlich losging, ich konnte eh nur kurz bleiben, weil ich unbedingt Bosnian Rainbows sehen wollte. Aber dafür, dass ich deutschem Sprechgesang eigentlich nicht so richtig zugetan bin, haben mir einige Songs zumindest vom Beat her ziemlich gut gefallen. Das ist dann auch der Mehrwert, den man aus so einem Festival zieht, sich Bands/Künstler anzusehen, für die man normalerweise kein Ticket kaufen würde, man sich dann aber in entspanntem Rahmen ein Bild von ihren Livequalitäten machen kann. Insofern war ich von OK Kid positiv überrascht.
Bosnian Rainbows habe ich im Frühjahr bereits als Support für die Yeah Yeah Yeahs in der Columbiahalle gesehen und war damals schon sehr angetan von Musik und Frontfrau Teri Gender Bender, insbesondere aufgrund ihrer leicht schrägen Bewegungsform. Inzwischen habe ich mir ihr selbstbetiteltes Debütalbum gekauft, muss aber einfach feststellen, dass ihre Titel live viel viel besser klingen als ausm Studio. Da ist eine Kraft in den Liveperformances, so richtig wuchtig, das kommt hübsch abgemischt einfach nicht rüber. Und Teri Gender Bender hat eben auch eine wirklicht tolle Livestimme. Deren knapp einstündiges Set habe ich sehr genossen, war dann auch mein erstes Highlight am Freitag.

Dafür habe ich The Sounds verpasst, die - wie mir andere Festivalbesucher erzählten - auf der Main Stage richtig Stimmung gemacht haben sollen, sind sehr gut angekommen. Stattdessen zog ich mich nach den Bosnian Rainbows zur britischen Band NYPC, früher unter New York Pony Club bekannt, von denen ich zumindest bewusst noch nie einen Song gehört habe. Ich bin auch nur hängengeblieben, weil mich deren Cover eines Evergreens (dessen Titel sich gerade aus meinem Hirn verabschiedet hat) total begeistert hat, so dass ich mir ihr restliches Set auch noch gegeben habe. So viel ist klar, wenn ihr neues Album rauskommt, werde ich mich damit mal beschäftigen, die haben eienn guten Sound und Sängerin Tahita Bulmer eine interessante Stimme mit Wiedererkennungswert - und eine recht coole Attitüde auf der Bühne.

Wo ich dann gelandet bin, dürfte jeden wundern, der mich kennt, denn: Eigentlich hasse ich dieses theatralische Deutsch-Pop-Gehabe von MIA. Ach, ich finde die ganz furchtbar, wenn ich auch zugeben muss, dass ich das "Hungrige Herz" auch schon mal mitschmettere, wenn es im Radio läuft. Aber ich stand mit meinem indischen Gemüsecurry irgendwie gerade vor der Mainstage, als sie auf die Bühne kamen und dachte, "flüchten kann ich immer noch". Muss aber zugeben, dass ihre Musik live erstaunlich rockig rüberkommt, Mietze eine tolle Livestimme hat, und die Stimmung im Publikum einfach gut war. Die Theatralik bleibt natürlich, bei jedem Titel musste ein neues Kostüm oder Accessoire her, und als dann diese grottige Zirkusnummer kam, bin ich gedanklich kurz ausgestiegen. Trotzdem auch hier eine eher positive Überraschung, da man mich normalerweise nur mit Waffengewalt in ein MIA. Konzert kriegen könnte.

Denrestlichen Abend blieb ich dann auch vor der Mainstage. Zum einen, weil ich neugierig war, wie wohl ein Pet Shop Boys Konzert sein würde, zum anderen, weil danach Blur spielten und ich mich schon mal langsam nach vorne drängeln wollte. Geht ja gar nicht, dass ich bei Blur nicht irgendwo in der ersten oder zweiten Reihe stehe :)
Was die Pet Shop Boys anbetrifft, würde ich jetzt mal sagen: Hab ich nun einmal gesehen, reicht, brauche ich nicht nochmal. Klar, haben sie ne tolle Bühnenshow. Das fängt mit den ausgefallenen Kostümen an, in denen Neil Tennant und Chris Lowe auftreten und die sie mehrfach wechseln. Das gilt auch für die Lasershow und die beiden tollen Tänzer, die wenigstens etwas Bewegung auf die Bühne brachten. Aber Tennant und Lowe selbst sind einfach  nur langweilig. Und bei einem 90minütigen Set fällt dann doch schmerzlich auf, dass ihre Songs nicht kaum unterscheiden, dass es nur eine kaum merkliche Weiterentwicklung gegeben hat, und die größte Stimmung im Publikum dann aufkommt, wenn sie ihre 80er Jahre Gassenhauer spielen, mit denen ich halt ebenfalls aufgewachsen bin. Also visuell war das alles ganz spannend, musikalisch jedoch war ich danach nicht überzeugt.

Dafür stand ich dann aber bei Blur tatsächlich in der ersten Reihe und hatte an diesem Tag das zweite, eigentlich kaum zu toppende, Highlight. Das letzte Mal, dass ich Blur live gesehen habe, ist zehn Jahre her, damals kam "Think Tank" raus und man musste auf der Bühne ohne einen Graham Coxon auskommen. Mittlerweile haben sich glücklicherweise wieder alle lieb, und die Band gabs in Originalbesetzung. Da sie nun kein neues Album draußen haben, war klar, dass wir eher ein "Best of" Konzert erleben würde, dabei war aber die Mischung der Titel so gekonnt, dass eigentlich keine Wünsche offen blieben. Damon Albarn springt - diesmal ganz in Jeans gekleidet - immer noch wie ein junger Hüpfer über die Bühne, Coxon bleibt ein Gitarrengott, Alex James posiert nach wie vor am Bass und Dave Rowntree hinter den Drums ist wie eh und je der Unauffälligste.
Das Schöne an den Blur Titeln ist einfach, dass sie immer noch zeitgemäß klingen, dass sowas wie "Boys and Girls" mittlerweile fast 20 Jahre auf dem Buckel hat, mag man kaum glauben. Einen Beweis für die "Heutigkeit" ihrer Songs liefert Damon Albarn, als er "Out of Time" den Menschen in Syrien widmet. Die Zeiten haben sich eben nicht so sehr verändert, wie wir glauben wollen. Da passen Titel wie "Parklife" und "Country House"eben immer noch.
Neben der hervorragend aufgelegten Band war aber auch das Publikum nicht ohne, schon gleich zu Beginn bei den ersten Klängen von "Girls and Boys" kochte die Stimmung und kühlte über den ganzen Abend nicht mehr ab. Konnte man gut während "Tender" hören, da waren die Besucher schließlich lauter zu hören als Damon Albarn. Und textsicher waren sowieso alle.
Man mochte kaum glauben, dass sich die tolle Atmosphäre tatsächlich noch steigern konnte, aber als Blur dann als letzte Zugabe den göttlichen "Song 2" spielten, hätte man sich auch nicht mehr gewundert, wenn wir alle mitsamt der Bühne dank unserer freudigen Energie regelrecht vom Boden abgehoben hätten.
Ich sag mal so, wenn Blur wissen wollten, ob sie bei deutschen Fans noch eine gewisse Relevanz besitzen, dann haben sie jetzt den Beweis. Und bedanken sich dafür hoffentlich bald mit einem guten, neuen Album.

Guter erster Tag.
Ein paar Videos hab ich gemacht, natürlich entsprechend verwackelt. Als Beispiel mal hier Blurs "To The End" (am Anfang ist noch der Schluss von "Tender" zu hören).

Dienstag, 2. Juli 2013

ZZ Top (Support: Ben Miller Band), Zitadelle Spandau, Berlin, 01.07.2013

20130701, ZZ Top, Ben Miller Band, ZitadelleGut eine Woche nach dem nahezu perfekten Wüstenabend ging es gestern erneut in die Zitadelle Spandau. Diesmal hab ich mir einen langjährigen Traum erfüllt: Wenigstens einmmal wollte ich ZZ Top live sehen. Dabei bin ich jetzt kein Hardcorefan, aber Gott, ich liebe ihren Gitarrensound! Und irgendwann muss man den Tatsachen ins Auge sehen - die Männer werden nicht jünger, und jede Tour könnte die letzte sein, die sie sich antun wollen.

Und - ich hatte einen wirklich schönen Abend. Bin zwar erst spät in der Zitadelle angekommen - 5 Min. bevor die Vorband angefangen hat - dank diverser Bahnverspätungen, aber dadurch, dass ein etwas älteres Publikum vor Ort war, standen die Leute eigentlich eher locker verteilt, so dass ich mich noch entspannt bis nach vorne schieben konnte.

Um 19.00 Uhr kam zunächst der Support, die Ben Miller Band, auf die Bühne. Da stellte sich spontane Verknalltheit bei mir ein. Rein optisch denkt man zunächst, einem Hillbillie Klischee zu begegnen. In Hinterland-Slasher-Filmen ist das der Moment, wo man schnell Reißaus nimmt, um nicht als Gebärmaschine für Inzestfamilien zu enden (sorry, aber ich bin nun mal Fantasy Filmfest geprägt), in Wahrheit waren es aber drei hoch sympathische und vor allem unglaublich talentierte Musiker. Innerhalb von fünf Minuten war ich restlos begeistert. Sie spielen eine Mischung aus Country, Bluegrass und Bluesrock, das geht alles tierisch in die Beine - während die ruhigeren Stück die Seele berühren. Und ich bin wahrlich kein Countryfan.
Bei einem Publikum jenseits der 40 hat es den Vorteil, dass nicht jeder während des Supportsets mit seinem Handy oder anderen Ablenkungen beschäftigt ist, die Leute haben interessiert gelauscht und sich ebenso schnell von dem Lebenshunger der Band mitreißen lassen wie ich.

Nach einer relativ überschaubaren Umbaupause gings mit dem Hauptact weiter. Endlich. ZZ Top. Sie eröffneten mit "Got Me Under Pressure" und spielten nachfolgend eine abwechslungsreiche Mischung ihrer Songs, wenn ich doch auch ein paar der reinen Bluesstücke vermisst habe. Hätte gerne sowas wie "Shiek" gehört, der ihre Musikalität besser unter Beweis stellt als beispielsweise "Gimme All Your Lovin". Aber ich will nicht meckern. Die alten Herren haben abgeliefert. Seit über 30 Jahren spielen sie in Originalbesetzung und sind entsprechend eingespielt. Also spontane Aktionen darf man da nicht erwarten. Ich würde auch wetten, dass sie ihre Setlist während der Tour nicht einmal abändern. Hat ein bisschen was von texanischer Las Vegas Show auf der Bühne *lach* mit ihren Jackets mit Glitzerapplikationen - aber das ist halt auch ne andere Generation, fand ich okay. Auf jeden Fall holt Billy Gibbons immer noch jeden erdenklichen Ton aus seiner Gitarre heraus, für Gitarrenfans war das gestern Abend generell der Himmel.

Aber der tat sich dann nach einer Stunde auf. Wir hatten bis kurz vor 21.00 Uhr gutes Wetter, dann wurds schwarz und plötzlich sehr windig, und dann goss es auch schon aus Kübeln. Zu dem Zeitpunkt sind ZZ Top gerade in die Zugabepause gegangen.

Und ich nehme einfach an, dass man backstage beschlossen hat, dann "schnell fertig" zu werden, denn innerhalb kürzester Zeit war die Bühne nass, und über der Zitadelle blitzte und donnerte es recht heftig. Insofern sind ZZ Top nur noch für eine kurze Zugabe raus, und das wars dann schon. Tatsächlich, stand ich um 21.20 Uhr schon wieder an der Bushaltestelle vor der Zitadelle und war trotz Regenjacke klatschnass, der Regen kam so plötzlich und heftig, dass die Jacke nicht viel geholfen hat.
So großartig die Band war, es war halt etwas kurz. Andererseits verstehe ich aber natürlich die Sicherheitsmaßnahmen, insbesondere auch unter dem Aspekt, dass es schwierig ist, mehrere tausend Leute von dem Festivalplatz durch das bekannte Nadelöhr zu schleusen, während ein Unwetter wütet.

Im Ganzen war's eine schöne Erfahrung, zwei gute Bands, und ein Publikum, welches altersmäßig zwischen 40 und 60 lag, was mich fast zu einem Küken machte, hab ich auch nicht so oft, diese Situation. Entsprechend lag eine gelöste Stimmung in der Luft, kein Drücken, Schieben, egoistisches Rumhüpfen /-pogen, sondern freundliche, entspannte Menschen, die zur Musik getanzt haben. Und wieder erstaunlich Frauen lastig. Muss dann immer schmunzeln, wenn ich am nächsten Tag im Büro davon berichte und dann erstaunte Gesichter sehe, die nicht glauben können, dass Frauen zu "solchen Bands" gehen, aber okay, in meinem neuen Büro bin ich eh umgeben von ignoranten Snobs, da darf das auch nicht mehr verwundern.

Eine Setlist hab ich nicht. Aber ein paar Livevideos. Nachfolgend zunächst ein mir unbekannter Titel von der Ben Miller Band - man achte bitte auf den unglaublichen Sound, den Doug Dicharry aus seinem Waschbrett rausholt.
Danach dann den ZZ Top Kultsong schlechthin. Viel Spaß.


Montag, 24. Juni 2013

Queens of the Stone Age (Support: The Virginmarys, Masters of Reality),Zitadelle Spandau, Berlin, 22.06.2013

Wer meinen Blog länger kennt, der weiß, dass ich ein hardcore QotSA Fan bin und eigentlich nach jedem Konzert vor mich hinschwärme. Liegt halt einfach daran, dass diese Band live niemals Gefangene macht und auf der Bühne immer alles gibt. Ich hab in den vergangenen 12 Jahren, in denen ich regelmäßig ihre Berliner Konzerte besuche, nie einen Abend erlebt, an dem sie ihr Set irgendwie lieblos runtergespielt hätten, davon können sich andere Bands ne Scheibe abschneiden.

20130622, Qotsa, Masters of Reality, The VirginmarysDiesmal gab es gleich einen Dreierpack an guten Bands. The Virginmarys sagten mir im Vorfeld nichts, aber ihr Set hat mir richtig gut gefallen, druckvoller Rock, der in die Beine ging, schön unprätentiös vorgetragen. Ihre aktuelle Scheibe "King of Confidence" wurde gleich am Sonntag gekauft.
Desktop1Danach dann der wunderbare Chris Goss mit seinen Masters of Reality. Meine Güte ist das lange her, seit dem ich ihn das letzte Mal auf der Bühne gesehen habe. Im C-Club nach der Veröffentlichung von "Deep in the Hole" mit Unterstützung von Josh Homme und Nick Olivieri an Gitarre und Bass. Auch eines der Konzerte, die ich nie vergessen werde. Gefühlte 50 Grad im Club, und der Mann stand da mit Winterparka und Wollmütze auf der Bühne. Ich hab damals schon gedacht, cooler als Goss gehts nicht.
Er hatte Schwierigkeiten mit der Stimme am Samstag, und auch der Whiskey wollte nicht helfen, trotzdem war's ein gelungenes Set aus Titeln wie "Tilt-a-Whirl", "Third Man on the Moon", "High Noon Amsterdam", "Domino", etc. Was natürlich daran liegt, dass Goss eine hochtalentierte Band im Rücken hat, die zum einen alle schon ein gewisses Alter haben, in dem sie profimäßig völlig in sich ruhen, aber noch genug Lust am Rock haben, um auf der Bühne richtig loszulegen. Mir hats tierisch Spaß gemacht, und ich denke, sie haben auch dem restlichen Publikum ziemlich gut eingeheizt.

DesktopNach einer recht kurzen letzten Umbaupause kamen die Queens gegen 21:15 Uhr auf die Bühne und eröffneten ihr Set mit einem Stück aus dem neuen, wieder sehr gelungenen Album "Like Clockwork", nämlich "Keep Your Eyes Peeled", es folgte "You Think I Ain't Worth A Dollar..." (ihr Debütalbum und "Rated R" haben sie Samstag leider mit Nichtachtung gestraft, aber man kann auch nicht alles haben). Spätestens zu dem Zeitpunkt war das Publikum in der ausverkauften Zitadelle schon in totaler Partystimmung. Man hat sie halt eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gesehen auf deutschen Bühnen, Hommes lange, gesundheitsbedingte Auszeit und eine gewisse Verunsicherung, was die Zukunft der Band angeht, dazu ein weiterer Personalwechsel (Jon Theodore ersetzte den langjährigen Drummer Joey Castillo - und machte eine gute Figur an den Drums) sind weder an den Beteiligten noch an den sehnsüchtigen Fans spurlos vorbeigegangen. Mann, wir haben sie vermisst! Und das Schöne: Sie uns offensichtlich auch. Schon bei Betreten der Bühne sieht man entspannte, gelöste Gesichter, Homme und van Leeuwen feixen sich eins (gut, Michael Shuman schaut immer sehr konzentriert und angespannt aus, aber innerlich tanzt der bestimmt auch *g*), man merkte einfach, die hatten richtig Bock.
Es folgte eine perfekt abgestimmte Mischung aus Titeln der letzten drei sowie dem neuen Album, und wir erlebten tatsächlich Homme an den Tasten, ein fast schon intimer Moment während "The Vampyre of Time and Memory". "No One Knows" - DER Krachersong, der in früheren Konzerten gerne als letzte Zugabe gegeben wurde, damit die Fans noch mal alles rauslassen konnten, wurde relativ am Anfang abgefrühstückt, solche Stimmungsmacher hat man mittlerweile gar nicht mehr nötig, wo man aus einem solchen Songfundus schöpfen kann und auch die nagelneuen Titel des ja nun gerade erst in diesem Monat erschienenen "Like Clockwork" extrem gut von den Fans aufgenommen wurden.
Die Band selbst war hoch erfreut über die fantastische Stimmung im Publikum, und das perfekte Open Air Wetter mit 25 Grad und leichtem Wind war wie gemacht für den Abend, wie Homme bei der Textzeile "Heaven smiles above me" ("No One Knows") lächelnd bemerkt.
Um 23.00 Uhr war Schluss mit lustig, ein herrlich in die Länge gezogener "Song for the Dead" entließ uns in die Nacht, verschwitzt und glücklich. QotSA bleiben eine der besten Live Bands. Punkt.

Am 01.07. geht's wieder in die Zitadelle, dann ist kraftvoller Bluesrock mit ZZ Top angesagt, ein ewiger Wunsch von mir, die bärtigen Herren einmal live zu erleben, wird Wirklichkeit. Was ich Samstag gelernt habe: Anti-Mückenspray benutzen (die Viecher haben mich sozusagen ausgelutscht) und mich zum Ende des Konzerts hin schon mal langsam Richtung Ausgang zu bewegen. Was viele nicht wissen, die die Zitadelle nicht kennen: Da geht man nicht einfach hinaus. Es gibt für die vielen Menschen nur ein kleines 3,60m breites Nadelöhr, durch das man sich hindurch pressen muss, überwacht von Securities, weil die historische Zugbrücke bei einem ganzen Schwall voller trampelnder Füße brechen könnte. Also viel Zeit fürs Verlassen des Geländes einberechnen. Und dann kommen die Berliner Verkehrsbetriebe auch nicht auf die Idee, abends spät ein bis zwei Sonderzüge fahren zu lassen. Maximal 10.000 Besucher passen auf das Gelände und verteilen sich im Anschluss auf die Bahnsteige der U7 oder der S-Bahn, die dann allesamt nur im 10-15 Min.-Takt fahren. Von Konzertende bis zur tatsächlichen Ankunft zuhause in F'Hain war ich inklusive all der Wartezeit 2,5 Std unterwegs. Mit dem Auto ist man in der Zeit schon fast an der Ostsee *lach*.

Nachfolgend jeweils ein Video zu The Virginmarys, Masters of Reality und dem Hauptact.
Und hier noch die komplette Set der Queens via Setlist.fm:
Keep Your Eyes Peeled / You Think I Ain't Worth a Dollar, but I Feel Like a Millionaire / No One Knows / My God Is the Sun / Burn the Witch / Sick, Sick, Sick / First It Giveth / The Vampyre of Time and Memory / Turnin' on the Screw / If I Had a Tail / Little Sister / I Sat by the Ocean / Make It Wit Chu / I Think I Lost My Headache / A Song for the Deaf / I Appear Missing / /Encore: …Like Clockwork / A Song for the Dead



Mehr wie immer hier.

Samstag, 18. Mai 2013

ESC 2013

Dieses Jahr gehe ich ja völlig unbeleckt in die ESC Übertragung, sonst schau ich vorab wenigstens mal eines der beiden Halbfinale oder hör vorab schon mal in die Songs rein, diesmal lass ich mich völlig überraschen und werde nachfolgend meine spontanen Eindrücke zu den jeweiligen Songs inklusive einer persönlichen Top Five festhalten.
Und natürlich die ESC App auf meinem iPad ausprobieren, vielleicht vote ich ja sogar mal mit *lach*.

So es beginnt und wir erleben per Einspielfilm die Reise einer aserbaidschanischen Raupe durch Europa. Nun ja, ganz putzig gemacht, obwohl man sich über die Tourenplanung des possierlichen Tieres etwas wundern darf *lach*. Erklärt allerdings das hübsche Schmetterlingslogo des diesjährigen ESCs. Eingangs die aktuelle von den ABBA Bs komponierte Hymne des Musikfestivals. Meine App bietet mir gleich den Kauf des Titels an, nein danke. Alle Teilnehmer (inklusive der bereits in den Halbfinals ausgeschiedenen) kommen mitsamt Flagge auf die Bühne, naja, etwas steif finde ich das, ist doch keine Olympiade. Und es nimmt kein Ende.

Und dann die Moderatorin - ein (Alb)Traum in Pink - Petra Merde, hübsche Frau, aber dieses Kleid und die dazugehörigen Schuhe tun in den Augen weh. Später werden wir efahren, dass Gaultier das Kleid designt hat. Während der Show tritt sie allerdings wenig in Erscheinung. Dafür dann aber während der Votingphase.
In der Pause gibts die vorige Gewinnerin Loreen mit neuem Titel und noch ein bisschen "Euphoria". Die schwedischen Comedyeinspieler sind teilweise wirklich lustig, und ich mochte auch den Pausensong von Metra Merde, die schwedische Eigenheiten und Klischees auf die Schippe nimmt und alles, was die Welt so meint, über die Schweden zu wissen. Vom Girl with a dragon tattoo über Midsomer zum schwedischen Festbuffet, bisherigen schwedischen ESC Gewinnern etcpp. Eine hübsche Revuenummer. Schön auch ihr Hinweis, dass man, wenn man an diesem Abend gewinnt, eine Show gestalten muss, die sich kein Land leisten kann *lach*.

Hier jetzt klicken für die einzelnen Titel: