Sonntag, 13. Dezember 2009

Rückblick 2009: Juni - Musik

Wie schon angekündigt war der Juni ein wohlklingender Monat, wenn auch die Singlecharts von den Daniel Schumachers, Ashley Tisdales und Miley Cyruses dieser Welt bevölkert wurden. Aber ein paar ziemlich gute Alben haben das Licht der Welt erblickt, so dass es mir schwer fällt, eine davon besonders herauszustellen. Sonic Youth brachten nach dreijähriger Abwesenheit ein neues Album heraus - "Eternal". Ohne auch nur reinzuhören, war es für mich Pflicht, dieses sofort zu kaufen, nur um dann enttäuscht festzustellen, dass ich mit ihrer Musik irgendwie nichts mehr anfangen kann. Mir wars zu sperrig, und über Noiserock scheine ich nun endgültig hinweg zu sein.

kasabianGleich zu Beginn des Juni veröffentlichten Kasabian ihr drittes Studioalbum "The West Ryder Pauper Lunatic Asylum". Der Titel wurde der ersten psychiatrischen Klinik für Arme Großbritanniens in Stanley, West Yorkshire, entnommen.
Der Ordnung halber sollte ich hinzufügen, dass ich von der Veröffentlichung der Scheibe erst viel später etwas mitbekommen habe, aber erschienen ist das Teil nunmal im Juni, insofern gehörts auch zu den Platten des Monats Juni. Kasabian haben es ja irgendwie auf Dauer geschafft, Indie zu bleiben und trotzdem Scheiben herauszubringen, auf denen sich immer wieder Songs befinden, die den Massengeschmack treffen können. Beispielsweise "Where Did All The Love Go?" - einer meiner Favoriten - hat eine solche Ohrwurmmelodie, dass es schwer ist, den Titel zu vergessen, wenn man ihn nur einmal gehört hat. Die Bandbreite an Sounds, Samples und Instrumenten, die bei Kasabian zum Einsatz kommen, sorgen dafür, dass jeder Song auf dem Album unterschiedlich klingt. Besagter "Where Did ..." wirkt zur Mitte hin, als hätten da arabische Klänge Einzug gehalten. "Underdog" ist ein 1A Rocksong mit eingängiger Musik und simplen aber effektiven Gitarrenriffs. "Fast Fuse" klingt nach richtig schmutzigem Garagenrock mit Sixties-Einflüssen, "Take Aim" braucht seine Zeit, bis er richtig wirkt, besitzt aber so einen Breitwandeffekt, dass man sich fragt, für welchen Film er wohl als Score herhalten würden. Der Gesang von Tom Meighan klingt gelangweilt, passt aber zu der Mischung aus Rock, Elektro und Italo-Western Style. Italowestern-Klänge hört man überhaupt des öfteren auf diesem Album, so auch bei "West Ryder Silver Bullet" (ft. Rosario Dawson), der zu Anfang auch locker von Calexico hätte stammen können. Doch auch fette Beatles-Anleihen wie beispielsweise bei "Thick As Thieves", welcher irgendwie auch noch Surfpop unterbringen kann, gehören zum Kasabian-Repertoire. Damit wären die Anspieltipps genannt, "The West Ryder Pauper Lunatic Asylum" gehört definitiv zu den Alben des Jahres 2009!

thegossipDie Monatsmitte wurde versüßt mit "Music for Men" von The Gossip. Und das kann man wörtlich nehmen. "MfM" ist eines der wenigen Alben 2009, welches mich sofort beim ersten Mal hören komplett gefesselt und überzeugt hat. Ich hatte noch eine vage Erinnerung an Gossips Vorgängeralbum "Standing In The Way of Control" und wusste, dass mir vor allem der damalige Titelsong gut gefallen hat, hatte aber bei der neuen CD nicht mit so einem Aha-Effekt gerechnet. Auch im späteren direkten Vergleich der beiden Alben lässt sich nur feststellen, dass sich The Gossip enorm weiterentwickelt haben. In den Medien lag das Hauptaugenmerk auf Beth Ditto, die mit ihrer Rubensfigur und dem Lesbenbekenntnis zu einer Art Gallionsfigur für Dicke und Lesben mutierte und wo es besonders erwähnenswert war, dass Karl Lagerfeld sie zu seiner Muse ernannte und sie mit Kate Moss um die Häuser zog. Nun ja. Dabei geriet fast in Vergessenheit, dass Beth Ditto mitsamt ihrer Band verdammt musikalisch ist und die Dame über eine fantastische Stimme verfügt. Darüber hinaus ist dieses von Rick Rubin produzierte Album so vielfältig. Der bluesige Einstieg mit "Dimestore Diamond" hat außer Dittos Stimme so gut wie nichts mit der tanzbaren Hitsingle "Heavy Cross" gemeinsam. "Four Letter Words" wird von einem Klangteppich unterlegt, der an Depeche Modes "It's No Good" erinnert, "2012" erinnert an Blondie und einen Tick Pat Benatar, "8th Wonder" dagegen ist wieder punkrockig, da gehen Drums und Bass so richtig schön in Bauch und Beine. "Love Long Distance" gehört zu den schwächeren Songs des Album, wenn dies auch Jammern auf hohem Niveau ist, ich mag da letztlich nur den Refrain nicht wirklich, wobei mir allerdings der Text hierzu sehr gut gefällt. "Pop Goes The World" ist elektrolastiger und ein reiner Gute Laune-Song. "Vertical Rhythm" orientiert sich offenbar an das "Knight Rider"-Theme, jedoch wirkt es nicht wie ein billiger Abklatsch, sondern durchaus eigenständig und punktet mit einem energiegeladenen Refrain. In "For Keeps"  zeigt Ditto, wie hoch sie mit ihrer Stimme kommt und dass sie wirklich enorm gefühlvoll singen kann. Ich liebe diesen Song. Mit "Spare Me From The World" nimmt das Album dann ein extrem punkiges Ende. Insgesamt zeigen The Gossip auf "Men In Love" ihre ganze Bandbreite an musikalischem Können und werden es sicher schwer haben, dieses Ergebnis mit dem Nachfolger zu toppen. Und live überzeugen sie übrigens auch.

spinneretteEnde Juni dann kam die dritte Hammerplatte des Monats heraus: Spinnerettes selbstbetiteltes Debüt. Spinnerette ist das Nachfolgeprojekt von Distillers Frontfrau Brody Dalle. Nun mag man mir nachsagen, dass mir sowieso jeder musikalische Pups aus dem QOTSA-Josh Homme-Umfeld gefällt, doch ich glaube, ich kann da noch differenzieren. Die Distillers mochte ich zuvor schon richtig gerne, vor allem eben besonders Brody Dalles Stimme und ihre Art zu interpretieren, die man häufig nicht mit singen bescheiben kann. Nach ihrer Familiengründung mit Homme hatte ich schon die Befürchtung, so gar nichts mehr von ihr zu hören, bis die ersten Soundschnipsel von Spinnerette auftauchten. Die Vorabsingle "Baptized by Fire" hat mich etwas unschlüssig zurückgelassen - was waren das plötzlich für Electrosounds? Auch mit dem Album habe ich mich zunächst schwer getan, "Ghetto Love" und "Sex Bomb" kristallisierten sich schnell als Favoriten heraus, während ich den Rest recht sperrig fand. Bei "Ghetto Love" überzeugte mich die Tanzbarkeit, Dalles Gesang und der Hauch QOTSA-Gitarrensound, der da mitschwingt. "Sex Bomb" dagegen ist einfach so dermaßen bekloppt, dass man diesen schrägen Titel mögen muss. "All Babes Are Wolves" verfügt über einen richtig treibenden Beat, ein kleiner schmutziger Rocker, der dann auch wieder an die Distillers erinnert und Menschen glücklich macht, die schreiende Rockerinnen mögen. "Cupid" singt Dalle fast hypnotisch, während im Hintergrund Jack Irons massiv auf die Drums einschlägt, ein Widerspruch, der sich tief in den Gehörgang festsetzt. Mit "Geeking" kann ich dann nicht so viel anfangen, da will der Funke nicht überspringen. Und plötzlich - im Zusammenhang mit den anderen Titeln - hörte ich "Baptized By Fire" wie zum ersten Mal. Der Titel passt wie die Faust aufs Auge in dieses Album, und auch die Elektrobeats stören nicht mehr. Ich mag es, wie mit den jeweiligen Strophen der hymnenartige Refrain aufgebaut wird. Ein klasse Song. Bei "A Spectral Suspension" klingt Dalle fast sanft, um dann in einen rockigen Höhepunkt abzudriften, erneut mit leichten QOTSA-Anleihen. Hier macht sich übrigens auch bemerkbar, dass mit Jack Irons, Alain Johannes und Tony Bevilacqua Klassemusiker an Bord sind, die die Tempiwechsel der Songs gut rüberbringen. "Driving Song" ist auch genau das, würde ich noch Auto fahren, käme der  ohne Frage in meine Driving Playlist *g*. "Rebellious Palpitations" geht wieder treibend nach vorne und hätte auch auf "Coral Fang" erscheinen können. Und "The Walking Dead" ist einfach nur ein Traum von Song. Das Intro - ich nehme an von Alain Johannes gespielt, passt zu seinem Stil - winkt den Zuhörer rein in einen unglaublich entspannten tanzbaren Titel, an dem wirklich alles stimmt: Musik, Stimme, Text. Wenn mich Titel wie "Geeking", "Impaler" oder "Distorting A Code" auch  nicht völlig überzeugen konnten, bietet das Spinnerette-Debüt doch eine Vielzahl wirklich guter bis perfekter Songs, die von meinem iPod nicht mehr wegzudenken sind.

Samstag, 12. Dezember 2009

Rückblick 2009: Mai

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Einer meiner Lieblingsheader, bin immer noch glücklich, dass ich dieses tolle Prinzessin Leia-Bild gefunden habe, welches sich auch für Graphik-Anfänger super einarbeiten ließ. Der Mai ließ sich wieder positiver an, meine langohrigen Mitbewohner lebten sich gut ein und haben binnen kurzer Zeit meine Wohnung gekapert, in der ich seither nur noch Gast bin.
Blogtechnisch hatte ich im Mai zwei Neuzugänge, nämlich "Skywalker", der auch  mehrheitlich über Filme bloggt und die Teilzeitberlinerin - meine Schwester - die hier zwar keinen Blog hat, aber als angemeldete Userin einfach besser kommentieren kann. An dieser Stelle sei mal erwähnt, dass ich es blöd finde, dass nicht-registrierten Usern das Kommentieren über den Sicherheitscode so schwer gemacht wird, zumal die Spammer sowieso offenbar immer ein offenes Türchen finden.

Sah der April in Bezug auf Filme noch etwas mau aus, sollten sich im Mai die allerschlimmsten Befürchtungen in totale Euphorie verwandeln - denn JJ Abrams' "Star Trek" kam als Reboot ins Kino, altbekannte Helden mit neuen Darstellern. Ich hatte regelrecht Angst, als ich in die Preview ging und hab mich dann nach 5 Minuten in diese Neuauflage verliebt, kann es kaum erwarten, dass dieses alte neue Team uns erneut in den Weltraum mitnimmt. Was also den Spaß anbetrifft, wäre "Star Trek" mein Film des Monats, wenn da nicht noch ein zweiteiliger Biopic über den französischen Gangster Jacques Mesrine gewesen wäre. Eine phänomenale Inszenierung von Jean-François Riche, ein unglaublicher Vincent Cassel in der Hauptrolle - und auch ansonsten wurde bei beiden Filmen "Public Enemy Nr. 1: Mordinstinkt" und "...:Todestrieb" absolut alles richtig gemacht. Man fühlte sich an französische Gangsterklassiker mit Lino Ventura oder Alain Delon erinnert, ein bestimmtes Flair, welches in den 60 und 70er Jahren nur französische Thriller hatten. Absolut empfehlenswert. Im Übrigen gilt dies auch für das französiche Drama "Tage oder Stunden" mit Albert Dupontel in der Hauptrolle - oder dem eher seltsam anmutenden "Ricky" von François Ozon über ein fliegendes Baby. "Der Junge im gestreiften Pyjama" - eine Geschichte über zwei Kinder, die durch den Zaun eines KZs voneinander getrennt sind - der eine ist der Sohn des KZ-Kommandanten, der andere ein jüdischer Gefangener - ging mir sehr nahe. Gegen solche Produktionen konnten "Crank 2", "Illuminati", "Duplicity oder auch "Fanboys" (Preview, der offizielle Start war später) nicht viel ausrichten, sie blieben irgendwie im guten Mittelmaß hängen, während "The Last House On The Left" enttäuschte. Und über "Dragonball" sollte man sowieso den Mantel des Schweigens hüllen.
Eine tolle Neuigkeit in Sachen Film gab es im Mai noch: Nämlich der immer überragende Christoph Waltz wurde in Cannes für seine Leistung in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" ausgezeichnet - mehr als verdient. Selbiges gilt für den Darstellerpreis an Charlotte Gainsbourg für "Antichrist" . Michael Hanekes "Das weiße Band" erhielt die Goldene Palme.

Im TV musste ich mich bei "Primeval" damit abfinden, dass Nick Cutter (Douglas Henshall) nicht wiederkommt, der neue Kopf der Forschertruppe Danny, gespielt von Jason Flemyng, passt aber gut ins Team und kann ein wenig über den Verlust hinwegtrösten. Bei RTL entschied sich endlich die sechste "DSDS"-Staffel, Weichei Daniel Schumacher gewann nur hauchdünn vor Whitney Houston-Möchtegern Kopie Sarah Kreuz. Die ARD zeigt über Pfingsten die BBC-Verfilmungen (drei an der Zahl) von Henning Mankells "Wallander" mit dem von mir sowieso sehr gemochten, hier aber wieder eindrucksvoll aufspielenden Kenneth Branagh in der Titelrolle. Wer die Filme damals verpasst hat, sollte unbedingt mal nach den DVDs schauen, für mich die besten Wallander-Verfilmungen bisher. Stefan Raab spielte bei Pro7 das erste Mal Eisfußball - oder wie auch immer man dieses Geschliddere nannte. RTL erregte mit "Erwachsen auf Probe" mal wieder die Gemüter, und zwar schon vor der Ausstrahlung im Juni, da Frau von Leyen ein Verbot dieser Serie und das Handeln des Medienrates einforderte.
In Pro7s unerträglichem "Germany's Next Topmodel"-Casting gewann Sara Nuru. Die Finalshow war mal wieder so dermaßen aufgebläht, dass man sich fragte, wann die Zuschauer endlich streiken würden und sich die 1000te Wiederholung bereits gezeigter Szenen aus den vorherigen Shows nicht mehr antun. Aber sie lassen sich's weiterhin gefallen.

Musikalisch hätte der Mai ein ganz dunkler Monat werden können, wenn man sich nur vom Eurovision Song Contest leiten ließe, dabei war das ESC-Finale tatsächlich einer der besseren Shows im Vergleich zu früheren Jahren. Viel schlimmer waren die beiden Halbfinale, in denen die Spreu vom Weizen getrennt wurde und man sich fassungslos fragte: ist das wirklich die Art von Musik, die wir Europäer hören? Gewonnen hat den ESC ein weißrussisch-norwegischer Strahlemann mit einem nervtötendem Song, den ich seither glücklicherweise verdrängt habe: Alexander Rybak mit "Fairytale". Wie zu erwarten schnitten Alex Christensen und Oscar Loya mit ihrem "Miss Kiss Kiss Bang" unberauschend ab: Platz 20 für Deutschland. Da hats auch nichts genutzt, dass Dita van Teese sich unmotiviert auf der Bühne geräkelt hat.
Im Frühjahr verging kein Monat ohne neue Joaquin Phoenix-News, mittlerweile ist es ja etwas ruhiger geworden. Im Mai startete ein Web-Aufruf seitens Casey Affleck mit der Bitte, dass alle, die einem Phoenix-Auftritt beiwohnten und diesen gefilmt hätten, doch bitte ihre Amateurvideos einschicken sollten.
Im Gegensatz zum März und April hatte mein iPod im Mai wieder etwas mehr zu tun. Neue Alben von Eminem - "Relapse"- und den Manic Street Preachers - "Journal for Plague Lovers" - erschienen, die mir beide auf ihre Art und Weise sehr gut gefallen. Meine CD des Monats war jedoch eine andere, nämlich *tusch*

greendayGreen Day mit "21st Century Breakdown"
Da haben's die alten Punk-Recken den jungen nochmal gezeigt. "Peacemaker" ist mein ultimativer Liebling - bei dem ich das Gefühl habe, der Takt würde immer schneller gehen, dabei hab ich dann auch festgestellt, dass ich mit diesem Titel auf den Ohren aus unerfindlichen Gründen die U-und S-Bahn Treppen Berlins schneller hoch- und runterlaufe *g*. "Viva la Gloria" ist auch ein Traum, der Refrain zwar geklaut, aber das Teil wird im Laufe der dreieinhalb Minuten richtig schwungvoll. Ähnliches gilt auch für "Viva la Gloria (Little Girl)" - unglaublich melodischer Titel.  Bei "Before the Lobotomy" hab ich mich gefragt, wer zur Hölle das singt, das Intro klang so anders als Billy Joe Armstrongs Stimme. Nach dem Intro gehts dann aber gewohnt rockig zur Sache. "Last Night on Earth" hat so einen leichten Weihnachtsappeal und ist einfach so richtig schön schmalzig und kitschig. Was fürs Herz halt, braucht man ja auch mal zwischen den ganzen Gitarren... Etwas später gibt's noch "Restless Heart Syndrome" - auch so ein unaufgeregter, melodischer, ruhiger Song, bei dem man die Augen schließen und nur noch die Musik genießen will. "Murder City" macht mit den simplen aber effektiven Riffs wieder richtig Spaß und gehört zu den Songs, die ich gerne richtig laut höre. "21 Guns" klingt irgendwie nach einem alten Tremeloes-Klassiker o.ä., ich komm noch drauf, woran mich die Melodie erinnert. Außer "Know Your Enemy" ist auf der CD eigentlich kein Titel vertreten, den ich genervt weiterskippe, bei KYE auch nur, weil ich das letzte Drittel nur langweilig finde. Green Day haben sich über die Jahre zu richtig guten Musikern entwickelt, und Armstrongs Stimme scheint auch immer besser zu werden. Und bei den mitreißenden, Stadionrock artigen Songs vergisst man gerne mal, auf die Texte zu hören und singt sie eher unbedacht mit. Dabei haben Green Day durchaus etwas zu sagen.

Sonstiges

Barbara Rudnik - eine der besseren deutschen Schauspielerinnen, verstarb im Alter von nur 50 Jahren, und die großartige Monica Bleibtreu wurde nur 65.
Das Ende der Berliner Luftbrücke jährt sich zum 60. Mal. Noch einmal wird von einem alten Rosinenbomber und dessen 88jährigen Piloten Gail Halvorsen Schokolade über dem Flughafen Tempelhof abgeworfen.
Eine 66jährige Engländerin wird dank künstlicher Befruchtung erstmals Mutter. Das nenne ich Egoismus pur und bemitleide ihren Sohn schon jetzt.
Weitere Kinder saufen sich ins Koma, in allen Diskussionen rund ums Thema weiß jeder, wie das vermieden werden kann, doch nichts passiert.
Endlich wird auch in Berlin der jahrelange Broadway-Erfolg von "The Producers" aufgeführt, ein Musical, in dem über Hitler abgelacht werden darf. Warum hat das so lange gedauert?

Die Links zum Eintrag
Der Junge im gestreiften Pyjama
Public Enemy Nr. 1: Mordinstinkt
Public Enemy Nr. 1: Todestrieb
X-Men Origins: Wolverine
Duplicity
Star Trek
Fanboys
The Last House On The Left
Dragonball
Tage oder Stunden
Ricky
Illuminati
Crank 2: High Voltage
Wallander
ESC Halbfinale
ESC Finale
Joaquin Phoenix Rap-Doku

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Rückblick 2009: April

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Ein schwieriger Monat. Ende März musste ich den Tod meines Kaninchens Sukie wegstecken. Was mir schwer fiel, fiel leider ihrer Partnerin Hermine noch viel schwerer. Meine Süße hörte auf zu fressen und lag nur noch apathisch im Käfig, wollte gar nicht mehr raus. Verzweifelt bin ich los und habe für Zuwachs gesorgt, in der Hoffnung, die 3monatige Emily - erneut ein Löwenköpfchen - könnte der Großen etwas Lebensmut zurückgeben, und für einen kurzen Moment sah es auch so aus. Hermine berappelte sich und nahm wieder am Leben teil, doch suchte sie nach wie vor nach ihrer Sukie. Nach Ostern baute sie erneut ab und erkältete sich dann - trotz Impfung - vermutlich der geschwächte Körper war schuld. Das vom Arzt verschriebene (richtige! ich habs mittlerweile 1000 mal überprüft) Antibiotikum hat ihr den Rest gegeben. In der Nacht lagen wir noch gemeinsam auf dem Teppich, sie in meinem Arm, und ich konnte nicht aufhören sie zu streicheln. Am nächsten Morgen ging es völlig übermüdet zum Tierarzt, der sie noch an den Tropf legen wollte, mich dann aber ernst ansah und sagte, man wolle doch den armen Wurm nicht weiter quälen. Dazu muss man wissen: dieses Tier war nicht wie andere Kaninchen. Hermine war eigentlich eine Katze mit zu langen Ohren und zu kurzen Beinen, sie schnurrte nicht, aber knirschte mit den Zähnen, wenn es ihr gut ging. Sie brauchte den Kontakt zum Menschen - im Gegensatz zu Sukie, die von mir höchstens Futter annahm. Hermine konnte ich regelrecht in Trance streicheln, sie hörte auf ihren Namen und saß abends gerne neben - oder auf - mir auf der Couch, ließ sich die Pfötchen massieren und döste vor sich hin. Etwas, was ich immer noch sehr vermisse. Sie war aber auch ein kleines Monster, wenn es darum ging, Mist zu bauen. Sie lief mir in der Wohnung hinter her und ständig zwischen die Füße, wie man es nur von Hunden und Katzen gewöhnt ist. Und sie war wunderschön. Nach ihrem Tod  hatte ich vor, die Neue, Emily, erstmal alleine zu halten. Aber natürlich war mir klar, dass das egoistisch ist und habe dann Buffy dazugeholt, ein kleiner weißer Tuff von Löwenkopf, die sich sofort bestens mit Emily verstanden hat. So hatte ich Ende April wieder ein Kaninchenpärchen zuhause.
Das Wetter wurde schöner, die ersten warmen Tage kamen, und ich schwang mich auf mein Fahrrad, mit dem ich sowieso immer wieder irgendwie in Köpenick strande. Muss daran liegen, dass es dort so schön ist. Dafür endete Ende April eine Freundschaft. Manche Menschen können halt nicht damit umgehen, wenn man einmal deutlich macht, dass man über das Verhalten des anderen richtig sauer ist. Schade drum.
In der Blogcommunity kam Platzhirsch dazu, der sich aber in den letzten Monaten wieder sehr rar gemacht hat.

Film
Im April war ich ebenfalls recht häufig im Kino, doch gab die Auswahl der Filme nichts her, was irgendwie Nachhaltigkeit besessen hätte. Unterhaltung ja, aber nichts Besonderes. Einen Film des Monats April gibt es daher nicht für mich.
"John Rabe" lief im Kino an, so eine Art deutscher "Schindlers Liste" mit einem fantastischen Ulrich Tukur in der Hauptrolle. Leider hat der Film nicht den gewünschten Erfolg, vielleicht mag das Publikum aber auch eine Zeitlang keinen Stoff mehr sehen, der den Zweiten Weltkrieg aufarbeitet, verstehen könnte ich das. Auch der deutsche Filmpreis für Film und Hauptdarsteller Tukur konnte die Besucherzahlen nicht steigern. "John Rabe" hatte ich schon einige Monate zuvor in einem Testscreening gesehen und war damals sehr beeindruckt. Allein wegen Robert DeNiro habe ich mich dazu bewegen lassen, mir "Inside Hollywood" anzuschauen - den Film hatte ich völlig vergessen und habe auch gerade meinen Eintrag von damals nochmal sehr verwundert durchgelesen, weil ich mich überhaupt nicht dran erinnern kann. Das sagt ja schon alles. Dann gabs noch die "Knowing" Preview und die Erkenntnis, dass Nicolas Cage irgendwie einfach keine guten Filme mehr machen will. Völlig überrascht war ich, dass mir der vierte Aufguss von "Fast & Furious" tatsächlich gefiel und ich sogar Paul Walker ertragen konnte. Meine Dwayne Johnson Sucht wurde mit "Die Jagd zum magischen Berg" befriedigt, einem harmlosen Kinderscifi-Film, der aber von erster bis letzter Sekunde richtig Spaß gemacht hat, ebenso wie der sehr kindertaugliche Martial Arts Film "Forbidden Kingdom" mit Jackie Chan und Jet Li. Ole Bornedals "Bedingungslos" hat nicht vom Hocker gerissen, "Radio Rock Revolution" um den Piratensender in der Nordsee im Jahr 1966 dagegen sehr, wobei auch dieser am besten mit harmlos zu beschreiben ist. Dafür aber sehr witzig und mit einem absolut tollen Soundtrack. "Monsters vs Aliens" habe ich in 3D geschaut - gehörte aber auch zu den Filmen, die man schon vergessen hat, bevor der Abspann durch ist.

TV
"Primeval" Folge 3 passierte: Professor Nick Cutter ist tot. Hier müsste eigentlich eine Schweigeminute kommen, denn in dieses Rollenprofil - insbesondere auch aufgrund der verschmitzt-sexy-netten Darstellung von Douglas Henshall, hat es mir ziemlich angetan in den ersten beiden Staffeln. In meinem damaligen Eintrag habe ich noch Hoffnungen geschürt, dass da bestimmt noch irgendeine magische Auflösung kommen und Cutter natürlich überleben würde. Naja. Hoffnungen sind da, um zerstört zu werden. Dafür verdichteten sich die Gerüchte, dass "Primeval" dank Warner Bros irgendwann den Sprung ins Kino schaffen würde.
"Reaper" startete auf Pro7, die Serie in der Sam feststellen muss, dass seine Eltern seine Seele an den Teufel verkauft haben und dieser nun Sams Dienste einfordert, nämlich entflohene Seelen einzufangen und wieder in die Hölle zurückzuschicken. Dabei helfen ihm natürlich seine Freunde. Die herrlich komische Serie musste hierzulande erstmal in Gang kommen, zuletzt hatten die Folgen recht gute Quoten, Nachschub gibt es leider nicht, denn "Reaper" wurde in den USA nach Staffel 2 eingestellt.

Musik
Die Buga-Hymne wurde bekannt, und einige Menschen waren aufgrund dieses irgendwie sehr "braunen" Anstrichs, den die Musik hatte, schockiert. Ich auch.
Normalerweise sollte hier als CD des Monats Depeche Modes "Sounds of the Universe" beschrieben werden, das war sozusagen mein Plan, ehe ich wusste, dass ich so einen Rückblick überhaupt machen würden und vor allem ehe die Platte erschien. Als ich die Songs dann aber wieder und wieder durch die Boxen jagte und einfach nicht warm mit ihnen wurde, kann ich dieses Album nur noch als eine der größten musikalischen Enttäuschungen des Jahres bezeichnen.
Dagegen merkten Alex Christensen und Oscar Loya wenigstens noch vor ihrem Auftritt beim Eurovision Song Contest, dass sie allein kaum Chancen haben würden und gaben bekannt, sich Frau Dita von Teese als Showgirl dazuzuholen. Nun ja, im Mai-Rückblick sehen wir, obs was gebracht hat.
Im englischen Original vom Supertalent, nämlich "Britain's Got Talent" machte eine verhuschte, schottische Hausfrau mittleren Alters Furore. Die Dame - jeder kennt sie mittlerweile als Susan Boyle - kam im Hausmütterchenkleid auf die Bühne und sang vor dem zunächst skeptischen dann begeisterten Publikum "I dreamt a dream" aus dem Musical "Les Misérables". Per YouTube ging ihr Auftritt um die Welt, allein bis Ende Mai wurde das Video 6 Mio Mal angeklickt - zum derzeitigen Stand sind es über 33 Mio Mal. Am Ende wurde sie "nur" zweite, ein Zusammenbruch folgte, doch jetzt im Dezember ist ihre erste Platte erschienen, ein Auftritt bei Gottschalks Jahresrückblick, und ich bin mir sicher, von dieser Frau werden wir noch oft etwas hören. Hoffentlich geht diese ehrliche Person in diesem Business nicht unter. Eine Erfolgsstory sondergleichen. So, gerade nochmal Video geschaut und Tränchen im Auge.

Sonstiges
Kann man glauben, dass es schon so lange her ist? Im April begann der Schweinegrippen-Wahnsinn! Das öffentliche Leben in Mexiko kam zum Stillstand, Schulen wurden geschlossen, Jugendliche, die an Austauschprogrammen teilgenommen haben, wurden in Scharen wieder zurück nach Deutschland gebracht. Seit Ende April ist die Schweinegrippe - oder besser das H1N1-Virus - fast täglich auf dem Titelblatt der BILD-Zeitung, Verschwörungstheorien sind im Umlauf, etc.
Das war auch alles ganz praktisch, denn die Schweinegrippen News und Panikmache überlagerte andere wichtige Themen wie die Arcandor-Pleite, Opel- und Quelle-Diskussionen und andere desaströse Wirtschaftsnachrichten.
"Golden Girl" Bea Arthur ("Dorothy") verstirbt 86jährig an Krebs.
Am Schauspielhaus Düsseldorf wird der Fall Natascha Kampus thematisiert - oder eher die Gier der Mediengesellschaft an Informationen über den Fall und das Mädchen.
Johannes B. Kerner gibt bekannt, vom ZDF zu SAT.1 zu wechseln.
Das Urlaubsschiff MS Melody wird im Indischen Ozean nördlich der Seychellen von Piraten erfolglos angegriffen, Crew und Passagiere können dem Schlimmsten entgehen.
Günther Jauch wurde bei einer "Wer wird Millionär"-Sendung buchstäblich sprachlos, seine Stimme gibt den Geist auf, und seine Kandidatin muss ihre Fragen selbst vorlesen.

Links zum Eintrag
Das neue Kaninchen
R.I.P. Hermine
Buffy ist da
John Rabe
Inside Hollywood
KnowingFast & Furious
Die Jagd zum magischen Berg
Bedingungslos
Forbidden Kingdom
Radio Rock Revolution
Monsters vs Aliens
Primeval
BUGA-Hymne
Susan Boyle in "Britain's Got Talent"

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Rückblick 2009: März

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Zunächst einmal Danke für die durchweg positive Resonanz auf meinen kleinen Rückblicksversuch, der auch tatsächlich etwas Arbeit aber dafür um so mehr Spaß macht. Der März-Header wurde von Hannibal "The Cannibal" Lecter geprägt, passend zu den Fantasy Filmfest Nights.
Im März kam hier der erste des "Darkagent"-Blog-Dreiers in die Community: Spideragent, der weiterhin fleißig seine lesenswerten Film- und TV-Reviews schreibt.
Ich habe in einer Nachtaktion angefangen, meine bisherigen Filmreviews per Bloglisten aufzuräumen. Das möchte ich nicht nochmal tun müssen.
Ach, der März hat so gut angefangen und musste leider so tragisch enden. Meine geliebte kleine Maus - Sukie, ein schokobraunes Löwenkopfkanichen - verstarb an einem Tumor. Die Süße wurde knappe fünf Jahre alt, war wunderschön, zickig, eigensinnig und wirkte, als hätte Walt Disney sie persönlich gemalt, um sie dann Klopfer zu nennen. Eine Erkenntnis: es ist egal wie alt man ist, ob 10 oder 35 - wenn ein geliebtes Tier stirbt, dann weint und trauert man wie um einen Freund. Leider ging es ebenso traurig in den April - aber das im nächsten Rückblick.

Film
Der März war hauptsächlich geprägt von den Fantasy Filmfest Nights, dieses zweitägige Minifestival, das die Lust auf das richtige Filmfest im August nur noch weiter schürt. Mal abgesehen von dem dortigen Filmprogramm zählt das Frühjahr für mich sowieso immer zur Kinohardcore-Phase.
Im Kino war es zunächst "Watchmen", der  mich völlig wegblies. Gleichermaßen ein Film, der definitiv die Meinungen spaltete. Die einen fanden ihn fürchterlich langweilig, die anderen fanden den Comic tausendmal besser, und wiederum andere waren beeindruckt, dass eine Comicverfilmung auf einer ganz anderen Ebene stattfinden kann, als die typischen Vertreter dieses Genres. Ich habe ihn mittlerweile nochmals auf DVD gesehen und musste feststellen, dass der Zauber gebrochen wurde. Hätte ihn danach nicht wieder so extrem gut bewertet, weil ich echt Probleme hatte, nicht einzuschlafen. Danach "The Wrestler", Mickey Rourkes Comeback (was ist eigentlich mit "Sin City"?), ein unglaublich guter Darsteller, aber ein Film, der seine Schwächen hatte. Danny Boyles "Slumdog Millionaire" - DER Oscargewinner, der Publikumsliebling schlechthin, der scheinbar alle Geschmäcker auf sich vereinigen konnte. Ich fand ihn auch großartig. Nicht umsonst wurde er zum Dauerbrenner im Kino, der beispielsweise im CineStar am PotsPlatz in Berlin monatelang lief. Jetzt schon ein Klassiker. Über "The Unborn" dagegen darf man eigentlich keine Worte verlieren, einer der schlechtesten Horrorfilme des Jahres. Einer der schönsten Filme des Jahres - im wörtlichen Sinne - lief dafür hierzulande leider nur in kleinen, ausgewählten Kinos, nämlich Tarsem Singhs "The Fall". Nicht unbedingt die tollste Geschichte, aber visuell so beeindruckend, dass der Film auf DVD nur verlieren kann und diejenigen sich glücklich fühlen durften, die eine Chance hatten, ihn auf der großen Leinwand zu sehen. "The Fall" gab dem Begriff "bildgewaltig" eine neue Bedeutung.
FFF Nights: "The Horsemen", "Franklyn", "Book of Blood" und "Long Weekend" waren die großen Enttäuschungen, Filme, bei denen man sich echt durchquälen musste. "Deadgirl" beinhaltete sicherlich ein echt perverses Thema, mir hat aber die Umsetzung so gut gefallen, dass ich über mein Ekelgefühl hinwegsehen konnte. "My Bloody Valentine" hätte ich gerne in 3D gesehen, so war es  nur ein mittelmäßiges Remake. "Dead Snow" - der finnische Nazi-Zombie Film und "Splinter" - australischer Tierhorror - waren totale Spaßfilme. Nicht mehr und nicht weniger. Während "The Good The Bad The Weird" - die koreanische Hommage an "Zwei glorreiche Halunken" für mich einer DER Filme des Jahres ist - was Realisation, Musik, Schauspieler und Spaßfaktor anbetrifft. Und das kann ich schreiben, nachdem ich ihn mittlerweile schon zwei weitere Male auf DVD gesehen habe.

TV
"The Mentalist" startete im März auf SAT.1. Ich hatte vorher schon die Gelegenheit, die ersten Folgen im Original zu sehen und war begeistert. Nicht, dass die Serie etwas bahnbrechend Neues bereit hielt, aber mit ihrer Hauptperson - gespielt vom superben Simon Baker - und dem netten Polizeiteam brachte sie eine wirklich angenehme Krimiform wieder zurück auf den Bildschirm, weniger Technik, mehr Köpfchen, jedoch niemals besserwisserisch, sondern charmant. Ein Mitraten für die Zuschauer. Toll. Hoffe, die zweite Staffel läuft auch bald.
Vox brachte endlich die erste Staffel von "Life", für die ich ja schon eine ganze Weile Werbung gemacht habe. Ähnlich wie beim Mentalisten geht es da mehr um die eigentliche Ermittlungsarbeit, das Ermittlerduo entsprach nicht der 08/15 Formel, und alles war so schön zurückgenommen inszeniert. Erst die zweite Staffel im Herbst sollte Vox die besseren Quoten bringen. Schade, dass die Serie in den USA nicht mehr produziert wird, ich persönlich könnte Charlie Crews gerne noch ein Weilchen zusehen.
Und Pro7 stand mit "Fringe" in den Startlöchern, einer Mysteryserie, die in den USA außerordentlich gut lief und auch hier einen positiven Start hatte.
Und das allerbeste: meine geliebte, wundervolle, tollste etcpp Serie kam zurück auf den Bildschirm (Pro7), nämlich die dritte Staffel der englischen SciFi-Produktion "Primeval". Sie konnte nicht ganz mit den anderen beiden Staffeln zuvor mithalten, insbesondere Folge 3 im April sollte mich frusten, aber im Großen und Ganzen war ich wieder angefixt.
Der "Stromberg"-Ernie, nämlich Bjarne Mädel, bekam auf Pro7 seine eigene Serie: "Der kleine Mann", abends spät im Programm versteckt, haben mich die Folgen nicht umgehauen.

Musik
In einem ansonsten mauen Frühling und Sommer - was Konzerte anbetrifft - war ich im März bei den Eagles of Death Metal, die für mich eine DER Partybands schlechthin sind. Entsprechend spaßig war auch die Show und spätestens da bin ich zum ewigen Fan geworden.
Joaquin Phoenix war auch umtriebig und ließ sich dabei filmen, wie er bei einem Auftritt einen schimpfenden Zuschauer attackiert hat.
Plattentechnisch hat mich der März nicht umgehauen. Phoenix (nicht Joaquin, sondern die Pop-Franzosen) brachten ihre neue Scheibe "Wolfgang Amadeus Phoenix" raus. Aber da mir darauf nur zwei Songs gefallen, nämlich "1901" und "Fences", verzichte ich auf eine ausführlichere Beschreibung.
Lady GaGa's "Pokerface" war aus den Charts nicht mehr wegzudenken, aber bei mir dauerte es noch eine Weile, bis ich dieser Künstlerin zu Füßen lag.

Sonstiges
Am 11.03. tötet der 17jährige Tim Kretschmer in einem Amoklauf an seiner Schule in Winnenden 15 Menschen - inklusive den Opfern auf seiner Flucht. Am Ende konnte die Polizei ihn stellen, und Tim richtete sich selbst. Ein schwarzer Tag, der bis heute nachdenklich macht.
Im Zuge der 3D-Technik - die in ihrer neuen, digitalen Form mit immer mehr Produktionen Einzug ins Kino hielt, müssen langsam auch die "normalen" Säle aufrüsten. Im März machte UCI den Anfang und sorgte für die 3D Projektion in ihren Kinos.
Die Abwrackprämie wird verlängert, nachdem es bereits hieß Rien ne va plus.
Nach einem Saufexzess stirbt ein Schüler auf einer Klassenfahrt, zwei andere schwebten in Lebensgefahr, Komasaufen kommt wieder in die Schlagzeilen, doch ändert sich nichts.
In Kolumbien schockt ein Inzestfall á la Josef Fritzl: ein Vater zeugte acht Kinder mit seiner Tochter.
Die Phantom-Mörderin aus Heilbronn gerät wieder in die Schlagzeilen.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Them Crooked Vultures, 07.12.2009, Columbiahalle Berlin

Achtung, das wird ein langer Eintrag.
Es gibt Konzertabende, die vergisst man niemals. Mein erstes KISS-Konzert z.B. in der Deutschlandhalle damals. Vor einigen Jahren ein Endfuffziger David Bowie, der uns nach fast drei Stunden Show in der Max-Schmeling-Halle völlig ausgepowert entließ und selbst völlig munter von der Bühne ging, während wir aus der Halle krochen, oder R.E.M. 2001 auf der Kölner Domplatte. Dann auch noch mein erstes QOTSA-Konzert 2001 oder Aerosmith Anfang der 90er. Das sind Konzerterlebnisse, an die man sich auch nach Jahren fast noch minutiös und vor allem gerne erinnert.


Them Crooked Vultures - die Supergroup bestehend aus Led Zeppelins John Paul Jones (Bass), Foo Fighters' (und Nirvanas) Dave Grohl (Drums) und QOTSAs Josh Homme (Gitarre/Gesang) spielten gestern in Berlin, nur wenige deutsche Auftritte waren den Fans auf der Europatournee vergönnt. Supergroup - ein Begriff, der bei mir immer leichte Irritationen auslöst, weil das Risiko einer grandiosen Enttäuschung einfach sehr hoch ist. Gerade live hätte es zwei negative Möglichkeiten geben können: 1) die Megaegos der jeweiligen Musiker sorgen dafür, dass sie sich gegenseitig im Weg stehen und man ihre Darbietung höchstens als sperrig bezeichnen könnte, oder 2) der alles überbordende Respekt zweier Jungspunde (ich glaub, das kann man bei Grohl und Homme noch sagen) gegenüber einer Musikerlegende wie Jones wirkt wie eine Barriere, und sorgt dafür, dass die Musik nicht homogen wirkt.
Beide Sorgen waren unberechtigt. Gut, das zeigte sich sicherlich auch schon auf dem Mitte November erschienenen selbstbetitelten Album, auf welches ich in meinem November-Rückblick noch detailliert eingehen werde. Doch so sehr ich das TCV-Debüt auch liebe, bleibt natürlich immer die Frage, wie das alles live klingt. Beim ersten Durchhören des Silberlings ließ sich feststellen, dass insbesondere Josh Homme mit seinem QOTSA-Sound dem Dreiergespann deutlich den Stempel aufgedrückt hat, zudem wurde er von Grohl und Jones auch noch dazu verdammt, die Frontsau zu spielen, weil die anderen beiden sich zierten (hierzu gibts ein schönes Interview in der Jubliäumsausgabe der Visions). Jedoch bei dem gestrigen Live Konzert sah die Sache schon ein bisschen anders aus, die Songs hatten immer noch einen Hauch QOTSA am Leib, aber entwickelten sich doch zu etwas Eigenständigem, zu einem absolut perfekten Sound. Aber der Reihe nach.
Sweethead eröffneten den Abend, hierzu habe ich bereits etwas geschrieben. Nach einer kurzen Umbaupause kamen Dave Grohl, Josh Homme und John Paul Jones auf die Bühne und wurden komplettiert von dem Multiinstrumentalisten Alain Johannes, der manchem - wenn man wie ich QOTSA-Fan ist - vielleicht schon ein Begriff war. Noch ehe auch nur ein einziger Ton gespielt wurde, wurde die Band frenetisch vom Publikum gefeiert, locker zwei Minuten vergingen, "John Paul Jones"-Sprechchöre erklangen (nicht das einzige Mal an diesem Abend, übrigens wurde der Mann deswegen verlegen, um dann von Homme aufmunternd angelächelt zu werden - irgendwie niedlich), bis Homme sich fassungslos an die Menge wandte und nur noch sagen konnte "I love you". Man nahm seine Positionen ein und los gings mit "Nobody Loves Me & Neither Do I" - auch der Opener auf dem Album. Ein Stück, welches Bluesrock neu definiert und mit einem letzten Drittel aufwartet, welches insbesondere live einfach nur noch als geil zu beschreiben ist. Testosteron pur, Kerle-Beats, die Mädchen anmachen *lach*. Kann ich nicht anders beschreiben. Schon zu dem Zeitpunkt war die Halle am Kochen, und auch bei mir hoch oben auf der Galerie wurden Mähnen geschüttelt und entrückte Gesichter entdeckt. Weiter gings mit "Dead End Friends" und "Scumbag Blues". Der geneigte QOTSA-Freund weiß, dass Josh Homme zum einen auf der Bühne nicht sonderlich gesprächig ist und zum anderen nun nicht unbedingt mit einer der besten Live-Stimmen gesegnet ist, was auf CD häufig fast Crooner-mäßig rüberkommt, klingt live oftmals nach Falsett-Gesang. Bei dieser Art von Musik stört das aber nicht weiter. Viel faszinierender war die Tatsache, welcher Qualitätsunterschied zu anderen Bands an diesem Abend zu hören war. Mit den vier Männern auf der Bühne standen dort auch vier absolute Ausnahmetalente, die entweder ein Instrument perfekt beherrschten oder im Falle von beispielsweise Jones oder Johannes gleich mehrere, und die eine außergewöhnliche Musikalität besitzen. Die Klänge von der Bühne waren um vieles klarer, reifer und definierter als ich es von anderen Bands gewohnt bin - auch von früheren Konzerten der Queens of the Stone Age. Dave Grohl und John Paul Jones bildeten mit der Drums/Bass Rhythmsection einen perfekten Klangteppich, ich habe den Bass selten so deutlich herausgehört. Und Grohl ging auf sein Schlagzeug los, als wenns kein Morgen gäbe. Mein lieber Kollege, der gestern auch dabei war, sagte heute ganz richtig, dass er es einfach nur faszinierend fand, mit welchem Automatismus Grohl seine Drums prügelte und zwischendurch immer wieder das Mikro heran- und hinwegschob für seine  Background Vocals. Schneller als meine Augen es manchmal erfassen konnten. Alain Johannes ist eine coole Sau von Gitarrist, der sich zudem perfekt in jede Art von Musikerkonstellation einbringen kann und eigentlich immer ein Gewinn ist. Und Josh Homme - man kann sagen über ihn was man mag, ich halte ihn für einen der besten Gitarristen und Musiker der Gegenwart. Welche Töne dieser Mann seinem Instrument entlockt, das ist schon hohe Kunst, insbesondere da er mit seinen Riffs oftmals die eigentliche Melodie konterkariert, um dann aber wiederum zur Melodie zu singen. Und wenn dann mal 'ne Gitarrensaite reißt, dann hält man die beim Solo mit den Zähnen fest und spielt einfach weiter. Was also die musikalischen Fähigkeiten der Herren anbetrifft, war das gestern Abend ein absoluter Aha-Effekt.
Zur Atmosphäre lässt sich folgendes schreiben. Seit 2001 gehe ich regelmäßig zu allen QOTSA und Foo Fighters-Konzerten, natürlich habe ich LedZep nicht mehr live erlebt. Man sollte meinen, dass da gestern alte Hasen auf der Bühne standen, die schon alles gesehen und erlebt haben. Mitnichten (ich liebe dieses Wort)! Them Crooked Vultures spielte genauso auf, wie man es von einer jungen Band, die erst seit wenigen Monaten zusammengefunden hat, erwartet. Aufgeregt, glücklich, strahlend. Dass Grohl immer von einem Ohr zum anderen grinst, ist man ja mittlerweile gewohnt. Jones wirkte teilweise richtig schüchtern und versteckte sich gerne auf der linken Seite der Bühne hinter den Lautsprechern. Daher ist mir wohl bei Homme am deutlichsten der Unterschied zu den letzten QOTSA-Shows aufgefallen, die ich gesehen habe. Um nicht falsch verstanden zu werden - schlecht drauf hab ich den Mann noch nie live erlebt. Aber es ist schon lange her, dass man mitansehen konnte, wieviel Lust am Spielen er auf der Bühne hat und aus dem Grinsen nicht mehr heraus kam. Dass die vier (mit Johannes) noch nicht perfekt aufeinander eingespielt waren, konnte man daran erkennen, wie sehr sie auf der Bühne noch mit Blicken, Gesten und Worten miteinander kommunizieren mussten - immer begleitet von einem Lachen. Ohne Frage hatten sie großen Spaß miteinander. Und dass ich noch erleben durfte, wie Mr Homme seine Gitarre zur Seite legt, das Mikro greift, in der anderen Hand eine Zigarette und wie ein freundlicher Tanzbär altherrensalsamäßig hüftwackelnd über die Bühne schwebt und entspannt vor sich hinsingt und tanzt, hätte ich mir im Leben nicht träumen lassen. Findigere Leute haben zu dem Zeitpunkt diesen Moment sicher gefilmt, ich war einfach nur hin und weg - wie immer, wenn ich feststelle, dass die Menschen, denen ich zusehe und -höre mit größtem Vergnügen bei der Sache sind. Allein dieser Augenblick hat mir deutlich gezeigt, dass die Gründung von Them Crooked Vultures sicherlich nicht das Ende von QOTSA oder den Foos bedeutet, aber ganz bestimmt eine wichtige Etappe für die Musiker zu sein scheint, um den Kopf wieder frei zu bekommen und neu anzufangen. Dafür mein Respekt.
90 Minuten lang haben sie gespielt, alle Songs des aktuellen Albums sowie "Highway Man" in einer Qualität, wie man sie live nur selten zu hören bekommt. Die Bühne machten sie im wahrsten Sinne zu ihrem Spielplatz, einzelne Songs wurden in Jamsessions zu 8Minütern aufgeblasen, die Freude nahm mehr Raum ein als der gegenseitige Respekt. Und ich bin froh, dass ich sie jetzt live gesehen habe, da ich annehme, dass bei den späteren Konzerten dieser Supergroup (ein Begriff, mit dem ich mich jetzt anfreunden kann) dann auch irgendwie der Alltag Einzug hält. Die Berliner feierten die Band an dem Abend bis zum Schluss ausgelassen. Und soviele Crowdsurfer (das ging minütlich mit jeweils 1-2 Leuten) habe ich noch nie bei einer einzigen Show gesehen.
Ein Abend, den ich so schnell ganz sicher nicht vergessen werde.


Hier noch einige Fotos (man beachte bitte die synchrone Beinarbeit von Josh Homme und Alain Johannes), und auf der zweiten Seite gibt's die Setlist, die ein fleißiger User auf setlist.fm veröffentlicht hat.
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Zum Vergrößern natürlich anklicken!


Setlist, 07.12.09, Columbiahalle


No One Loves Me & Neither Do I
Dead End Friends
Scumbag Blues
Elephants
Highway One
New Fang
Gunman
Bandoliers
Mind Eraser, No Chaser
Caligulove
Interlude With The Ludes
Spinning in Daffodils
Reptiles
Warsaw Or The First Breath You Take After You Give Up