Sonntag, 1. Juli 2012

Metric (Support: Darkness Falls), 26.06.2012, Postbahnhof Berlin

SAM_0030Am vergangenen Dienstag gab es wieder Musik für Augen und Ohren. Metric spielten live im niedlichen Postbahnhof (ich mag den einfach). Obwohl es die Band seit mittlerweile 10 Jahren gibt und sie es einschließlich des diesjährigen "Synthetica" auf immerhin fünf Alben gebracht haben, brauchte es erst Edgar Wrights "Scott Pilgrim vs the World" und dessen Soundtrack, dass sie mir das erste Mal auffielen. Der Song "Black Sheep" gehört seit dem wohl zu den meistgespielten Titeln auf meinem iPod. Das neue Album gefällt ebenfalls, also war der Besuch des Konzerts eine logische Konsequenz (außerdem war Jack White im Tempodrom bereits ausverkauft *lach*).

Zunächst wollte uns das Trio Darkness Falls das Warten auf den DarknessFalls_01Hauptact versüßen. Ihr Sound liegt irgendwo zwischen Twin Peaks und Warpaint, die Sängerin hat eine ausdrucksstarke Stimme, die von den 80er Jahre Schulterpolstern ablenkte, die Gitarristin wirkte noch etwas ungelenk, und zum Bassisten fällt mir irgendwie nur "niedlich" ein. Ich weiß nicht, vielleicht lags daran, dass die Drums vom Band kamen, so auf Dauer hat mich ihr Set nicht angesprochen. Ein, zwei interessante Songs waren dabei, beispielsweise "Timeline", den man sich hier live angucken kann, im Grunde aber alles etwas depressiv.

Metric dagegen konnten mit Lebendigkeit punkten. Und vor allem mit Spielfreude. Die kleine Bühne des Postbahnhofs wurde perfekt von der sympathischen Sängerin Emily Haines ausgenutzt, bei der ich manchmal, wenn sie vor den Keyboards stand, ein wenig an Dave Grohl denken musste *lach*, aber die Assoziation müsst ihr jetzt nicht verstehen.
Ansonsten hat sie so eine süße, mädchenhafe Livestimme, die einen besonders guten Gegensatz zu dem wummernden Bass und der wirklich guten Arbeit von Schlagzeuger Joules Scott-Key bietet. Passt live einfach alles perfekt zusammen.
Die Stimmung im Publikum war ebenfalls sehr gut, und das launige, dynamische Set (eine Setlist kann ich leider nicht bieten, viel vom neuen Album) machte Lust auf mehr. In einer größeren Halle könnte ich sie mir irgendwie nicht so gut vorstellen, die Musik scheint vielmehr für einen intimeren Rahmen gemacht zu sein, und sollten sie sich in nächster Zeit wieder nach Berlin verirren, bin ich gerne nochmal dabei.

Kleine Anekdote vielleicht noch am Rande: Ich scheine einen der Security-Leute etwas irritiert zu haben. Als der meine Handtasche durchwühlte und mit Allergiker-Standardgepäck wie Nasen- und Asthmaspray nichts anfangen konnte und ich ihm erstmal erklären musste, was das ist und warum ich das mit in die Halle nehmen muss (komisch, das hat bisher noch nie jemanden interessiert), machte der sich richtig Sorgen um mich, man stelle sich im Berliner Dialekt, den ich nicht nachmachen kann, vor wie er sagt "aber um Gottes Willen verlier das Zeug da drin nicht, Mädchen", später als er in den Bühnengraben wechselte, machten wir noch Witze drüber. Nett.

Hier ein wie üblich verwackeltes Live-Video von "Youth Without Youth".

Sonntag, 3. Juni 2012

Die Ärzte (Support: K.I.Z.), 01.06.2012, Wuhlheide, Berlin

SAM_0013So, nicht nur, dass ich momentan wenig Zeit zum Schreiben hab, jetzt hab ich mir auch noch ne Entzündung im rechten Handgelenk zugezogen und versuche nun, ein paar Worte zum Die Ärzte Konzert vom Freitag mit einer Hand in die Tasten zu hauen. Kein Mitleid, bitte *lach*, ich wollte nur vorwarnen, dass sich hier vermutlich Tippfehler einschleichen werden...

Tja, Die Ärzte. Das ist ja bei mir so eine Geschichte für sich. Seit frühester Jugend hat mich ihre Musik begleitet, in den letzten zwanzig Jahren hab ich vermutlich 8 oder 9 Konzerte von ihnen gesehen (glaube ich... oder mehr?), einige davon sogar hier im Blog besprochen. Auch wenn meine Fanliebe aufgrund der beiden letzten eher schwächeren Alben "Jazz ist anders" und jetzt "Auch" zwischenzeitlich etwas abgekühlt ist, und ich nicht mehr jeden Song vorbehaltlos zum Favoriten küre (oder im Vergleich zur Band vielleicht doch langsam erwachsen werde), bleibt ihnen meine Sympathie natürlich erhalten. Aber auch eine Frau Flinkwert ist mal nicht flüssig, und als Die Ärzte Tickets für diesen Sommer in den Verkauf gingen, redete ich mir das schön mit "Man kann ja auch mal aussetzen" *lach*.
Aber die liebe CharlesDexterWard hat ein Herz für Die Ärzte-Fans. Gewann mal eben so nebenei beim tip-Stadtmagazin zwei Tickets für den 01. Juni und verschenkte sie :) So gings dann Freitag für meine Schwester und mich in die Wuhlheide, ganz gemütlich diesmal nicht im Pulk vorne vor der Bühne, sondern auf den Rängen mit nem guten Überblick und mit netten Menschen um uns herum.
Der Die Ärzte-Fan an sich ist ja sowieso recht zutraulich (bis auf diese beiden Alkies, die zunächst hinter uns saßen, sich dann aber einen anderen Platz suchten).

Die Wuhlheide war natürlich ausverkauft, wir kamen diesmal nicht ganz so früh dort an, aber bekamen trotzdem gute Plätze. Und um ca. 19.30 Uhr eröffneten der Hip Hop Vierer K.I.Z. den Abend - wie immer wurde der Support freundlich von Rod anmoderiert, und Bela ließ sich während des Sets auf der Bühne blicken, um mit den sympathischen Jungs zu performen. Ich bin nun nicht so der Hip Hop Fan, aber in ihrem Sound haben sie genug Rock- und Punkgehabe, dass ihr Auftritt echt Spaß machte, sie nehmen halt auch nicht alles so bierernst, und ein-zwei Songs haben mir richtig gut gefallen.

Nach einer relativ kurzen Umbaupause eröffneten Die Ärzte ihr Set gleich mit drei Songs ihres neuen Albums - "Ist das noch Punkrock?", "Bettmagnet" und "Tamagotchi" - wobei ich mich insbesondere bei letzterem gefragt habe, ob die Teeniefans vorne in der ersten Reihe überhaupt noch wissen, was ein Tamagotchi ist, ach, und sorry, aber Rods Liedern haftet immer so etwas Schlagermäßiges an. Mit den neuen Titeln anzufangen war insofern clever, als dass sie auch "Alle meine Entchen" hätten spielen können, zu Anfang wird jeder Song tierisch abgefeiert. Bei mir bleibt es dabei, ich kann den aktuellen Titeln wenig abgewinnen, aber das machte im Laufe des Abends nichts, da sich die Setlist sowieso eher wie ein Best of liest. Naja, wobei so ganz stimmt das nicht. Bei den immerhin 36 Titeln hatte fast das komplette neue Album Platz, nur hat man es nicht so wahrgenommen, zumal die Stimmung gerade bei den Gassenhauern natürlich immer am besten war. Überhaupt finde ich, dass ich die Berliner Fans auch schon mal frenetischer erlebt habe, kann aber auch daran liegen, dass ich normalerweise mitten im Trubel zu finden bin und nun auf dem Rang ne andere Distanz hatte. Dafür kriegten die Oberhausener Fans von der Band nachträglich ihr Fett weg, die wohl zumindest einige Tage früher angeblich etwas länger zum warmwerden gebraucht hätten... Grundsätzlich war die Stimmung natürlich sehr gut, das Wetter spielte mit (noch ein Regenabend wie bei Soundgarden zuvor hätte wohl auch meiner Gesundheit nicht so gut getan), und die Band war spielfreudig wie eh und je und zog natürlich ihre drei Stunden durch.

Wenn ich anderen erklären muss, was mich an den Konzerten so reizt, sag ich immer: das ist weniger ein Rockkonzert als ein Comedyabend mit tollen Musikeinlagen. BelaFarinRod machen einfach Spaß, über die Frotzeleien zwischen ihnen kann man auch nach Jahren  noch lachen und sich überraschen lassen, was ihnen als nächstes einfällt. Und Songs wie "Schrei nach Liebe", "Rebell", "Unrockbar", "Westerland" oder "Zu spät" - um nur einige zu nennen - sind einfach geniale Klassiker, die trotz mancher Albernheit wirklich zeitlos sind und daher immer wieder gerner gehört werden.FarinUrlaub
Ne Bühnenshow gibt es nach wie vor nicht, Farin steht immer noch wie angewurzelt auf der Bühne, Bela läuft hin und wieder mal swingend um die Drums herum, und Rod post ein bisschen auf der anderen Seite *lach*, da darf man halt nix anderes erwarten. Dafür hat mir die Lösung mit den Leinwanden und die effektiv - weil nicht übertrieben - eingesetzte Lightshow sehr gut gefallen.

Alles in allem wieder ein sehr schöner Abend mit der selbsternannten besten Band der Welt.

Die Setlist gibt auf setlist.fm. Und wer mag, kann das Video unten anklicken für ein bisschen Liveatmosphäre, wie immer schön verwackelt, ich muss meinem Stil ja treu bleiben...

Freitag, 1. Juni 2012

Soundgarden (Support: The Gaslight Anthem), 31.05.2012, Zitadelle,Berlin

Völlig überraschend ging es gestern für mich in die Zitadelle Spandau zum Soundgarden Konzert. Überraschend deshalb, weil eine liebe Kollegin und ehemalige Blogfreundin (die leider leider ihren schönen Blog nicht mehr führt) an zwei Freikarten gekommen ist und mich mitgenommen hat.

Obwohl ich Soundgarden damals eine ganze Zeit lang mochte, wäre ich jetzt nicht bereit gewesen, etwas über 50€ fürs Ticket auszugeben, insofern hat sich das dann gestern super gefügt. Und im Laufe des Abends musste ich daran denken, wie sich manchmal so ein Kreis schließt: Vor fast genau zwanzig Jahren bin ich das erste Mal auf Soundgarden aufmerksam geworden. Damals, am 26.05.1992, spielten sie gemeinsam mit Faith No More als Support für Guns 'n' Roses im Berliner Olympiastadion. Eines der besten Konzerte, die ich in Erinnerung habe. Ich weiß noch, dass ich damals dachte - die sind irgendwie gut, und seltsam, aber auch gut. Und wenig später lief "Badmotorfinger" bei mir auf und ab *lach*. Und jetzt zwanzig Jahre später feiert man ihre Reunion. Komisch irgendwie.
Das gestrige Soundgarden Konzert war zugleich die Eröffnung der Open Air Saison der Zitadelle Spandau, schade, dass es wettertechnisch buchstäblich ins Wasser fiel. Bin heute Nacht wirklich völlig verfroren und klatschnass nach Hause gekommen und wundere mich fast, dass ich heute nicht völlig in den Seilen hänge.

Aber zum Konzert:
Um 19.00 Uhr begannen The Gaslight Anthem ihr Support Set. Ich konnte sie nicht sofort einordnen, aber die drei Hardcore Fans neben uns klärten uns dann auch auf, wer da auf der Bühne steht (so ist das, wenn man völlig uninformiert ins Konzert geht...). Hat mir gefallen, würde es eher so als Radiorockmucke einordnen, wenig Highlights, sondern eher konstant okay. Aber sie haben gute Stimmung gemacht und dafür gesorgt, dass man dem bis dato Nieselregen noch trotzig die Nase entgegenstreckte.
In der Umbaupause wurde der Regen heftiger, und auch während des kompletten Soundgarden Gigs gab es leider keine Erholung. Kleidungstechnisch nicht auf den Abend eingerichtet, fand ich das Wetter schon ziemlich fordernd, meine Begleiterin war diesbezüglich deutlich härter im Nehmen, ich hab die letzte halbe Stunde des Abends dann doch bibbernd unterm Schirm eines der Bierzelte verbracht und meine Jacke ausgewrungen *lach*.

Soundgarden eröffneten ihr Set mit "Searching With My Good Eye Closed" und legten mit "Spoonman" schön brachial nach. Eine abwechslungsreiche Setlist mit neuen Songs und nem Best of der alten Sachen sorgte dafür, dass es nicht langweilig wurde. Älter sind sie geworden, das lässt sich nicht übersehen, aber spieltechnisch haben sie es noch voll drauf, und Chris Cornells Stimme ist immer noch der Überhammer, unglaublich, wo der die Töne hervorkramt, ohne einmal Luft zu holen. Fast zwei Stunden haben sie gespielt, und ich denke, die Hardcorefans - zu denen ich mich nicht zähle - waren sicherlich sehr angetan.
Wirklich beschweren kann ich mich über das Konzert auch nicht, mir wars nur einfach zu professionell abgespult. Also da gibts einfach wenig, was sich zu berichten lohnt, keine wirklichen Highlights, nichts woran man sich später noch großartig erinnern wird, um nicht zu sagen, dass ich bis morgen alles schon vergessen haben werde.
Mir war das alles einfach viel zu bierernst, Rock macht mir immer dann am meisten Freude, wenn auch eine Spur Ironie darin zu finden ist. Zumindest sollte die Band auch ein bisschen Spaß am Spielen haben, das empfand ich gestern nicht so. Aufgefallen  ist mir, dass es zwischen den Bandmitgliedern kaum Interaktionen gab. Jeder spielte so vor sich hin auf seinem angestammten Platz, lediglich Cornell bewegte sich über die Bühne, und das, was man sonst von anderen Bands kennt, dass man sich mal gegenseitig anlächelt, mal rumfrotzelt, sich abspricht oder so, fehlte irgendwie, was den Eindruck eines perfekt durchgeplanten Abends nur verstärkte.

Insofern: ich fands nett, aber müsste das nicht ein zweites Mal haben, und das liegt nicht am Wetter. Im Übrigen sind ne ganze Menge Leute schon recht früh gegangen, das habe ich dann von meiner kleinen Trockenstelle, an der ich die letzte halbe Stunde verbracht habe, beobachten können (durchaus regenbejackte und somit trockene Besucher).

Hier gehts zu den Setlisten: The Gaslight Anthem / Soundgarden
Und hier ein Video von gestern Abend zu "Spoonman" (nicht von mir, ich war ja wie gesagt schlecht ausgerüstet *lach*)

Samstag, 26. Mai 2012

Eurovision Song Contest 2012 - Liveticker

Diesmal bin ich null vorinformiert, die Halbfinales habe ich mir überhaupt nicht gegeben, den deutschen Beitrag finde ich sowieso völlig langweilig, insofern lass ich mich überraschen, was die anderen zu bieten haben.
Die Showeröffnung mit diesen Hampelmännern erinnert mich an große 80er Jahre Shows mit Fernsehballett. Das ist nicht mein Ding. Ah okay, weitere Tänzer und Trommer, man versucht halt Folklore mit Dance Elementen zu verbinden. Mir gefällt die Folkore besser. Ich hab irgendwo gelesen, dass sich die Organisatoren von Baku Hilfe aus Deutschland holten, insofern finden sich im Bühnenaufbau Ähnlichkeiten zu Düsseldorf letztes Jahr. Warum auch nicht? Das war ja schon ziemlich klasse, was man damals auf die Beine gestellt hat.
Ach herrjeh, und natürlich muss man sich diesen Kaufhaussong, der im letzten Jahr gewonnen hat, auch nochmal antun. Gähn. Da ist man ja schon eingeschlafen, bevor der Wettbewerb richtig angefangen hat.
Zwei hübsche Damen in Weiß moderieren, ich hab ihre Namen vergessen. Oh, jetzt kommt noch ein weißgewandeter Herr dazu, Eldar - ein Elb? *lach* Dankenswerterweise kommentiert das Urgestein Peter Urban wieder für uns deutsche Zuschauer.
Nun nachfolgend meine persönlichen Kommentare zu den einzelnen Songs, wie immer höchst subjektiv und frei von political correctness.

Großbritannien, Engelbert Humperdinck mit "Love Will Set You Free"
-> Der alte Schmalzer will es noch mal wissen, mit Mitte 70, geliftet und mit deutlich weniger Haaren und minimalistischer Bühnenshow singt er eine Ballade, die klingt, als sei sie aus nem 08/15 Musical geklaut. Oh nein, furchtbar. Wie bitte, Peter Urban, super gesungen? Ähm nein.

Ungarn, Compact Disco mit "Sound Of Our Hearts"
-> Peter Urban erkennt hier Depeche Mode wieder, hm, wegen dem Synthesizer? Recht altmodischer Song, den auch Roxette vor 20 Jahren hätten komponieren können. Gibt aber Schlimmeres.

Albanien, Rona Nishliu mit "Suus"
-> Ein Klagelied. Oh je. Die Dame hat lustige Haare und ein furchtbares Kleid an (Klingonische Galauniform?), der aufs Dekolltee geklebte Zopf ist eklig, und irgendwie erinnert sie an Björk, nur im Gesang etwas melodischer. Der Song gewinnt mit der Zeit, auf jeden Fall ist die Frau extrem gut bei Stimme.

Litauen, Donny Montell mit "Love Is Blind"
-> Beginnt wie ein 70er Disco-Song, irgendwie warte ich, dass es gleich losgeht mit dem Beat. Warum hat der ne Augenbinde, hab ich was verpasst? Schöne Stimme aber. Ah, jetzt kommt der Rhythmus, total altmodisch, Disco-Fox wir kommen *lach*. Zeitreise in die 70er, lustig irgendwie, und der Bengel ist noch so jung. Nette Show aber dahinten auf dem riesigen Screen.

Bosnien-Herzegowina, Maya Sar mit "Korake ti znam"
-> Katja Ebstein in jung mit ebenfalls klingonischen Schulterpolstern am Klavier. Aber klare, schöne Stimme, macht die ansonsten langweilige Ballade aber auch nicht spannender.


Russland, Buranowski Babuschki mit "Party For Everybody!"
-> Ah, jetzt kommen die Plätzchen backenden russischen Omas. Die sind so schräg, dass man sie irgendwie mögen muss in ihren Folklorekleidchen. Man fühlt sich irgendwie wie im falschen Film, und der Song ist auch schrecklich, aber die Omis sind halt irgendwie süß..


Island, Greta Salome & Jónsi "Mundu Eftir Mér"
-> Oh Gott, wenn Peter Urband schon was von Mystik faselt. Ja, ich ahnte es. Dann lieber Enya *lach*. Wasserstoffblonde Sängerin im Ballkleid und Partner mit ja geradezu "verwegener" Frisur machen einen auf Iren. Peter Urban findet's toll, ich nicht.


Zypern, Ivi Adamou mit "La La Love"
-> Ach du je. DA fällt mir echt gar nichts mehr zu ein. Stampfbeat mit Hupfdohlen, Eurodancetrash. Übelst. La la la la lalalala Love. Wahnsinn.Vor Schreck ist mir gerade meine Wohnzimmerglühbirne durchgebrannt, kein Witz.


Frankreich, Anggun mit "Echo (You And I)"
-> Okay, die Dame ist also keine Unbekannte, wie Urban uns aufklärt. Sie hat komische Sportler auf der Bühne, die in Trainingshosen Salti schlagen. Hm. Hat sie das mit der Eröffnung der Olympischen Spielen verwechselt. Der Titel ist übrigens schlecht, ihr Kleid fast durchsichtig, obs das aber rausreißt? Also eigentlich hat ihr Jean Paul Gaultier nur eine Korsage geschneidert und hatte noch etwas transparenten Stoff übrig, mit dem die Windmaschinen frech spielen. Song übrigens auch Eurodancetrash.


Italien, Nina Zilli mit "L'Amore È Femmina (Out Of Love)"
-> Oh, ENDLICH ein Song, bei dem man nicht sofort wegschalten möchte. Ein bisschen Amy, ein bisschen 40er Swing, klasse! Und richtig hübsch ist die Dame auch, aber keine Barbie, tolle Stimme, sexy.


Estland, Ott Lepland mit "Kuula"
-> Also ich könnte schwören, dass ich diesen Song in verschiedenen Sprachen schon zigmal bei unzähligen ESCs gehört habe. Typische Ballade, aber sehr gefühlvoll vorgetragen. Könnte auch aus Malta stammen *lach*. Tierisch dramatisch, für mich etwas too much.


Norwegen, Tooji mit "Stay"
-> 1. ist der Typ scheiße angezogen, 2. hätt ich schwören können, dass der griechische Beitrag wäre, die kommen immer mit solchen totalen Dance-Geschichten. Tooji ist eigentlich Iraner, erklärt Urban. Ich meine gut, wer's mag, ich hab schon Schlimmeres gesehen und gehört, typischer Radiodancesong.


Fast Halbzeit, 12 Songs sind schon geschafft, nur einer - aus Italien - dabei, den ich gerne auf den vorderen Plätzen sehen würde.


Aserbaidschan, Sabina Babayeva mit "When The Music Dies"
-> Deutlich schöner als der aserbaidschanische Siegersong aus dem letzten Jahr. Sehr schöne Stimme, dramatische Ballade und ein Special Effects Kleid. Gute Popballade, darf auch nach vorne.


Rumänien, Mandinga mit "Zaleilah"
-> Kubanische Beats und hauptsächlich spanischer gesungener Song aus Rumänien, sagt Urban. Hat man auch nicht alle Tage. Oh je, aber nein, das ist doch irgendwie Plastikpoplambada. Geht gar nicht! Aber nun, besoffene Ballermann Touristen mögen's.


Dänemark, Soluna Samay mit "Should've Known Better"
-> Die Klamotten sind vermutlich ein Statement "ich mach diesen Hupfdohlenquark nicht mit", okay, wäre aber auch ohne Sgt Pepper Look gegangen. Song ist okay, Singer/Songwriter Stuff mit Avril Lavigne Einschlag.


Griechenland, Eleftheria Eleftheriou mit ""Aphrodisiac"
-> Typischer Beitrag aus Griechenland. Leichtbekleidete dünnstimmige Hupfdohle (diesmal wieder weiblich) hüpft angespornt von den Windmaschinen über die Bühne. "You make me dance like a manic, you make me want your aphrodisiac" - dem  kann man nichts mehr hinzufügen. Aber die haben auch eh kein Geld, um im nächsten Jahr den ESC auszurichten *hüstel*.


Schweden, Loreen mit "Euphoria"
-> Schweden wird wie immer als Favorit gehandelt. Ich würde mich weigern, von diesen Windmaschinen angepustet zu werden, die kommen da doch alle mit ner Bindehautentzündung raus *lach*. Warum kneift die sich in die Brüste??? Loreen ist aber auch selbst ein Wirbelwind, macht irgendwie Spaß, ihr zuzusehen. Der Song hat David Guetta Clubtauglichkeit. Nicht mein Geschmack, aber okay. Haha, meine Schwester fühlt sich bei ihrem Tanzstil an Jackie Chans betrunkenem Affen-Kampfstil erinnert. Ja. Stimmt.


Türkei, Can Bonomo mit "Love Me Back"
-> Ein Seefahrerlied?? Sagt zumindest Urban. Normalerweise mag ich die türkischen Beiträge. Auf der Bühne siehts auch nett aus, und ach, ich mag halt diese türkischen Folkloreklänge. Leider kann der Bengel nicht singen und die tanzenden Fledermäuse im Hintergrund find ich auch etwas seltsam. Ah, jetzt stellen sie gemeinsam ein Boot dar. Das ist so schräg, dass es mir fast wieder gefällt.


Spanien, Pastora Soler mit "Quédate Conmigo"
-> Wow, sehr sehr schöne Stimme dieser Flamencosängerin. Schade, dass sie immer so böse guckt. Dramatische Ballade, in der der Refrain doch ein bisschen zu häufig wiederholt wird, wollte man die 3 Min voll kriegen? Aber Hammerstimme!


Deutschland, Roman Lob mit "Standing Still"
-> Nimm mal die Scheißwollmütze ab. Echt, muss das denn sein? *nerv*. Langweiliger Tralala Popsong, aber das wusste ich ja vorher. Immerhin aber sicher, sympathisch und gut vorgetragen. Vielleicht nutzt der Bambiblick ja was.


Malta, Kurt Calleja mit "This Is The Night"
-> Und wieder Eurodancetrash. Bin immer wieder überrascht (jedes Jahr beim ESC), wie viel man diesen 08/15 Beat immer noch einsetzt. Ah, minimalistische Choreographie *lach*. Ist das ne Band oder sind das Tänzer mit Instrumenten? Sehne mich gerade zurück in Ray's Guesthouse mit Triggerfinger... Mieser Song, richtig mies!!!


Oh Mensch, da fällt mir mein Prosecco ein. Guter Zeitpunkt für Alkohol...


Mazedonien, Kaliopi mit "Crno I Belo"
-> Also die Frauen haben diesmal (mit ein, zwei Ausnahmen) deutlich die besten Stimmen. Gefällt mir der Song, insbesondere wegen des rockigen Teils. Kann man sich anhören, bitte auch auf die vorderen Plätze (hinter Italien, Aserbaidschan und so).


Irland, Jedward mit "Waterline"
-> Ach, die ADHS Zwillinge mag ich irgendwie, die haben immer noch Welpenschutz. Singen können sie aber immer noch nicht, und der Titel diesmal ist schwächer als letztes Jahr. Das Partyfeeling fehlt, da fallen dann die schlechten Stimmen auch deutlicher auf...


Serbien, Zeljko Joksimovic mit "Nije Ljubav Stvar"
-> Ah, Serbien kommt häufig mit Drama, und meisten gefallen mir die melancholischen Titel auch. Nichts, was ich so im Radio hören wollte, aber schön.


Ukraine, Gaitana mit "Be My Guest"
-> Boah, schon so rein optisch weiß man nicht, wo man zuerst hingucken soll. Den furchtbaren Blumenkranz auf dem Kopf oder dieses Fransenkleid. Die Dame hat ne klasse Stimme, reiht sich aber in diese Dancemucke ein, allerdings um Welten besser als beispielsweise der griechische Beitrag. Wieder so ne David Guetta Nummer. Und sie mags bunt, wenn man sich die Bühne so betrachtet.


Moldau, Pasha Parferly mit "Lautar"
-> Deren Beiträge mochte ich in den letzten Jahren auch immer. Ah ein moldawischer Colin Farrell in seltzsamen Klamotten und mit bonbonbunten Tänzerinnen, haut mich diesmal nicht so um.


So, jetzt lehne ich mich zurück und warte ab, wie abgestimmt wird. Ich bin für Italien, Aserbaidschan, Mazedonien. Ansonsten meinetwegen noch Dänemark und Schweden.


Und so sehen die ersten 10 Plätze aus:
Schweden, Russland, Serbien, Aserbaidschan, Albanien, Estland, Türkei, Deutschland, Italien, Spanien.
Damit kann ich leben. Schade, dass Mazedonien nur auf dem 13. Platz gelandet ist, und meine Überraschung, dass Roman Lob es tatsächlich in die Top Ten geschafft hat.


Die Veranstaltung war okay, schöne Halle, aber ziemlich blasse Moderatoren (gerade im Vergleich zum Vorjahr).
Geschafft. Freuen wir uns aufs nächste Jahr...

Ray's Guesthouse, 24.05.1012, Postbahnhof, Berlin

Zunächst: ich lebe noch. Aus Zeitnot bin ich gerade bei Facebook aktiver als hier, ich kanns momentan nicht ändern. Aber ein paar Worte zu einem fantastischen Donnerstag Abend muss ich natürlich loswerden.

Leute in meinem Alter können sich noch an glanzvolle MTV Zeiten erinnern, als der Sender auch bei uns noch in Englisch sendete und Leute vor der Kamera standen, die mehr waren als einfache Moderatoren.
Ray Cokes war so einer. Ob zunächst in "Ray's Request" oder im später ausschließlich auf ihn gemünzten "Most Wanted". Für mich war es damals tatsächlich Pflicht, am Montag Abend Ray Cokes einzuschalten, ganz gleich, was sonst in der Kiste lief.

Cokes war gleichermaßen Comedian, Fan, Musikjournalist, mir hat er überhaupt vernünftiges Englisch beigebracht (nach Schule und Ausbildung) und meinen Musikgeschmack erweitert. Bei ihm waren Superstars zu Gast und Künstler, die noch recht frisch und noch nicht im Mainstream angekommen waren. Und wenn er sich mit ihnen unterhalten hat, dann hat man wirklich etwas über die Leute erfahren oder sie in einer Art und Weise erlebt, wie man sie bisher nicht kannte - denn er war immer vorbereitet und konnte absolut jeder Situation durch seine Spontanität und Schlagfertigkeit etwas abgewinnen. Ray, Rob-The Kameran und Lovely Nina waren in den 90ern meine Helden dank "MTV's Most Wanted".

Als dann MTV Deutschland entstand und wir es mit diesen von Kärtchen ablesenden Hampelmännern zu tun bekamen (abgesehen von Christian Ulmen damals in "MTV's Hot"), war es für uns mit Ray Cokes vorbei.
Mittlerweile lebt Ray in Belgien und arbeitet - glaube ich - für einen französischen Sender, vom Hamburger Reeperbahn Festival gibt's seit 2009 die "Ray's Reeperbahn Revue" im Schmidt Theater.

Dieses Jahr hat er mehr oder minder in Eigenregie das "Ray's Guesthouse" auf die Beine gestellt, mit dem er in wenigen deutschen Städten auf Tour war. Sinn und Zweck der Übung ist es, neue Künstler vorzustellen, ein bisschen Personality Show und der Talk mit den musikalischen Gästen, alles in einem sehr familiären gemütlichen Rahmen, in dem die Künstler mitten im Publikum sitzen und Ray einfach auf seine typisch clowneske, hypersympathische Art das Publikum bei Laune hält. Ein Drehbuch gibts dabei nicht - bei Ray kann immer alles passieren.

Bei uns in Berlin waren folgende Acts zu Gast, die jeweils 2 Songs gespielt haben: Me and My Drummer, Admiral Black, Fiva und das Phantom Orchester, Plan B, Two Trick Pony und zuletzt die auf der gesamten Tour anwesenden Triggerfinger, die offenbar zu Rays Lieblingen gehören (kein Wunder) und gleich 3 Titel im Gepäck hatten.
Ich persönlich kannte keinen der erwähnten Künstler, bin aber von Me and My Drummer sehr begeistert gewesen, die Sängerin hat eine absolut fantastische Stimme, und bei den beiden Songs hatte ich richtig Gänsehaut. Fiva und ihr Phantom Orchester fand ich wahnsinnig charmant, und auch wenn ich nicht unbedingt auf diese Art Sprechgesang abfahre, die Songs haben gefallen. Fiva, die offenbar eigentlich Nina heißt, hat sich dann auch beworben, mit Ray an der Bingo Wall of Death (noch aus Most Wanted-Zeiten) zu spielen, um die 150 Euro zu gewinnen, über die sie sich am Ende dann auch tierisch gefreut hat. Tja. Brotlose Kunst, zumindest so lange man nur durch kleine Clubs tingelt.

Irritierend fand ich diesen hauchenden Iren Admiral Black, mittlerweile in Berlin lebend, den ich irgendwie überhaupt nicht ernst nehmen konnte. Plan B, die alten deutschen Punker, die nach 20 Jahren bei Ray nun ihren ersten öffentlichen Auftritt hatten und nun ihr Comeback feiern, waren zwar sehr sympathisch und insbesondere der Sänger im Talk mit Ray sehr mitteilsam (und der Bassist rockte auf der Bühne so herrlich asynchron zur Musik), aber musikalisch umgehauen hat mich das nicht.
Die dänische Frauencombo Two Trick Pony jedoch haben mir gut gefallen. Und die bekamen auch ein paar Sympathiepunkte mehr, weil sie gleich mit einer Gruppe von Hardcorefans aus Kopenhagen angereist sind, die dann während der beiden Songs direkt vor der Bühne standen (während wir in unseren Stuhlreihen saßen) und ihre Band anfeuerten. Wer so liebenswerte Fans hat, muss irgendwas richtig machen.
In dem Zusammenhang muss man auch die beiden Dänen erwähnen, die während der zweiten Hälfte der Show die Bar auf der Bühne "bedient" haben. Wie schon ihre Vorgänger in der ersten Showhälfte wurden sie von Ray persönlich aus dem Publikum ausgewählt, durften umsonst trinken und sollten vornehmlich die Künstler bedienen. Während das erste Pärchen aber kaum auffiel und hauptsächlich selbst trank, waren die beiden Dänen regelrechte Akkordarbeiter, die dann auch irgendwann das ganze Publikum bedient haben, und besonders der junge Typ wurde mehr und mehr zu Robs Sidekick, hatte sichtlich Spaß auf der Bühne hinter der kleinen Bar und zog mit seiner entspanntend Partylaune alle Blicke auf sich. Das war so nett, dass man irgendwann vergaß, wo man sitzt, sondern sich wie im eigenen Wohnzimmer unter Freunden fühlte. Ich mag Dänen. So.

Den musikalischen Abschluss bildeten die belgischen Bluesrocker Triggerfinger. Und bei denen hat sich sofort mindestens der halbe Postbahnhof gefragt, wie man diese geniale Band bisher nicht wahrnehmen konnte. Der Sänger mit einer unglaublich tollen Stimme, mal rockig tief und rauh, mal soft und streichelnd wie Chris Isaacs. Nicht nur mich hat deren Auftritt total geflashed, Freitag früh wurde gleich iTunes geplündert und am Ende ihres Minisets gabs Standing Ovations.

Und Ray? Der machte zwischendurch das, was er am besten kann. Witzig und spontan sein, Interaktion mit dem Publikum, immer sympathisch und liebenswert. Immer noch der Alte - und am Ende des Abends wünschte man sich, man könnte sich wenigstens ein Mal im Moment bei Ray einfinden und seine Lieblingsmusik hören.
Sehr angenehm fand ich übrigens die Tatsache, dass er sich scheinbar die Bands selbst zusammengesucht hat, so dass es da kein Schaulaufen irgendwelcher Labelhoschis gab, sondern im Publikum einfach nur ganz normale Fans saßen.

Hier ein kleiner Zusammenschnitt vom Berliner Abend.
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Tja, bitte mehr davon!!!
Und hier Triggerfinger mit der Single "I Follow Rivers".