Sonntag, 27. Dezember 2009

Rückblick 2009: Oktober - Musik

So, was gabs an Musik im Oktober? Eigentlich gar nicht so sehr viel Besonderes, eher ein Durchatmen vor den sehr musikalischen letzten beiden Monaten des Jahres.
Für mich persönlich gilt der Oktober eher als Startschuss für meine Konzerteaufholjagd. Nachdem seit März und den Eagles of Death Metal nicht viel in Sachen Konzerte bei mir passiert ist, war aber klar, dass ich als beinharter Muse-Fan den Berliner Auftritt in der O2-World nicht verpassen würde. Im Nachhinein bin ich immer noch begeistert von dem Bühnenaufbau und davon, dass es der Band gelungen ist, trotz der Weitläufigkeit dieser großen Halle eine gewisse intime Atmosphäre zu versprühen. Dennoch bin ich immer noch neidisch auf die Fans, die Muse im Berliner Admiralspalast genießen durften *grrr*. Ein ziemlich tolles Konzert, welches mich auch wieder auf den Geschmack gebracht hat, so dass ich mich nicht nur auf The Gossip im November und Them Crooked Vultures im Dezember, sondern auch noch dazwischen auf die Foo Fighters, Arctic Monkeys und Billy Talent gefreut habe. Wenn meine private Kasse es erlaubt hätte, dann hätte ich auch Kasabian, Biffy Clyro und Julian Plenti nicht verpasst, aber das wäre halt einfach zu teuer geworden.
Tja, Yello, Kiss, Air, Bela B brachten neue Alben raus, die mich allesamt nicht angesprochen haben. Auf das Editors Album "In This Light And On This Evening" hatte ich große Hoffnungen gesetzt, weil mir die Single "Papillon" extrem gut gefiel, war dann aber enttäuscht von der gesamten CD, die mich irgendwie an die Depeche Mode Nachmacher Camouflage erinnerten, die ich vor zwanzig Jahren schon nicht mochte. Auch das neue Album der von mir sonst gemochten The Raveonettes "In And Out Of Control" hat mich nicht vom Hocker gerissen. Von Miike Snow und Mumford & Sons habe ich erst Mitte Dezember jeweils einen Titel gehört und werde mich jetzt demnächst mal an ihre Oktober-Alben heranwagen.
Und naja, die Foo Fighters Greatest Hits war insofern uninteressant, als dass ich ja jede bisherige Veröffentlichung von ihnen besitze.
Robbie Williams läutete bereits im September sein Comeback mit der Single "Bodies" ein und gab im Oktober einige kleine Konzerte - u.a. ein sogenanntes "Geheimkonzert" (BILD) in Berlin vor der Max-Schmeling-Halle. Geheim blieb dieses natürlich nicht lange, Robbie spielte ein paar Songs, die Ausschnitte, die hinterher im Netz zu sehen waren, fand ich eher langweilig. Anfang November sollte sein Comeback-Album rauskommen, dazu dann im Nov-Rückblick mehr.
Die posthume Vermarktung Michael Jacksons ging weiter und gipfelte in "This is it" - dem Film, der Jackos Konzertvorbereitungen in Ausschnitten zeigt, und für den Menschen weltweit stundenlang vor den Kinos anstanden, um ihr Idol noch ein letztes Mal zu sehen. Ich habe ihn mir nicht angesehen, nun war ich auch nie ein großer MJ-Fan, aber diese Ausbeutung dieser tragischen Figur des Musikbusiness wollte ich auch nicht weiter unterstützen.

Da mich also im Oktober musikalisch nur sehr wenig angesprochen, erwähne ich hier mal meinen Lieblingstitel aus der TV-Werbung, die im Oktober so über den Bildschirm flimmerte - und das war ganz klar Grizzly Bear mit "Two Weeks" aus der Peugeot-Werbung, selten genug, dass ich nicht nur nicht wegzappe, sondern hinterher noch "recherchiere" zu welchem Titel da gerade ein Auto präsentiert wurde :)





Mittwoch, 23. Dezember 2009

Rückblick 2009: September - Musik

Was gabs im September aus der Musikwelt zu verkünden? Rammstein sorgten erneut für Provokation, in dem sie ihre Vorabsingle "Pussy" aus dem im November erscheinenden neuen Album "Liebe ist für alle da" mit einem Hardcorepornovideo unterlegten, welches man sich nur auf einem Erotik-Portal in ganzer Länge angucken konnte (ab 18J.). Ich persönlich fands dämlich und unnötig, aber die Meinungen hierzu scheinen auseinander zu gehen.
Im Juli und August habe ich vor lauter Fantasy Filmfest Euphorie völlig eine der wichtigsten musikalischen Neuigkeiten verpennt: John Paul Jones (LedZeppelin), Dave Grohl (Foo Fighters) und Josh Homme (Queens of the Stone Age) bilden die Them Crooked Vultures. Erste Shows in den USA gab es bereits im August. Noch gab es keine Single, kein Video, kein Album, doch der Hype und der Erwartungsdruck waren hoch. Mein Konzertticket für Anfang Dezember hatte ich bereits Ende September in der Tasche, ohne zu wissen, was mich da an Musik erwarten würde. Dazu dann in den Rückblicken zu November und Dezember mehr.
Ebenfalls verschlafen habe ich die Nachricht, dass auch ein weiteres Mitglied der QOTSA ein neues Projekt am Start hat, nämlich Troy van Leeuwen mit Sweethead. Eine erste EP kam im Juli raus, die ich dann im September entdeckt habe und schon recht gut fand. Das Album dazu gabs im November.

Meine Alben im September:

museEine meiner absoluten Lieblingsbands überhaupt brachte ihr neues Album raus: Muse mit "The Resistance". Sicherlich eine der besten Scheiben des Jahres. Die erste Single "Uprising" ist immer noch eines meiner absoluten Favoriten, tolle Harmonien, ein Ohrwurmrefrain und ein trockenes Gitarrensolo dazwischen.
Während auf dem Vorgänger "Black Holes und Revelations" aus dem Jahr 2006 nur mein Lieblingstitel "Knights of Cydonia" echte Ähnlichkeiten zu Queen aufwies, ist die musikalische Nähe Matt Bellamys und Co. zu den Rockkünstlern um Freddie Mercury schon deutlich spürbarer, wenn nicht gar unüberhörbar, beispielsweise bei "United States of Eurasia", in dem Muse es auch noch schaffen, ein bisschen Chopin einzuarbeiten. Aber nicht nur Queen werden munter zitiert, auch ABBA trifft es bei "Unnatural Selection" kurzzeitig (dieser Song beinhaltet übrigens auch einen 1A Scorpions Riff *lach*). Bei aller Zitaterei behalten sie jedoch immer ihren ureigenen Sound aus treibenden Gitarren, Bellamys Falsett-Gesang, welchen andere vielleicht als Jammern bezeichnen mögen, Melodien, die mal hierhin mal dorthin springen und dabei komischerweise einen Titel nie sperrig wirken lassen. Dazu echte Talente in der Rhythm-Section mit Dominic Howard an den Drums und Christopher Wolstenholme am Bass. "I Belong To You" strotzt dazu nur so vor Ironie, ein Uptempo-Titel, der sich eigentlich über die typischen Liebessongs lustig macht, man achte auf dieses alberne Klarinettensolo. Bei "MK Ultra" geht es schon wesentlich heftiger zur Sache, aber nicht weniger bombastisch als bei den anderen Titeln.
Davon mal abgesehen scheinen Muse sich immer mehr der klassischen Komposition zuzuwenden. Schon früher waren einzelne Titel kleine Symphonien in sich, auf "Resistance" findet sich nun eine dreiteilige, orchestrale Viertelstunde "Exogenesis - Part 1-3", die man am besten losgelöst vom restlichen Album hören sollte, damit sie ihre wahre Wirkung entfalten kann. Was die Herren da zusammenspielen und komponiert haben, ist ein absoluter Traum, der im Übrigen Klassik- wie auch Rockfans anspricht. Muse haben es sich mit diesem Album nicht einfach gemacht, haben eine Richtung eingeschlagen, mit der möglicherweise nicht jeder Fan der ersten Stunde mitgehen kann. Aber mit "The Resistance" haben sie sich meiner Meinung nach in die oberste Riege mit Bands wie Queen oder Led Zeppelin gespielt. Ein Wahnsinnsalbum!

missplatnumDann entdeckte ich durch Zufall die Musik von Miss Platnum, der aus Timisoara, Rumänien, stammenden Neu-Berlinerin mit bürgerlichem Namen Ruth Maria Renner. Auf ihrem mittlerweile dritten Album "The Sweetest Hangover" vereint sie Balkanklänge mit aktueller Popmusik und R'n'B, überzeugt dabei mit einer schönen Stimme, hörenswerten Texten und perfekt arrangierten Melodien, die einen kruden Mix aus irgendwie allen möglichen Instrumenten beinhalten. Schon Seeed und Peter Fox solo haben mit ihr zusammengearbeitet, das passt auch ganz gut, da es den Künstlern generell um die Verschmelzung unterschiedlicher Musikstile geht. "I'm broke" z.B. könnte auch locker auf eine Seeed-Platte passen, ob es daran liegt, dass sie sich deren Cold Steel-Drummer ausgeliehen hat? Und die Berlinerin hat sich nicht nur  Balkan-Trompeter an die Seite geholt, sondern versüßt auch mit Punjab-Anleihen in "Bollywood Movie" das Gehör, während die veritable Hitsingle "She moved in" jedem R'n'B Künstler gut zu Gesicht stünde.
Nicht jeder Song auf "Sweetest Hangover" ist große Kunst, aber dass Miss Platnum es schafft, nicht mal ein Cover von Kate Bushs Klassiker "Babooshka" zu versauen, dafür muss man schon Respekt zollen. Ansonsten bietet sich das Album auch als Soundtrack zur nächsten Party an. Titel wie "Why did you do it", "Cumpletely Happy" oder dem herrlichen "Drink Sister Drink" sind richtige Spaßsongs und natürlich tanzbar. "Where did you go boy" besticht durch seinen "Mörder"text und den dramatisch rausgehauenen Refrain. Damit wären die Anspieltipps auch schon genannt, ein wirklich feines Popalbum!

Montag, 21. Dezember 2009

Rückblick 2009: August- Musik

Puh, der August hatte es musikalisch in sich. Dabei will ich gar nicht behaupten, dass die unten aufgeführten Alben zu den Besten überhaupt zählen, aber sie sind es in jedem Fall wert, erwähnt zu werden.

arctic monkeysDie Arctic Monkeys brachten mit "Humbug" ihr drittes Studioalbum heraus. Vorab war schon lang und breit zu lesen, dass Josh Homme sich den jungen Engländern angenommen und ihren Drittling produziert hat. Das hört man allerdings auch heraus - einige Stücke tragen einen Hauch QOTSA in sich (z.B. "My Propeller"), trotzdem blieben die Monkeys sich treu. Ich bin ehrlich: ihre letzten beiden Alben mag ich grundsätzlich lieber, finde sie tanzbarer und rockiger. So habe ich einige Hördurchläufe gebraucht, bis ich auch "Humbug" zu meinen Jahresfavoriten zählen konnte, welches eindeutig ruhiger daher kommt und oftmals mehr die Stimme von Alex Turner im Vordergrund steht, die ich bei früheren Songs eher als eine Art weiteres Instrument wahrgenommen habe. Außerdem lässt sich feststellen, dass Turners Songwriting sich noch weiter verbessert hat, weiterhin sind es Alltagsbeobachtungen mit einer unweigerlich komischen Note, so dass man häufig schmunzelt, wenn man den Texten lauscht, etwa bei "Cornerstone" - wenn der Ärmste in allen möglichen Frauen seine Verflossene zu sehen glaubt und eine Abfuhr erhält, wenn er das Mädchen fragt, ob er sie beim Namen seiner Ex ansprechen kann - und das ist nicht mal das beste Beispiel. Abgesehen davon finde ich immer noch, dass "Cornerstone" anfangs so klingt, als würde Robbie Williams singen. "Crying Lightning"  geht da schon ein bisschen mehr ab. "Dance Little Liar" beinhaltet wieder eine gesunde Portion Surfpop und schafft beim Zuhörer eine relaxte Spannung, da spürt man irgendwie den Sommerabend. "Dangerous Animals" ist eine perfekte Symbiose aus dem typischen Arctic Monkeys Klang plus Josh Homme Produktion, könnte mir vorstellen, dass so ein Titel es auch auf die Desert Sessions geschafft hätte, den Song mag ich richtig gerne. "Fire And The Thud" hat etwas tierisch Doors-mäßiges finde ich,  trotz der sperrigen Bridge ein sehr eingängiger Sound, der mich erst nach mehrmaligem Hören angesprochen hat. Ich mag Alex Turners sanften Gesang bei dem Titel. "Pretty Visitors" steht sehr in der Tradition von "Favorite Worst Nightmares" - ist vermutlich auch daher der Song, der mich zuallererst am meisten angesprochen hat und nach wie vor einer meiner absoluten Favoriten auf dem Album. "The Jeweller's Hands" wäre dann die Soundperle am Ende, wenn man an dem Punkt angelangt ist, dass man sich wünscht, da käme noch viel mehr. "Humbug" ist sicherlich mein Album des Monats.

mastersofreality
Chris Goss, Mastermind der Masters of Reality bringt alle paar Jahre ganz relaxt ein neues Album raus - und jedes Mal bin ich hin und weg, so auch bei "Pine/Cross Dover". Der Mann, der gerne als Urvater des Stonerrocks bezeichnet wird, hats einfach noch richtig drauf. Mit Musikern wie Dave Catching, John Leamy, Mark Christian und Brendan McNichol hat er ein ziemlich pumpendes, grooviges Album eingespielt, welches insbesondere in seinen Instrumental-Passagen überzeugt. Eigentlich etwas, worauf ich normalerweise gar nicht so stehe, hier aber echt auf den Geschmack gekommen bin. Gleich der Opener "King Richard TLH" macht Laune, treibende Gitarrenriffs, ein teilweise fast schon choralhafter Gesang, da kommt man gleich in die richtige Stimmung. Mit "Absinthe Jim and me" kommt dann ein Vertreter des Stonerrocks zu Gehör, in dem Goss einen mit seinem hypnotischen Gesang einlullt, da fühlt man sich ein bisschen wie ein potentielles Opfer der Schlange Ka. Und irgendwie bekomme ich bei dem Titel so ein Livegefühl, kann mir vorstellen, wie das Stück live abgehen muss. "Worm in the Silk" fängt richtiggehend funkig an, geht in eine Art dub-bass über und klingt insgesamt eher experimentell - insbesondere das eingearbeitete Cover dieses Easy Listening-Titels ist der Hammer, passt so gar nicht und dann auch wieder doch. "Always" finde ich tatsächlich noch schwieriger, klingt mitunter völlig atonal - und trotzdem fesselnd. "Up in it" klingt genauso wie das was man von jemandem erwartet, der Kyuss und das erste QOTSA Album produziert hat. "Alfafa" - der Schlusstitel - ist dann ein gutes Beispiel dafür, wie gut instrumentale Rockmusik klingen kann und schlägt auch mit 12 Minuten üppig zu Buche, fast ein kleines Album für sich.  So gut wie "Deep in the Hole" - oder eher: so eingängig wie... - ist "Pine/Cross Dover" sicherlich nicht, aber es lohnt sich, reinzuhören.

juliette lewis

Juliette Lewis verabschiedete sich mit "Terra Incognita" plötzlich vom rotzigen Schweinerock ihrer früheren Alben (und von den Licks) und versuchte mal etwas anderes, experimenteller, sperriger, aber auch ausdrucksstärker und kraftvoller (mit den New Romantics). Sie dehnt ihre Stimme in alle Richtungen, so dass man sich manchmal an Patti Smith und dann wieder an PJ Harvey erinnert fühlt. Da gefällt sicherlich nicht jeder Song, aber der Opener "Noche Sin Fin" ist schon ziemlich besonders und gelungen, und vor allem sehr gefühlvoll. "Hard Lovin' Woman" hätte auch einer Janis Joplin gut zu Gesicht gestanden, und Lewis macht da stimmlich das Allerbeste draus. Sie singt einfach glaubwürdig. "Fantasy Bar" ist eine Uptempo Rocknummer, die ich mir als Single auch gut vorstellen könnte. "Romeo" fängt etwas sphärisch an, und ab der Mitte denke ich irgendwie immer an den großartigen Kathyrn Bigelow Film "Strange Days" und könnte mir den Titel noch im Nachhinein als Teil des Soundtracks vorstellen. Bei diesem Film ist mir damals auch das erste Mal Juliette Lewis Gesang aufgefallen, mit dem sie auch bei "All is for good" punkten kann. Spätestens bei dem Titel hab ich nachgeschaut, wer das Album produziert hat und wunderte mich dann auch nicht mehr, als ich den Namen Omar Rodriguez-Lopez las. Ohne Frage hört man die Handschrift des The Mars Volta-Masterminds heraus. Ich finde nach diesem Album kann man nicht mehr verleugnen, dass Miss Lewis eine verdammt talentierte Musikerin ist, auch wenn oder weil "Terra Incognita" sicherlich keine leichte Kost ist.

jandelayJan Delay veröffentlichte mit "Wir Kinder vom Bahnhof Soul" sein zweites Soloalbum. Auch wenn ich seine näselnde, nölige Stimme bisweilen schwierig finde - der Mann hat ohne Frage den Soul im Blut. Seine Vorbilder sind klar herauszuhören, doch nie wirken seine Titel wie die Kopien eines blassen Nordlichts, welcher mal "funky" sein möchte. Titel wie "Oh Jonny", "Überdosis Fremdscham" oder "Abschlussball" (mit herrlichem Falco-Sample) gehen einfach in die Beine. "Hoffnung" könnte eine wirklich wunderschöne Ballade sein, leider ist gerade bei diesem Titel Jan Delays Stimme im Weg und man wünscht ihm eine Polypen-OP. Das ist gemein, ich weiß, aber ich finds halt schade, weil an dem Song sonst alles stimmt: Text, Melodie und Stimmung. "B-Boys & Disko-Girls" gehört ohne Frage zu meinen Lieblingstiteln auf dem Album.
Delay orientiert sich insbesondere an den Soul der 70er Jahre, tanzbar, spaßig und musikalisch raffiniert. Da können sich einige der jetzigen US-Soul"Stars" ein Scheibchen von abschneiden.

finefrenzyAußer den oben beschriebenen Platten brachte auch A Fine Frenzy mit "Bomb In A Birdcage" ihren Nachfolger raus, der erneut mit schönen folkpoppigen Melodien glänzt und von der Stimme Alison Sudols profitiert, die ihre Titel sehr einfühlsam interpretiert und somit für wohlige Stimmung beim Zuhörer sorgt. Anspieltipps: "New Heights", "Electric Twist" und "Elements". Als jahrelanger Hörer von Emilliana Torrini finde ich ja deren diesjähriges Album relativ schwach und stelle fest, dass A FineFrenzy momentan die bessere Alternative für zauberhaften Frauenpop ist.






In Sachen Musik also ein abwechslungsreicher Monat!

O.Children - Dead Disco Dancer...

Noch so ein Titel, der in diesem Jahr komplett an mir vorbeigegangen ist, dabei ist der so cool. Diese Stimme von Sänger Tobias O'Kandi ist der absolute Hammer. Bis jetzt scheint noch kein Album dieser britisch-französischen Formation draußen zu sein, aber danach werde ich wohl Ausschau halten.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Rückblick 2009: Juli - Musik

Hier der zweite Teil des Juli Rückblicks, in dem es hauptsächlich um Musik geht.

Michael Jackson beherrschte immer noch die Medien, unveröffentlichte Songs tauchten auf, ein angeblicher weiterer Sohn. Wer weiß, was uns da noch alles blüht. In 20 Jahren lese ich die Autobiografie von Prince Michael. Den Sorgerechtsprozess gewinnt im Übrigen die Oma.
Nach der erneuten Pleite in Sachen Eurovision Song Contest und anfänglichen Überlegungen, künftig in Kooperation mit Stefan Raab nach dem nächsten Teilnehmersong zu suchen, bestätigten sich diese im Juli. Noch war unklar, wie genau man die Sache angehen und planen wollte. Klar war nur, dass ARD und Pro7 kooperieren - ein Novum der deutschen Fernsehgeschichte.
Ich glaube im Juli wars, als ich mich endgültig mit dem Phänomen Lady GaGa beschäftigt habe, die ich anfangs als "nur eine weitere Hupfdohle" mit provokativen Outfits und elektronisch nachgebesserter Stimme gehalten habe. Dann sah ich auf YouTube einen Live-Auftritt von ihr und musste eingestehen: die Frau hat eine geile Stimme. Danach achtete ich mehr auf ihre Texte und wurde dann angefixt von ihrer Konsequenz, was ihr Auftreten anbetrifft. Ihr Debütalbum besitze ich mittlerweile - und wenn auch nicht jeder Song meinen Geschmack trifft, sehe ich es allmählich zwingend an der Zeit, dass Madonna sich leise als Korsagentragende Möchtegern-Provokation von der Bildfläche verabschiedet, zumal ihre Musik immer beliebiger wird, und Lady GaGa künftig das Zepter der Pop-Queen schwingt.
Im Juli gab es zwei CD-Veröffentlichungen, die es mir besonders angetan haben:

billytalentLustigerweise also das dritte Album von Billy Talent. Die kanadische Band hat mich zuvor nicht besonders begeistert oder interessiert, die Songs fand ich eher anstrengend. Entweder hat sich in der Zwischenzeit mein Musikempfinden geändert, oder die Titel sind tatsächlich besser geworden. Denn nach The Gossips "Music For Men" ist "Billy Talent III" die zweite Scheibe, die mir von Anfang bis Ende gefällt, ohne dass ich zwischendurch entnervt weiterskippe. Nach wie vor sind mir die Billys einen kleinen Tick zu dramatisch, man hat bei jedem zweiten Song das Gefühl, es ginge in den Liedern um Leben und Tod, Pathos, große Gefühle - ein bisschen musicalesque (gibts das Wort?) bisweilen. Zudem finde ich die Stimme von Sänger Benjamin Kowalewicz ebenfalls gewöhnungsbedürftig. Ich schrieb an anderer Stelle bereits, dass man bei ihm das Gefühl hat, er würde sich vorher ne Dröhnung Helium reinziehen, besonders live (dazu im November-Rückblick mehr) klingt er wie ein Schlumpf. Aber trotzdem ist dieses dritte Album richtig klasse, macht Spaß und rockt. Und müsste ich meine Lieblingstitel aufzählen, würde ich locker die halbe Tracklist benennen. Sicherlich ist "Saint Veronica" einer meiner Favoriten, extrem dramatisch aufgepeitschte Strophen und im letzten Drittel eine schöne Gitarren-Kreisch-Kombination. "Devil On My Shoulder" und "Tears Into Wine" sind gute uptempo Mitsing-Songs, und "Diamond On A Landmine" hat einen tollen Refrain, der mich an einen anderen Titel erinnert, welcher mir natürlich nicht mehr einfällt. Klingt auf jeden Fall irgendwie bekannt. "White Sparrows" war eigentlich der Grund für mich, die Platte zu kaufen, nur um dann zwischen den anderen Titeln unterzugehen. Wobei er allerdings - herausgelöst von der Tracklist - in meinen iPod Playlisten wieder funktioniert. Lediglich "Rusted From The Rain" finde ich mittlerweile langweilig. Nun bin ich auch nach Album III nicht unbedingt zum Billy Talent Hardcorefan geworden, aber auf 'nem guten Weg...

julian plentiIch bin erklärtermaßen ein Fan von Interpol. Ihre teils melancholischen, teils hoffnungsvollen Songs und ihre musikalischen Fähigkeiten bringen mich jedes Mal wieder zum Schwärmen. Paul Banks Stimme, mit hohem Wiedererkennungswert gesegnet, tut da ihr Übriges. Und da wäre es doch dieses Jahr glatt komplett an mir vorbeigegangen, dass Banks unter dem Pseudonym Julian Plenti sein erstes Soloalbum veröffentlicht hat, ein Dank an dieser Stelle an meine freundliche Kollegin mit gutem Musikgeschmack. Beinahe hätte ich eines der schönsten Alben des Jahres verpasst. "Julian Plenti is Skyscraper" ist eine vornehmlich ruhige Platte, der sonore Bariton von Banks und seine Klangwelten versetzen mich sofort in eine entspannte Stimmung. Natürlich können Ähnlichkeiten mit Interpols Sound nicht vermieden werden, aber man merkt schon sehr, dass es ein persönliches Album ist. Vielleicht sogar ein wenig unnahbar und kryptisch, er lässt den Zuhörer eher beiläufig an seinem Gefühlsleben teilhaben, wie ein halblautes Flüstern, dass man nur teilweise versteht. Insofern ist "...Skyscraper" unbedingt Musik zum konzentrierten Anhören, nichts für nebenbei oder als Hintergrundrauschen, man muss sich schon auf die Titel und die damit vorgeschriebene Ruhe einlassen können. Dann erlebt man mit "Girl On The Sporting News", "Games For Days", "Unwind" oder dem an Simon & Garfunkel erinnernden "On The Esplanade" einige echte Song- und Soundperlen!