Was gibt es Positives zu berichten? Der Support Ashley Hicklin war irgendwie niedlich, wenn seine Singer/Songwriter Titel, die er allein mit seiner Gitarre und seinem "klitzekleinen Drumkit" auf der Bühne gespielt hat, doch eher beliebig klangen, hat der Mann aus England, der nun in Hamburg beheimatet ist, nicht nur eine schöne Gesangsstimme, sondern auch ganz gute Entertainer Qualitäten. Im Gayle Tufts Denglish hat er sehr charmant mit dem Publikum geschwatzt, Fotos gemacht und ein gewisses Straßenmusikerflair rübergebracht, was einfach Spaß machte. Ich nehme an, dass die Songs auf seinem Album besser klingen, ich bin halt nicht so der Fan von dieser spartanischen Instrumentierung und wenn dann eher für Zuhause, wenn ich eingekuschelt bei Kerzenlicht auf meiner Couch liege *lach*. Und das Huxley's ist schön.
Ansonsten war der Abend eher mau. Grundsätzlich mag ich lieber Live-Konzerte, die rocken, habe aber auch schon schöne Popabende erlebt und erinnere mich da gerne an Shows mit Dido oder Travis, etc. Nun machen die fünf Finnen Sunrise Avenue wirklich massenkompatible Radiomusik, so dass ich mich auf einen ruhigen Abend eingestellt habe und keine allzu großen Erwartungen hatte. Dass es dann aber so ein seichtes "Hausfrauen" Konzert werden würde, damit hab ich nicht gerechnet. Die Käuferin der Tickets hat im Vorfeld nicht darauf geachtet, dass die Finnen auf Acoustic Tour sind. Hm. Grundsätzlich verstehe ich das Ansinnen eh nicht, unplugged spielen zu müssen. Bei "richtigen" Rockbands dann aber noch eher, da sich die Songs in der Neuarrangierung teilweise extrem unterschiedlich anhören und man daraus einen Mehrwert ziehen kann. Aber sowieso schon unspektakulären Popsongs das bisschen Technik zu nehmen, macht sie leider noch beliebiger und aus unerfindlichen Gründen um gefühlte 4 Takte langsamer. Der erste Eindruck passte denn auch auf den gesamten Abend. Als die fünf auf die Bühne kamen, rutschte meiner Begleiterin ein "huch, die sehen so frisch geduscht und geföhnt aus" - und dementsprechend hatte ich auch während der 60 Minuten (wir sind vor den Zugaben gegangen) das Gefühl, mir eine Art Boyband mit Instrumenten anzugucken. Ohne Frage haben sie musikalisch richtig was drauf, und Sänger Samu Haber hat eine klasse Livestimme. Aber es war eben ein "Schunkelabend" mit abgespeckten Popsongs und angestimmten Coverversionen von "Hey Baby" bis hin zu "La Bamba". Fühlte sich bisweilen an wie Schneehüttn light. Im Übrigen liefen da auch Menschen herum, die direkt aus Pretty in Pink 1986 in die Gegenwart gebeamt wurden, so stil- und kleidungstechnisch, das war schon seltsam mit anzusehen. Lustig war auch, dass wir uns irgendwann an die Bar verzogen haben, uns dort unterhielten und allen Ernstes von einem Mädel gebeten wurden, mit dem Quatschen aufzuhören *lach*, also ehrlich, das allein müsste schon ausreichen, um zu verdeutlichen, dass wir irgendwie auf dem falschen Gig waren. Einzig der Titel, den Neu-Keyboarder Osmo Ikonen von seinem bevorstehenden Soloalbum vorstellte, konnte dazu animieren, dass man sich mal zur Musik bewegte. Das war halt Standard Radiomucke, aber die ging wenigstens in die Hüfte, wenn Pop, dann bitte konsequent und nicht so ein Geseiere wie das, was die Finnen über die restliche Zeit brachten.
Nein, das war nicht unser Abend gestern. Da ist es dann nur schön, wenn man mit netter Begleitung da ist und sich wenigstens gemeinsam köstlich über das Ganze amüsieren kann.
Zu Suede habe ich erst Mitte der Neunziger gefunden, mit dem Album "Coming Up" aus 1996, und als ich mich in Songs wie "Beautiful Ones", "Chemistry between us" und "Trash" unendlich verliebt habe, stimmte die Chemie dann auch plötzlich mit den ersten beiden Alben "Suede" und "Dog Man Star", die Songs enthalten, die sich nach wie vor noch in meinen aktuellen Playlisten finden. Heute ist es lediglich "A New Morning", das 2002er Comeback-Album, welches mich musikalisch irgendwie nicht erreicht. Das scheint nicht nur mir so zu gehen, denn auch die Band hat am Freitag Abend konsequent vermieden, auch nur einen Song davon in ihr Best of Set unterzubringen.
Ein Abend übrigens, von dem ich erst von einer Freundin mit sanftem Druck überredet werden musste. Das erste und einzige Konzert mit Suede habe ich erst 2002 erlebt, damals in der UNIVERSAL HALL, Mensch, Erfurterin, falls du das hier liest: so hieß die Halle, auf deren Namen wir Freitag nicht kamen! *lach*. Egal, der Abend damals war absolut genial, aber irgendwie war ich mir nicht sicher, ob ich mir so ein Best of Konzert mit einer Gruppe von Männern, die schon lange das Thema Suede abgeschlossen hatten, geben sollte. Also danke an dieser Stelle an she_said fürs Überreden. Für dich dann auf der nächsten Seite auch die Setlist :)
Daraus lässt sich ja schon ablesen, dass der Abend ein voller Erfolg war. Die großartige Stimmung in der beinahe ausverkauften C-Halle und die absolute Frische der Band haben vergessen lassen, dass der Sound diesmal leider nicht so gut war. Einen besseren Soundtechniker würde ich da dringend empfehlen, dem Spaß aber tat das keinen Abbruch. Die Band war klasse drauf, Brett Anderson fit wie ein 20jähriger, der das Bad in der Menge genoss und jeden Moment nutzte, um mit den Fans auf Tuchfühlung zu gehen (danke für den verschwitzten Händedruck, wäre ich 14, hätte ich seit Freitag meine Hand nicht mehr gewaschen *lautlach*). Immer noch tänzelt er selbstverliebt über die Bühne, um dann plötzlich in die totalen Rockstarposen überzugehen. Kein Gramm Fett am Körper der Mann, und bei anderen würde es lächerlich wirken, wenn sie ihr schwarzes Hemd bis zum untersten Knopf offen lassen und ihre Hühnerbrust zeigen, aber gut, Brett Anderson darf das. Sorry, ein bisschen rumschwärmen muss an dieser Stelle mal sein.
Ich persönlich hätte vermutlich ein etwas anderes Best of gewählt und war ein wenig enttäuscht, dass "Saturday Night" nicht den Weg in die Setlist fand oder "Chemistry Between Us", aber ich denke, mit der Auswahl der gespielten Songs konnte man als Fan grundsätzlich ziemlich gut leben. Die nette Erfurterin, die mit ihrem englischsprachigen Freund neben mir stand und mich in den Pausen bestens unterhalten hat (wenn ich bisher etwas über Richard Oakes nicht wusste, dann weiß ich es jetzt) war am Ende ebenso glücklich wie ich, und auch beim Rausgehen aus der Halle habe ich kein negatives Wort von anderen Besuchern gehört. Aber irgendwie bleibt auch ein Hauch Wehmut zurück, wenn man den Aussagen Brett Andersons Glauben schenkt, dann wird es keine neuen Suede Songs geben. Das mag man gar nicht glauben, wenn man die Band an diesem Abend erlebt hat, da MUSS doch noch was gehen!
Wenn jemand übrigens mit Suede nicht allzu viel anfangen kann, aber auf gute Rockmusik steht, der sollte einmal in mein Alltime Favorite "Killing Of A Flashboy" reinhören und sich dann klar machen, dass dieses Edelstück als B-Seite verbraten wurde. Dann wird man der Genialität dieser Band vielleicht gewahr.
Als Support war Mark Fernyhough dabei, Singer/Songwriter, dessen Stimme mich manchmal nahezu gespenstisch an Chris DeBurgh erinnerte, die Texte sehr politisch und kritisch, aber eben nur mit seiner Gitarre und einer hübschen Cellistin auf der Bühne. Und ich gebe zu: für zwei Songs finde ich sowas nett, aber bei 30 Minuten fehlen mir dann einfach die anderen Instrumente. Abgesehen davon war Fernyhough durchaus hörenswert.
Mann, das war ein tolles Konzert, und ich muss mich beherrschen, um jetzt nicht die nächsten Wochen nur noch Suede-Playlisten auf meinem iPod zu erstellen!!!!
Hier noch zwei Videos vom Abend - 1. Mark Fernyhough und 2. Suede mit "Beautiful Ones" (ein wirklich tolles Fan-Video!!!)
Setlist
Intro: "Bodies" von den Sex Pistols
This Hollywood Life
She
Trash
The Drowners
Animal Nitrate
We Are The Pigs
Pantomime Horse (danke an Besucher Dog Man Star für den Hinweis!)
By The Sea
Filmstar
Killing Of A Flashboy
Can't Get Enough
Everything Will Flow
The Next Life
The Asphalt World (oder in der Reihenfolge umgekehrt mit Next Life...)
So Young
Metal Mickey
Heroine
New Generation
The Beautiful Ones
Zugaben
The Living Dead (Brett allein mit Gitarre auf der Bühne)
The Wild Ones
Was für ein Abend gestern im (vermutlich) ausverkauften Velodrom! Da blieben wirklich keine Wünsche offen. Das war mehr als ein "normales" Konzert, eher ein perfekt durchorganisiertes Event, dabei aber nicht künstlich oder Distanz aufbauend, sondern in totaler Partystimmung, und mit höchst spielfreudigen Vollblutmusikern. Das fing schon damit an, dass wir keine Musik vom Band während des Wartens zu hören bekamen, sondern ein Drittel von De La Soul an den Turntables für funkige Beats sorgte und dann auch die erste Supportband des Abends ankündigte: Little Dragon.
Mir bisher völlig unbekannt, bin ich nach dem halbstündigen Set zum Fan dieser schwedischen Band geworden, deren zierliche Frontfrau über eine tolle Livestimme verfügt, auch auf dem aktuellen Gorillaz-Album mitgewirkt hat und somit auch später mit dem Hauptact auf der Bühne stand. Hier ein Song-Beispiel ihres aktuellen Albums.
Danach ging es eigentlich fast nahtlos mit De La Soul weiter, von denen ich zugegebenermaßen gar nicht wusste, dass es sie überhaupt noch gibt. Ich bin ja nicht so der Riesen-Hip Hop Fan, insbesondere live finde ich das immer etwas schwierig. Aber die drei Männer haben eine Wahnsinnsstimmung gemacht, und man hat fast vergessen, dass sie gar nicht der Hauptact waren. Und Klassiker wie Me Myself and I sowie Ring Ring Ring funktionieren natürlich immer noch. Dazu wirkten die drei auch noch überaus sympathisch - und auch sie durften wir später am Abend mit dem Hauptact auf der Bühne sehen.
Die "Umbaupause" - sofern man das überhaupt so nennen kann - vor den Gorillaz war kurz, mit einem kleinen Comic-Einspieler von Jamie Hewlett und danach "Welcome to the Plastic Beach" mit einem Snoop Dogg leider nur auf der Leinwand (mann, wäre das cool gewesen, wenn der dort gewesen wäre). Als die Band auf die Bühne kam, traute man fast seinen Augen nicht. Ich glaube, selbst ohne Gastmusiker müssen da 20 Menschen gestanden haben. Neben lebenden Legenden wie Mick Jones, Paul Simonon (beide Ex-Clash) gab es eine Streichersektion mit ungefähr 5 oder 6 Damen, eine Bläsersektion"Hypnotic Brass Ensemble", zwei Schlagzeuger, vier Backgroundsänger, und und und. Allein diese Anzahl an Menschen lässt einen schnell vergessen, dass im Hintergrund der Bühne eine riesengroße Leinwand nicht nur die bekannten Gorillaz-Videos/Comics zeigt, sondern auch unterschiedliche Impressionen - jeweils zu den Songs passend. Die Gastmusiker geben sich das Mikro in die Hand, Bobby Womack darf zweimal ran und besticht durch seine Hallenfüllende Stimme, De La Soul und Little Dragon sind mit an Bord, Neneh Cherry ist da und kommt stimmlich leider fast kaum zur Geltung, Rosie Wilson leiht ihre mächtige Stimme für 19/2000 und Dare, diverse andere Rapper, deren Namen ich googlen müsste. Und über allem thront Damon Albarn, der Zeremonienmeister des Abends, der immer noch aussieht wie ein Pennäler, der die Fäden zusammenhält, den Hauptanteil der Songs gesanglich bestreitet und richtig "ackert" auf der Bühne, am liebsten überall gleichzeitig sein will, wenn es der Beat erlaubt, die irrwitzigsten Luftsprünge vollzieht, sich aber trotzdem nie in den Vordergrund stellt. So verrückt das klingen mag, aber all diese Musiker, die in den unterschiedlichsten Genres zuhause sind, aus aller Ecken Länder kommen und im wahrsten Sinne des Wortes bunt zusammengewürfelt sind, bilden eine homogene Einheit. Und dies ist auch in der Musik zu hören. Ich war zuvor unsicher, ob sich der Gorillaz Sound auch im Konzert gut anhören würde, und meine Zweifel wurden sofort zerstreut. Dieses Sammelsurium an Musikstilen ist live eine wahre Offenbarung, man nimmt die Klangvielfalt noch viel besser wahr als beim Lauschen der Alben. Und es verwundert wieder und wieder, dass alles so gut harmoniert und nicht in einem Musikmus untergeht. An dieser Stelle sei allerdings auch die fantastische Akkustik im Velodrom erwähnt, das ist eine der wenigen Hallen Berlins, wo man selbst aus dem Johlen/Klatschen/Pfeifen der Fans noch einzelne Töne mit dem Ohr herausfiltern kann. Und was für ein Klangteppich, als die Gorillaz vor der Zugabe für wenige Minuten die Bühne verließen! Man stelle sich die begeisterten Fans in der Columbiahalle vor einem Jahr bei Them Crooked Vultures vor und multipliziere das mit 3...
Meine Highlights waren sicher die syrische Folklore Band aus Damaskus, die von den ca. 12.000 Berliner tierisch bejubelt wurden, und Songs wie Dare, On Melancholy Hill, Superfast Jellyfish und in den Zugaben dann natürlich Feel Good Inc und Clint Eastwood. Eine Setlist kann ich nicht liefern, ich nehme aber an, dass die Reihenfolge der Songs sich von Ort zu Ort nicht sonderlich unterscheiden wird, insofern kann man mal HIERAUF einen Blick werfen, das ist die Setlist vom Konzert in Brighton.
Shaun Ryder hat ja im Übrigen das britische "Dschungelcamp" der Gorillaz-Tour vorgezogen, ich bin mir ziemlich sicher, so bejubelt wird er da nicht!
Spiegel Online hat heute einen sehr schönen Artikel zum Konzert ins Netz gestellt, da wird eigentlich alles gesagt, was man wissen muss (Zitat anklicken für den kompletten Bericht).
Insgesamt war das ein wirklich perfekter Abend musikalisch und visuell, und man hat das Velodrom mächtig beeindruckt verlassen, glücklich darüber, dass man beim einzigen Deutschlandkonzert der Band dabei sein durfte. Übrigens ist auch nachvollziehbar, warum keine ausgiebige Tour stattfindet, wenn man bedenkt, dass man locker bis zu 40 Musiker unter einen Hut bringen musste. Das ist ja eine logistische Herausforderung sondergleichen. Und vielleicht höre ich mir das Plastic Beach-Album demnächst mit "neuen Ohren" an und finde es dann weniger sperrig.
Und es gibt natürlich schon die ersten Videoschnipsel auf YouTube, zwei Beispiele:
Ich weiß noch, wie ich vor Jahren darüber traurig war, keine individuellen Konzerttickets beim Kauf mehr zu erhalten, sondern nur noch die 08/15 Standard Ausdrucke der Ticketcounter. In ganz wenigen Fällen kann man sich noch darüber freuen, dass einige Bands offenbar immer noch Wert darauf legen, dass ihre Konzertticks "vernünftig" aussehen, so wie das goldene Ticket der Foo Fighters im letzten Jahr oder meist auch die Ärzte-Karten.
Aber scheinbar sind wir mit dieser traurigen Entwicklung noch nicht am Ende der Fahnenstange angelangt. Für das Gorillaz-Konzert am 21.11. gibt es offenbar nicht mal mehr das Standard Ticket, sondern ein ausgedrucktes Blatt DIN A4 Papier mit nem Stempel drauf. Was ist das denn? Gerade bei den Gorillaz hätte ich mit einer coolen Eintrittskarte mit dem Konterfei der Aliases gerechnet und nicht mit so 'nem "Wischzettel". Warum dann nicht gleich ganz konsequent das Ticket per SMS aufs Handy schicken lassen. Bin gerade sehr enttäuscht. Und verschenken kann man sowas auch nicht. Glücklicherweise weiß die TZB, was sie zum Geburtstag erwartet, sowas kann man ja kaum hübsch verpacken :(